https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/verkehrswende-mehr-stellplaetze-fuer-carsharing-18238197.html

Verkehrswende : Mehr Stellplätze für Carsharing

  • -Aktualisiert am

Reserviert: Am Christa-Moering-Platz im Wiesbadener Künstlerviertel ist die erste von drei Stationen für Carsharing-Fahrzeuge eröffnet worden. Bild: Marcus Kaufhold

Die hessische Landeshauptstadt nutzt die neuen rechtlichen Möglichkeiten und reserviert mehr Parkplätze für die drei örtlichen Anbieter der Leihfahrzeuge. Diese versuchen Kunden etwa mit Startgutscheine anzulocken.

          3 Min.

          Als erste hessische Kommune nutzt Wiesbaden die vom Land Hessen im Herbst vergangenen Jahres geschaffenen erweiterten rechtlichen Möglichkeiten zur Ausweisung von Carsharing-Stellplätzen im öffentlichen Straßenraum. Seither dürfen neue Carsharing-Stellplätze nicht nur an Bundesstraßen, sondern auch an Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen ausgewiesen werden.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Umweltdezernent Andreas Kowol (Die Grünen) hat am Christa-Moering-Platz im Künstlerviertel die erste von 35 weiteren Carsharing-Stationen eröffnet. Jede Station hat zwei Stellplätze. Am Christa-Moering-Platz stehen nun zwei Fahrzeuge des Anbieters Book-n-drive. Für die beiden konkurrierenden Unternehmen Stadtmobil Rhein-Main und Scouter werden in Kürze weitere Stationen eröffnet.

          Insgesamt 89 Stationen

          Nach Angaben des Straßenverkehrsamtes wird Wiesbaden durch den Zuwachs im Herbst über insgesamt 89 Carsharing-Stationen verfügen. Damit einher geht ein Zuwachs um insgesamt 50 auf dann mehr als 150 Mietfahrzeuge. In den Ortsbezirken Mitte, Nordost, Rheingauviertel-Hollerborn, Südost, Westend-Bleichstraße und Schierstein werden jeweils zwei Autos zum Ausleihen bereitstehen. Vorerst nur ein Fahrzeug gibt es in Biebrich, Sonnenberg, Rambach, Erbenheim, Nordenstadt, Delkenheim, Dotzheim, Frauenstein, Kostheim, Naurod, Klarenthal und Ig­stadt. Die drei Anbieter haben der Stadt aber signalisiert, bei guter Nachfrage auch dort absehbar ein zweites Auto zu stationieren.

          Laut Stadtverwaltung wurde bei der Standortwahl außer der Lage und der Bevölkerungsdichte des jeweiligen Quartiers auch auf die Sichtbarkeit der Station und die einfache Zufahrt für die Ausleiher geachtet. Sprecher der drei Carsharing-Anbieter warben dafür, sich bei allen dreien anzumelden, weil die Tarife so gestaltet worden seien, dass „das niemandem wehtut“. Jeder Wiesbadener Neukunde erhalte zudem ein Startguthaben von 30 Euro, das für drei Stadtfahrten oder eine längere Halbtagesfahrt ausreiche.

          „Störende Elemente“ im Stadtbild

          Die verfügbaren Stellplätze seien bislang das Nadelöhr bei der Aufstockung des Carsharing-Angebots gewesen, obwohl die Nachfrage stellenweise sehr hoch gewesen sei. Der Wegfall von „normalen“ Parkplätzen für die Carsharing-Autos sei zu verschmerzen, weil ein höheres bessere Angebot den Parkdruck in den Städten eher verringere, als ihn erhöhe: „Das macht die Stadt lebenswerter“, wurde versichert.

          Verkehrsdezernent Kowol sieht das ähnlich. Private Autos stünden tagsüber und nachts meist ungenutzt auf ihren Stellplätzen. Große Parkplätze seien „störende Elemente“ im Stadtbild. Das erweiterte Carsharing-Angebot ergänze das Angebot der rund 2400 Elektro-Tretroller und der Mietfahrräder. Kowol widersprach politischen Vorstellungen, Carsharing allein dem Spiel der freien Kräfte des Marktes zu überlassen. Mobilitätsangebote seien vielmehr Teil der kommunalen Daseinsvorsorge.

          Die Stadt kündigt an, zusammen mit Eswe Verkehr in den kommenden Wochen mit einer Kampagne auf die Vorzüge des erweiterten Carsharing-Netzes aufmerksam zu machen. Laut Kowol haben Carsharing-Autos viele Vorzüge für den Nutzer wie den Verzicht auf die Parkplatzsuche am Ende der Fahrt. Carsharing-Autos seien bis zu einer Laufleistung von 8000 bis 10 000 Kilometer sogar finanziell günstiger als ein Privatwagen. Viele Bürger brauchten ohnehin nicht jeden Tag ein Auto, sondern nur gelegentlich für den Großeinkauf oder den Sonntagsausflug.

          Die 35 neuen Stationen nannte Kowol einen „Booster für die Verkehrswende“ in Wiesbaden. Die Stadt verweist auf wissenschaftliche Studien, wonach ein Carsharing-Auto bis zu zehn private Fahrzeuge ersetzen kann. Das entspanne die Parksituationen in den Wohnquartieren. Mit dem Ausbau des Angebot erweitere sich zudem die Auswahl der verfügbaren Fahrzeugmodelle vom Kleinwagen bis zum Transporter.

          Viel Aufwand

          Der Ausweitung vorausgegangen war im Frühjahr eine öffentliche Ausschreibung zur Vergabe der neuen Standorte. Insgesamt konnten sich die Anbieter auf sieben Lose (je Los fünf Standorte) bewerben. Die Stadt steuerte das so, dass alle Lose sowohl zentrale und gut frequentierte Standorte in der Nähe der Stadtmitte als auch entlegenere Standorte wie Frauenstein und Rambach beinhalteten.

          Dadurch wollte die Stadt sicherstellen, dass Carsharing-Anbieter wirtschaftlich arbeiten können, aber auch auf den ersten Blick weniger attraktive Standorte bedienen. Book-n-drive kam mit drei Losen mit je fünf Standorten zum Zug, Stadtmobil Rhein-Main und Scouter jeweils mit zwei Losen.

          Verkehrsdezernent Kowol sprach von einem erheblichen Koordinations- und Realisierungsaufwand im Zusammenspiel von Eswe Verkehr, dem Tiefbau- und Vermessungsamt, der Straßenverkehrsbehörde und dem Rechtsamt. Alle Wiesbadener Carsharing-Stationen sind auf der Carsharing-Webseite abrufbar.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Stefan Birkner und Christian Lindner im September in Wolfsburg

          Niedersachsen : Doch noch eine Machtoption für die FDP?

          Der Vorsprung von SPD und Grünen schwindet im niedersächsischen Wahlkampf. Das eröffnet der FDP Chancen. Unterwegs mit dem Spitzenkandidaten Stefan Birkner.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.