https://www.faz.net/-gzg-a2s15

Verkehrsexperiment gescheitert : Desaster am Mainufer

  • -Aktualisiert am

Zum Scheitern verurteilt: der gesperrte Mainkai Bild: Lucas Bäuml

Die schwach vorbereitete und schlecht umgesetzte Sperrung des Frankfurter Mainufers war zum Scheitern verurteilt. An diesem verkehrspolitischen Desaster ändert auch der Wunsch der Bürger nichts.

          1 Min.

          Die Sperrung der nördlichen Mainuferstraße in Frankfurt für den Autoverkehr war von Anfang bis Ende ein Trauerspiel. Leichtfertig beschlossen von einer großen Mehrheit der Stadtverordneten – nur die AfD und die „Bürger für Frankfurt“ waren dagegen –, unzureichend vorbereitet und mit wenig Einfallsreichtum umgesetzt von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) und allenfalls rudimentär untermauert mit Zahlen, blieb der auf zwölf Monate befristete Verkehrsversuch auf einer wichtigen Ost-West-Achse der Mainmetropole zum Scheitern verurteilt.

          Im Ergebnis ist nun alles wieder so wie vorher. Nachdem der Mainkai zwischen Alter Brücke und Untermainbrücke ein Jahr lang Fußgängern, Radlern und Skateboardfahrern vorbehalten war, darf er von Dienstag an auch wieder mit Autos befahren werden. Und für Nichtmotorisierte springen nicht einmal die, eigentlich von einer breiten Mehrheit im Römer gewünschten, Radstreifen an den Straßenrändern heraus. Ein verkehrspolitisches Desaster.

          Per Volksentscheid zum autofreien Mainufer?

          Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sich in einer – allerdings schon im vergangenen Dezember durchgeführten – repräsentativen Umfrage 57 Prozent der Frankfurter für eine dauerhafte Sperrung des Mainkais ausgesprochen haben. Der Sozialdemokrat Oesterling wertet das als Bestätigung seines Strebens nach einer „autoarmen“ Innenstadt und hofft, dass seine Partei von dieser Stimmung bei der Kommunalwahl im März nächsten Jahres profitieren werde. Quasi per Volksentscheid könnte es dann doch noch zu einem dauerhaft autofreien Mainufer kommen.

          Schön wäre es allerdings, wenn vor der Entscheidung über die Sperrung von Durchgangsstraßen der ein oder andere im Römer auch die Interessen jener Pendler und Einkäufer aus der Region im Blick behielte, die bei der Fahrt nach und durch Frankfurt auf ihr Auto nicht verzichten können. Zugegeben, Kommunalwahlen in Frankfurt lassen sich mit Stimmen aus Hanau, Offenbach, Darmstadt oder Wiesbaden nicht gewinnen, aber irgendwann wird schließlich auch im Land und im Bund wieder gewählt. Und immerhin hat sich bei der Umfrage vor neun Monaten selbst gut ein Drittel der Frankfurter gegen die Mainufer-Sperrung ausgesprochen.

          Ralf Euler
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Weitere Themen

          Flügel am Hahn gestutzt

          Heute in Rhein-Main : Flügel am Hahn gestutzt

          Der Flughafen Hahn meldet Insolvenz an. Adventskzerzen haben Konjunktur. Und die Buchmesse öffnet die Hallen. Die F.A.Z.-Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          Wie man um die Ecke schießt Video-Seite öffnen

          Geht doch! : Wie man um die Ecke schießt

          Ecken direkt verwandeln – auf dem Fußballplatz geht das noch vergleichbar einfach. Beim Tipp-Kick braucht es viel Feingefühl. Wir verraten, wie der perfekte Schuss um die Ecke gelingt.

          Jenseits des Zentrums

          Am Stadtrand von Frankfurt : Jenseits des Zentrums

          Die Stadtteile im Westen und Osten Frankfurts haben einiges gemeinsam: den Main, das Grün und die großen Industriegebiete. Aber sie teilen auch viele Schwierigkeiten. Und dann ist da auch noch die Sache mit dem Müll.

          Topmeldungen

          Konkurrenten um das Amt des Finanzministers: Robert Habeck (links) und Christian Lindner

          Ampel-Verhandlungen : Wer was wird

          Welche Partei welches Ministerium bekommt, soll erst am Schluss der Koalitionsverhandlungen besprochen werden. Doch im Hintergrund hat das große Verteilen längst begonnen. Ein Überblick aus der Berliner Gerüchteküche.
          Den Auftritt in Amsterdam hatten sich Erling Haaland (Zweiter von rechts) und der BVB sicher anders vorgestellt.

          0:4-Debakel in Champions League : Der BVB wird regelrecht zerlegt

          Das Duell mit Ajax Amsterdam gerät für Borussia Dortmund zur Lehrstunde in Sachen Offensivfußball. Torhüter Gregor Kobel verhindert ein noch deutlicheres Ergebnis. Trainer und Spieler des BVB sind bedient.
          Julian Reichelt

          Der Fall Julian Reichelt : Was uns der Rauswurf des Bild-Chefs sagt

          Der Bild-Chefredakteur Julian Reichelt ist seinen Job los. Bei seinem Betragen ist das nur angemessen. Springer-Chef Döpfner hält ihn indes für einen „Rebellen“. Das ist der falsche Begriff.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.