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Verkehrskonzept in Darmstadt : Weihnachtliche Freude

  • -Aktualisiert am

Stau: Die „Nou“ soll den Verkehr in Darmstadt entlasten. Bild: Kaufhold

Teil eines neuen ganzheitlichen Verkehrskonzepts ist die viel diskutierte Nordostumgehung in Darmstadt, die jetzt wieder zum Projekt werden soll. Illusionen sollte sich jedoch niemand hingeben.

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          Paul Wandrey hat am Freitag, dem 13. Dezember, bei der Vorstellung des Verkehrskonzepts der CDU aus Stadt und Kreis eine Vokabel gebraucht, von der er als Darmstädter Parteivorsitzender weiß, dass sie im grünen Milieu einen guten Klang hat. Er sprach von einem „ganzheitlichen“ Verkehrskonzept.

          Den Grünen als Koalitionspartner der CDU dürfte diese Ganzheitlichkeit dennoch keine weihnachtliche Vorfreude bescheren, weil zu ihr auch ein Projekt gehört, das wie kein zweites die Darmstädter Stadtbevölkerung vor einem Jahrzehnt gespalten hat – die Nordostumgehung. Der Konflikt um diese Umgehungsstraße brachte die damalige Ampelkoalition ins Trudeln und verhalf den Grünen anschließen zum Doppelsieg in der Kommunal- und Oberbürgermeisterwahl 2011.

          Vom Auto bis zur Seilbahn

          Deshalb wurde die Planung der „Nou“ von der neuen grün-schwarzen Koalition anschließend sofort beendet. Nun taucht sie nach Jahren plötzlich wieder auf. Das ist aus zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Erstens als Lebenszeichen einer CDU, die sich offensichtlich doch nicht gänzlich dem Mainstream des großen grünen Partners anzugleichen versucht, sondern eineinhalb Jahre vor der nächsten Kommunalwahl demonstrativ einen eigenen Akzent setzt. Erfreulicher noch ist aber die tatsächlich intendierte Ganzheitlichkeit des Papiers, in dem alle Verkehrsmittel gleichwertig berücksichtigt werden – vom Auto über Bus und Bahn bis zu Fahrrad und Seilbahn.

          Im Zeichen einer Klimakrise, die auch die politische Debattenkultur immer weiter aufheizt, wirkt das wie ein Zeichen von nüchternem Realitätssinn, der erlaubt, weiter Selbstverständlichkeiten zu betonen wie die, dass viele Menschen – zum Beispiel in kleinen Orten des Odenwaldes – noch lange auf das Auto angewiesen sein werden. Sie brauchen politische Fürsprecher, deren Anzahl in der Fahrradstadt Darmstadt aber immer weiter sinkt.

          Illusionen sollte sich in der Verkehrspolitik dennoch niemand hingeben. Über eine Straßenbahn nach Weiterstadt diskutieren die Politiker schon seit 1968. Aber diese planerische Langwierigkeit ist kein typisch Darmstädter Phänomen.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

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