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Versandhändler in Not : Verdi: 50:50-Chance für Einigung bei Neckermann

  • Aktualisiert am

Wohin der Weg für Neckermann geht, ist weiter offen Bild: dapd

Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertreter ringen weiter um die Zukunft des Versandhändlers Neckermann. Laut Gewerkschaft Verdi stehen die Chancen auf eine Übereinkunft weiter 50:50.

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          Beim Versandhändler Neckermann.de bemühen sich Management und Gewerkschaft, eine drohende Insolvenz abzuwenden. „Wir versuchen weiterhin zu einer vernünftigen Regelung zu kommen. Heute ist nach Aussagen der Geschäftsleitung die letzte Chance“, sagte Verdi-Sekretär Bernhard Schiederig in Frankfurt am Vormittag. „Die Chancen stehen 50:50.“

          Daran hat sich laut Schiederig am frühen Nachmittag nichts geändert. Es gehe im Kern weiter um Abfindungen und eine Transfergesellschaft für Mitarbeiter, die nach den Plänen des Unternehmens ihre Stellen werden. Als Klippe gilt eine Betriebsvereinbarung von 2005, in der Kündigungsfristen und Abfindungen genannt seien. Wenn diese Übereinkunft angewendet würde, wäre Neckermann finanziell überfordert, hieß es.

          Gerungen wird um einen möglichst sozialverträglichen Abbau von 1380 Stellen. Der vom Finanzinvestor Sun Capital beherrschte Versandhändler mit bundesweit rund 2400 Arbeitsplätzen will den Eigenhandel mit Textilien sowie das Frankfurter Zentrallager aufgeben. Das Kataloggeschäft war zuletzt so rapide eingebrochen, dass Erfolge aus dem Onlinehandel aufgezehrt wurden.

          Firma: „sehr konkrete Angebote“

          Die Arbeitnehmerseite verlangt eine Absicherung eventueller Abfindungen sowie eine Klärung der Auswahlkriterien bei Kündigungen. Nach Firmenangaben hatte das Unternehmen zuletzt am vergangenen Wochenende „sehr konkrete Angebote“ gemacht, auch zu Abfindungen.

          In einer aktuellen Stellungnahme der Neckermann.de GmbH heißt es: „Die Angebote für Abfindungen entsprechen den maximalen Möglichkeiten des Unternehmens und liegen weit über dem, was im Falle einer Insolvenz zu erwarten wäre.“ Die Auszahlung der Kündigungsfristen bis Ende des Jahres für jeden Mitarbeiter zuzüglich einer Abfindung sei „sehr viel mehr, als im Falle einer Insolvenz angesichts der gesetzlich festgelegten Obergrenzen zu erwarten“.

          Am Sonntag hatten Arbeitnehmervertreter noch mitgeteilt, die Gewerkschaft Verdi vermisse ein ernstzunehmendes Angebot. Dies setze eine Garantie des Neckermann-Inhabers Sun Capital voraus, die ein Angebot an die Belegschaft für einen Insolvenzfall absichere.

          Es geht um zehn Millionen Euro

          Nach Informationen der Rhein-Main-Zeitung gibt es die verlangte Garantie nicht. Sie ginge mit einer Aufstockung der Mittel um zehn Millionen Euro einher, sagte eine mit den Vorgängen bei Neckermann vertraute Person. Dieses Geld habe Sun Capital aber nicht zur Verfügung. Neckermann soll nun allerdings anbieten, Abfindungen aus eingehenden Mitteln zu zahlen. Sun Capital hatte zuvor angeboten, weitere 25 Millionen Euro ins Unternehmen zu investieren und alle Mitarbeiter bis Jahresende zu beschäftigen - also auch jene 1500, die ihre Stelle verlieren sollen und im Fall einer Insolvenz nur drei Monate Insolvenzgeld bekämen.

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