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Verkehrsverbund Rhein-Main : Neue Regionalzüge stehen beim Hersteller herum

Die technische Prüfung dauert noch an: die neuen Züge vom Typ Baureihe BR 442. Bild: Wresch, Jonas

Die Genehmigung des Bundesamts fehlt noch. Vorher können die neuen Züge keine Fahrt aufnehmen. Der RMV erhöht seine Preise um 3,9 Prozent und bietet ein Senioren-Ticket an.

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          Bestellt hat die Bahn die neuen Regionalzüge des Typs „Talent2“ für den Mittelhessen-Express schon vor langer Zeit. Und der Hersteller Bombardier hat auch tatsächlich 22 solcher hochmodernen Elektrotriebwagen zusammenmontiert. Doch sie fahren nicht, wie vorgesehen, vom 9. Dezember an, dem Termin des Fahrplanwechsels im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), von Frankfurt über Gießen nach Dillenburg beziehungsweise nach Marburg und Treysa. Vielmehr stehen sie ungenutzt auf dem Werksgelände in Brandenburg herum. Denn das Eisenbahn-Bundesamt hat die Züge bisher nicht freigegeben, weil die technische Prüfung noch andauert. Die Bahn hofft, sie Mitte nächsten Jahres einsetzen zu können.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vier Regionallinien hat die Bahntochter DB Regio in einer RMV-Ausschreibung für die nächsten zwölf Jahre gewonnen: die Kinzigtal-Bahn, die Main-Weser-Bahn, die Niddertalbahn und besagten Mittelhessen-Express. Auf allen Strecken muss sie laut Vertrag neue oder modernisierte Fahrzeuge einsetzen. 225 Millionen Euro investiert die Bahn dafür in ihren Fuhrpark. Alle Fahrzeuge werden künftig mit Klimaanlage und Videoaufzeichnung ausgestattet sein, sie bieten mehr Barrierefreiheit als bisher und haben ein Informationssystem, das Verspätungen in Echtzeit anzeigt. Sukzessive werden während der nächsten zwei Jahre die alten durch neue oder sanierte Züge ersetzt.

          Gute Arbeit müsse auch gut entlohnt werden

          Zum Fahrplanwechsel erhöht der Rhein-Main-Verkehrsverbund seine Preise um durchschnittlich 3,9 Prozent. In Frankfurt und Offenbach fällt die Erhöhung bei den Einzelfahrscheinen durch die Einführung von Stadtpreisstufen geringer aus. Statt auf 2,25 Euro erhöht sich der Einzeltarif in Offenbach von 2,10 nur auf 2,20 Euro und in Frankfurt von 2,50 Euro auf 2,60 statt auf 2,70 Euro. Damit reagiert der RMV auf die Kritik, dass der Ticketpreis hier enorm ansteigt, wenn ein Kunde die Stadtgrenze überfährt. Eine solche Preisgestaltung, die sich weniger an politischen Grenzen und mehr an den Längen der Fahrten orientiert, ist das Ziel einer Tarifreform, die der RMV in den nächsten Jahren schrittweise verwirklichen möchte.

          Die Verteuerung falle mit 3,9 Prozent „relativ hoch“ aus, gab RMV-Geschäftsführer Knut Ringat zu. Doch angesichts der stark gestiegenen Energiepreise sei sie unumgänglich. Allein 2011 hätten sich die Strompreise um 14 Prozent, die für Diesel sogar um 18,5 Prozent erhöht. Auch der Tariflohn sei deutlich gestiegen. Ringat lobte die Lohnerhöhungen aber ausdrücklich: Gute Arbeit müsse auch gut entlohnt werden.

          Im Jahr 2011 konnte der RMV die Nutzerzahlen auf 800 000 verdoppeln

          Über die Fahrpreiserhöhungen kann der RMV laut Ringat die Mehrausgaben für Energie und Personal nicht kompensieren. Er hofft darauf, dass der Verbund Kunden dazugewinnt und darüber Mehreinnahmen erzielt. Dies sei dem RMV bisher jedes Jahr gelungen. Zusätzliche Fahrgäste kann der Verbund bei den Rentnern erwarten, denen er jetzt mit dem Seniorenticket 65-Plus ein spezielles Angebot macht. „Erste Klasse für Aktive“ lautet der Werbeslogan für die Seniorenkarte, die gegenüber einer normalen Jahreskarte - je nach Preisstufe - um 17 bis 40 Prozent billiger ist. Ihre Inhaber dürfen ohne Aufpreis die 1. Klasse nutzen und können an Wochenenden sowie Feiertagen mit dem Ticket im ganzen Verbundgebiet fahren.

          Gut entwickelt hat sich Ringat zufolge das elektronische Ticket. 2011 habe der RMV die Nutzerzahlen auf 800 000 verdoppelt. Nun sollen die Kunden für die elektronisch erworbene Fahrkarte Smiles genannte Bonuspunkte bekommen, für die es Rabatte bei Wellness-Einrichtungen, in Restaurants und für Veranstaltungen gibt.

          Für den RMV-Aufsichtsratsvorsitzenden André Kavai (SPD) belegt der geplante Einsatz neuer Züge auf den von DB Regio gewonnenen Linien, dass Ausschreibungen zu mehr Qualität führen. Frankfurts Verkehrsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) wies darauf hin, dass die vorhandenen Schienenkapazitäten ausgereizt und deshalb der Bau der nordmainischen S-Bahn sowie die Regionaltangente West unumgänglich seien.

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