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F.A.Z.-Leser helfen : Vermittler zwischen Flüchtlingsheim und Werkstatt

  • -Aktualisiert am

Türöffner: Said Bousfia, Flüchtlingskoordinator der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, wuchs in Mainz auf. Er sagt, dass viele Flüchtlinge viel offener seien, wenn sie auf jemanden träfen, der aus einem ähnlichen Kulturkreis komme. Bild: Maximilian von Lachner

Said Bousfia ist der Flüchtlingskoordinator der Handwerkskammer Frankfurt Rhein-Main. Schon sein Name weckt bei vielen Flüchtlingen Vertrauen.

          Der Vorname Said ist arabisch und bedeutet „der Glückliche“. Viele Flüchtlinge macht es glücklich, wenn sie dem Dreißigjährigen mit den schwarzen, zur Seite gegelten Haaren, dem schmalen dunklen Bart, den tiefbraunen Augen und der schwarzen Intellektuellen-Brille begegnen. Und sie sprechen ihn sofort auf Arabisch an. Der offizielle Flüchtlingskoordinator der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main trägt diesen verheißungsvollen Vornamen, muss die meisten Menschen aber schon bei der ersten Begegnung enttäuschen: Er spricht kaum Arabisch, versteht nur ein wenig. Said Bousfia ist ein waschechter Mainzer Bub, aufgewachsen am Rhein zwischen Fastnacht und Fußball.

          Seine Eltern allerdings stammen aus Marokko, aus einer der spanischsprachigen Enklaven im Norden des Landes. „Ich weiß deshalb vielleicht ein bisschen eher, wie sich manche hier als Flüchtling fühlen“, sagt Bousfia. Er ist 30 Jahre alt und höchst erfolgreich integriert. Das strahlt schon seine betont korrekte Markenkleidung aus. Seine Sprache ist genauso korrekt und distanziert, kein Typ zum Ausweinen, sondern einer, den man gern als Ratgeber bei kniffligen Behördenangelegenheiten hätte.

          Wirkliche Berufung gefunden

          „Wenn Flüchtlinge jemanden sehen, der aus einem ähnlichen Kulturkreis kommt wie sie, fühlen sie sich willkommen und sind viel offener“, hat er beobachtet. Und wenn derjenige schon mit seinem Auftreten vermittelt: Seht her, ich habe es doch auch geschafft, strengt euch an! – dann bietet das tatsächlich einen ganz besonderen Anreiz.

          Auch er stand oft zwischen den Sprachen, noch dazu mit einer Familie aus einem mehrsprachigen Land. Fast zwangsläufig wollte er also zunächst Fremdsprachenkorrespondent werden, Deutsch, Spanisch, Französisch, Englisch spricht er fließend. Doch dann entschied er sich zusätzlich für ein Wirtschaftsstudium. Eine Anstellung fand er vor knapp zwei Jahren bei der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, zunächst als zuständiger Organisator der Meisterkurse in fünf verschiedenen Handwerken.

          „Ich habe tatsächlich zwei linke Hände“, sagt er offen, wenn man ihn nach seinen handwerklichen Fähigkeiten fragt. Sein Vater, ein Handwerker ohne deutsches Zertifikat, aber mit den vielfältigsten praktischen Kenntnissen, sei oft an ihm verzweifelt, wenn er ihm früher erklären wollte, wie etwas funktioniere oder zu reparieren sei. Glücklich war Bousfia viel eher als an der öligen Werkbank im sauberen Büro, hinter dem Schreibtisch, vorm Computer und am Telefon. Der weiße Hemdkragen, den er unter dem eleganten Pullover trägt, sagt auch das ohne Worte. Seine wirkliche Berufung aber fand er, als im Herbst des vergangenen Jahres so viele Flüchtlinge nach Deutschland und damit auch nach Frankfurt und ins Rhein-Main-Gebiet kamen.

          Deutschkenntnisse als Hürde

          Schnell war man sich bei der Handwerkskammer darüber einig, dass das eine große Chance sein könnte, denn man war schon zu lange vergeblich auf der Suche nach dem Nachwuchs im Handwerk. „Das Handwerk bietet so viele Arbeitsplätze an, viele Leute werden gesucht, und viele der Flüchtlinge haben in ihrer Heimat handwerkliche Berufe ausgeübt“, sagt er. Die große Chance also, tatsächlich an dringend benötigte Fachkräfte zu kommen.

          „Ich wollte einfach gern Flüchtlinge unterstützen“, sagt Bousfia und die Handwerkskammer brauchte einen Mann, der die vielfältigen Barrieren aus dem Weg räumt, die dem entgegenstehen. „Wenn jemand in Afghanistan Tische bauen konnte, dann kann er das auch in Deutschland, Holz ist Holz“, sagt Bousfia. Nur dass man in Deutschland sehr viele formale Qualifikationen und Zulassungsvoraussetzungen benötigt, bevor man den Hobel auch nur das erste Mal ansetzen darf.

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