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Verkehrskontrolle auf A5 : Ausländer müssen sofort und bar zahlen

  • -Aktualisiert am

Das Auge des Gesetzes: Eine Polizistin justiert eine Kamera, die die Abstände zwischen den Fahrzeugen auf der Autobahn 5 misst. Bild: Marcus Kaufhold

Lastwagenlenker, die zu dicht auffahren, kassiert die Polizei sofort ab. Das neue Kontrollsystem hält im Sekundentakt auch Vergehen von Autofahrern fest. Wenig Abstand kostet viel Geld.

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          „Der wird schon noch Geld finden, aber das kann noch dauern.“ 80 Euro Strafe plus 30 Euro Bearbeitungsgebühr soll der Rumäne bar zahlen, den die Polizei an der Raststätte Gräfenhausen mit seinem Lastwagen herausgewinkt hat. Der Rumäne war einem anderen Fahrzeug zu dicht aufgefahren, und genau dieses Vergehen hat die Polizei den Vormittag über an der Ausfahrt Langen/Mörfelden dokumentiert. Rund 1100 Verstöße wurden gezählt. Erfahrungsgemäß ist ein Drittel davon so schwerwiegend, dass das Regierungspräsidium Kassel demnächst die Bescheide verschickt.

          Auf allen acht Spuren der A5 in Richtung Süden wie in Richtung Norden hielt die Polizei das Geschehen mit acht Kameras fest. Hier auf der Autobahn ist die Messung von Geschwindigkeit wie von Abstand möglich. Das Interesse galt vornehmlich ausländischen Lastwagenfahrern. Bisher konnten sie kaum belangt werden, wenn sie erst einmal wieder in ihren Heimatländern waren.

          Polizei mit neuer Technik

          Wenn die Polizei die Fahrer nicht direkt anhält, erweist sich eine spätere Verfolgung als schwierig und aufwendig. Doch die Polizei hat aufgerüstet. Sie hat jetzt Geräte, die eine sogenannte Live-Auswertung ermöglichen. Das Kontrollsystem schickt beweissichere Informationen und Fotos an die Kollegen, die wenige Kilometer weiter an der Rastanlage Gräfenhausen stehen. Streifenwagen und Motorradfahrer, die auf einem Parkplatz in der Nähe warten, erhalten den Aufruf, bestimmte Lastwagen zum Halten an die Kontrollstelle zu eskortieren. Dort dürfen die Fahrer die Fotos betrachten.

          Erwischt es einen ausländischen Lastwagenfahrer, so muss er an Ort und Stelle seine Schuld begleichen. Sicherungsleistung nennt das die Polizei. Bei deutschen Lastwagen hat es die Polizei einfacher, denn anhand von Kennzeichen, Spedition und Fahrtenschreiber lässt sich ein Fahrer leicht ermitteln.

          Erst jüngst wieder Unfälle wegen Auffahrens

          Die Kollegen in dem Polizeiauto sind auf die Eventualitäten vorbereitet, auch darauf, dass ein Fahrer es mit Ausreden versucht und sich vor dem Zahlen drücken will. Der 54 Jahre alte Rumäne, von Hamburg in Richtung Süden unterwegs in einem älteren Sattelschlepper mit rostigem Aufleger und bulgarischer Kennung, hatte eine Geschwindigkeit von 88 Stundenkilometern, war aber dabei auf weniger als 50 Meter Abstand auf das vor ihm fahrende Vehikel aufgefahren. Er habe nur 50 Euro dabei, habe eine kranke Frau und Kinder, liefert er der Polizei eine mitleiderregende Litanei ab. Doch die Beamten lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie haben Zeit, mehr als der Lastwagenfahrer. Bald danach raunt einer der Beamten, es sei schneller gegangen, als er erwartet habe. Der Mann habe doch noch Geld im Fahrerhaus entdeckt.

          Grundlos misst die Polizei nicht Geschwindigkeit und Abstand von Personen- wie von Lastwagen. Waren doch in den vergangenen Wochen in Südhessen mehrfach Lastwagen auf ein Stauende aufgefahren. Mehrere Tote waren zu beklagen, und zeigte die Polizei Fotos der jüngsten Unfälle mit zertrümmerten Lastwagenfronten und zerquetschten Personenwagen.

          Das erste Fahrzeug, das auf die Rastanlage eskortiert wird, ist ein sichtlich neuer Tanklastzug mit brennbarer Flüssigkeit. Die Gefahrenkennung „33-1090“ – es handelte sich um Aceton – ist auch den Polizeibeamten nicht geläufig, sie müssen erst nachschauen. Den polnischen Fahrer, der mit Tempo 86 und nur 30 Meter Abstand von Hildesheim nach Ludwigshafen unterwegs ist, kommt sein Abstandsvergehen teurer als den rumänischen Kollegen, denn er müsste eigentlich besonders vorsichtig fahren. Also werden für ihn 120 Euro plus 30 Euro Bearbeitungsgebühr fällig. Nach vielen Telefonaten begleicht er schließlich die Summe.

          Verstöße im Sekundentakt

          Ein weiterer polnischer Fahrer wird zu einem kniffligen Fall, fuhr er doch auf einer Strecke von 270 Metern zu dicht auf und wechselte dann die Spur. Doch die Grenze zum Vergehen liegt bei 300 Metern. Die Polizei aber weiß auch, dass viele Lastwagenfahrer absichtlich dicht auffahren, um Schwung zum Überholen zu gewinnen, bevor sie ausscheren. Auch das wollen die Beamten unterbinden und hoffen, dass sich der Kontrolldruck auch unter ausländischen Fahrern herumspricht.

          Gestern allerdings hielt sich die Zahl der ausländischen Lastwagen in Grenzen: Nur vieren konnte sie mit ihrer neuen Technik Fehlverhalten nachweisen. Und zu schnell war keiner von ihnen: 80 Stundenkilometer sind erlaubt, erst bei Tempo 89 greift der Bußgeldkatalog.

          Die rund 1100 Verstöße auf der vielbefahrenen A5 kommen im Sekundentakt zusammen. Neben der Brücke beobachtet ein Polizeikollege, was die Kameras aufnehmen. Die Autobahn hat Abstandsmarkierungen, und jedes Auto, das auf einer der acht Spuren zu dicht auffährt – ein Tempolimit gibt es hier für Personenwagen nicht – wird mit einem rot-weißen Balken auf dem Film definiert. Halber Tachoabstand, lautet die Faustregel: also 70 Meter bei Tempo 140. Das Kontrollsystem zeichnet nur vermutete Vergehen auf, die die Polizei hinterher aufwendig sortieren muss. Sie filtert Spurwechsel aus oder kurzzeitig zu dichtes Auffahren. Alles andere wird der Bußgeldstelle übermittelt. Und die nutzt die Post zur Übermittlung der Strafzettel. Bargeldlos.

          Die Bußgelder

          Bei einer Geschwindigkeit zwischen 100 und 130 Kilometern in der Stunde gelten diese Bußgelder für zu dichtes Auffahren:

          - Abstand weniger als 5/10 des halben Tachowertes: 75 Euro, ein Punkt

          - Abstand weniger als 4/10: 100 Euro, ein Punkt

          - Abstand weniger als 3/10: 160 Euro, zwei Punkte

          - Abstand weniger als 2/10: 240 Euro, zwei Punkte

          - Abstand weniger als 1/10: 320 Euro, zwei Punkte

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