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Verkehrswende : Nicht den Bus verpassen

  • -Aktualisiert am

Von Dorf zu Dorf: Überlandbusse sind oft die einzige Verbindung zwischen zwei Ortschaften. Bild: dpa

Der Omnibus-Verband warnt vor einer völligen Fixierung auf die Schiene. Nur mit Bussen könnten auch abgelegene Regionen angebunden werden. Eine Veränderung ist trotzdem nötig.

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          Milliarden Euro werden zurzeit ins Schienennetz investiert. Und es soll in den nächsten Jahren so weitergehen – auch und vor allem in Hessen. Um 200 Kilometer Gleise will etwa der RMV bis 2030 das Schienennetz erweitern. Auf seiner Liste stehen unter anderem die Regionaltangente West um Frankfurt herum und die City-Bahn in Wiesbaden. Aber auch Beschleunigungen sind vorgesehen wie die der Oberwesterwaldbahn und der Burgwaldbahn, dazu kommt die Reaktivierung von Strecken wie die Aartalbahn.

          Doch die Schiene ist nicht alles. Das meint jedenfalls Karl Reinhard Wissmüller, der Vorsitzende des Landesverbandes Hessischer Omnibusunternehmer. Bei der Verkehrswende dürfe nicht nur der Schienenverkehr im Blick stehen, sagt Wissmüller. Die Verkehrspolitik müsse auch auf den Bus setzen. Nur mit Omnibussen als Transportmittel lasse sich eine nachhaltige und bezahlbare Mobilität in ländlichen Regionen wie zum Beispiel dem Vogelsbergkreis, dem Werra-Meißner-Kreis und dem Odenwaldkreis sicherstellen: „Busse verbinden Menschen mit Menschen, auch in abgelegenen Regionen oder kleinen Ortschaften.“

          Busverkehr ausbauen

          Tatsächlich besteht der öffentliche Nahverkehr nicht nur aus S-Bahnen und Regionalzügen, die aus allen Himmelsrichtungen nach Frankfurt fahren und damit die Städte und Gemeinden im Ballungsraum Rhein-Main mit der Metropole verbinden. Zum RMV-Gebiet gehören auch Bus-Gebiete, also jene dünnbesiedelten ländlichen Räume wie der Vogelsbergkreis, der Wetteraukreis oder der Kreis Marburg-Biedenkopf, in denen die Busse den öffentlichen Nahverkehr bestreiten. Diesen ländlichen Gebieten macht die demographische Entwicklung zu schaffen. Während die Einwohnerzahl von Großstädten wie Frankfurt, Darmstadt und Wiesbaden, aber auch von kleineren Kommunen im Ballungsraum wächst, verlieren Dörfer und Städte etwa des Vogelsbergs Bewohner. Für den öffentlichen Nahverkehr besonders bedeutsam ist der Rückgang der Schülerzahlen und damit auch der Schülerverkehre, die dort das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs bilden.

          Beim RMV ist man deshalb davon überzeugt, dass dort das Nahverkehrsangebot, das in der Regel nur aus Bussen besteht, verändert werden muss. Eine Möglichkeit besteht darin, die Defizite im Fahrplan aufzuheben, also mehr Fahrten anzubieten, damit die Bewohner öfter auf ihr Auto verzichten können. Zum anderen sind aber auch flexible Verkehrsangebote nötig, also etwa Verkehrsmittel, die nach Bedarf von den Bewohnern eines Dorfes angefordert werden können. Dazu zählen Bürgerbusse, die auf der Initiative von Bürgern beruhen und die Lücken im öffentlichen Personennahverkehr ausfüllen. Hilfreich für den ländlichen Raum wären vermutlich auch autonome Fahrzeuge, die ohne einen teuren Fahrer auskommen.

          Zeitgemäße Infrastruktur nötig

          Der hessische Omnibus-Verband schlägt vor diesem Hintergrund vor, kleine private Busunternehmen mit ihrer Kompetenz für besondere Herausforderungen in eine Verkehrswende auch im ländlichen Raum einzubinden. Ansonsten drohe die politisch so sehr erwünschte Stärkung des öffentlichen Verkehrs trotz der hohen Investitionen in die Schiene an weiten Teilen des ländlichen Raums vorbeizugehen, argumentiert der Verband. Denn nicht alle Regionen seien an die Bahn angebunden oder könnten an sie angebunden werden.

          Freilich wird sich wie in den Großstädten Frankfurt und Wiesbaden auch in den weniger dichtbesiedelten Landstrichen der ohnehin schon abgasarme Busverkehr über kurz oder lang auf noch umweltfreundlichere Antriebsarten umstellen müssen. So fragt denn auch folgerichtig der Omnibus-Verband: „Wo ist genug Strom zum Laden von Elektrobussen auf dem Land?“ Nicht nur der Schienen-, sondern auch der Busverkehr benötige Investitionen in eine zeitgemäße Infrastruktur. Zum Beispiel in den Bau von Busbahnhöfen und Betriebshöfen mit Einrichtungen zum Laden von Elektrobatterien oder zum Betanken von Bussen mit Wasserstoffantrieb.

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