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Verkehrswende : Es wird teuer für Wiesbaden

Auslaufmodelle: Wiesbaden will im Nahverkehr alle Dieselbusse durch E-Busse ersetzen. Bild: dpa

Beim Nahverkehr dreht Wiesbaden derzeit ein finanziell großes Rad. Denn der Zuschussbedarf steigt enorm. Daran hat die Citybahn aber nur einen kleinen Anteil.

          Über die Rolle eines kommunalen Busunternehmens in der Landeshauptstadt ist Eswe Verkehr längst hinausgewachsen. Die städtische Tochtergesellschaft kümmert sich auch um Projekte wie Carsharing und Fahrradverleih, um die Digitalisierung der Verkehrssteuerung, um Pendlerparkplätze, Verkehrsbeziehungen mit dem Umland und die Steuerung des rollenden und ruhenden Verkehrs. Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Die Grünen) spricht vom Wandel zu einem umfassenden Mobilitätsdienstleister, dem beim ehrgeizigen Programm zur Luftreinhaltung die Schlüsselrolle zufalle. Nicht zuletzt arbeitet Eswe Verkehr mit Hochdruck an der Vorbereitung der Citybahn, die nach den kühnsten Hoffnungen schon im Jahr 2021 rollen soll.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Das alles kostet viel Geld. Wie viel genau, dass lässt sich am Wirtschaftsplan ablesen. Im Jahr 2017 musste die Stadt über ihre Holding noch einen Jahresverlust von 22 Millionen Euro übernehmen, im vergangenen Jahr waren es schon knapp 26 Millionen – und 2019 wird das Defizit voraussichtlich auf 34,5 Millionen Euro hochschnellen. Noch nicht enthalten sind weitere Wünsche der Politik wie ein 365-Euro-Ticket oder zusätzliche Schnellbuslinien ins Umland. Das Ende der finanziellen Lasten ist damit noch lange nicht erreicht. Wenn 2023 tatsächlich die Citybahn durch Wiesbaden rollen sollte, alle Diesel- durch Elektrobusse ersetzt sind und manch anderes Mobilitätsprojekt verwirklicht ist, dann muss die Stadt nach der bisherigen Planung 48,5 Millionen Euro als Verlustausgleich zuschießen.

          Den Kurs fortsetzen

          Schon bei den Beratungen des Doppelhaushalts für die Jahre 2020/2021 wird das ausufernde Defizit des kommunalen Verkehrsunternehmens zu absehbar heftigen Diskussionen führen. Kowol ist aber zuversichtlich, dass es in der Kooperation aus CDU, SPD und Grünen eine Mehrheit geben wird, den eingeschlagenen Kurs fortzusetzen. Das umso mehr, als ein großer Teil der kostenträchtigen Projekte nach dem Beschluss über den städtischen Luftreinhalteplan sogar eine vor dem Verwaltungsgericht eingegangene Verpflichtung ist. „Das ist ein großer Schluck aus der Pulle“, gibt Kowol angesichts der Summen zu. Es sei aber auch ein Beleg, dass Wiesbaden seine Aufgabe im Hinblick auf Luftreinhaltung und Mobilität der Bürger sehr ernst nehme. „Wir spitzen nicht nur die Lippen.“ Dass eine Verkehrswende nicht ohne große Investitionen zu erreichen ist, liegt für Kowol auf der Hand. Er sei zuversichtlich, dass Wiesbaden die Luftqualität ohne Fahrverbote nachhaltig verbessern werde.

          Trotz hoher Ausgaben: Andreas Kowol (Die Grünen) sieht die Verkehrswende auf einem guten Weg.

          Kowol warnt aber vor dem Eindruck, dass der öffentliche Nahverkehr in Wiesbaden vor allem wegen der Citybahn zum Fass ohne Boden werde. Tatsächlich koste die Citybahn jährlich nur 2,6 Millionen zusätzlich zu den bisherigen Ausgaben.

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