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Verkehr in Rhein-Main : Gute Chancen für neue Straßenbahnlinien

Viel Verkehr in Frankfurt: Bald sollen neue Strecken kommen. Bild: dpa

Die Koalition im Frankfurter Rathaus möchte das Straßenbahnnetz der Mainmetropole ins Umland verlängern. Dort steht man solchen Ideen aufgeschlossen gegenüber.

          Es gibt einige Nachbarorte Frankfurts, die bestens mit dem U- und Straßenbahnnetz der Mainmetropole verknüpft sind: Bad Homburg und Oberursel. Mit der U-Bahn-Linie 2 gelangen die Bad Homburger umsteigefrei bis zur Hauptwache, die Oberurseler erreichen diese Station in kaum einer halben Stunde mit der U3. Doch in Offenbach, Neu-Isenburg und Bad Vilbel sieht es anders aus. In allen drei Fällen fahren Frankfurter Straßenbahnen zwar auf diese Orte zu, doch im Falle Offenbachs und Neu-Isenburgs stoppen die Bahnen gleich an der Stadtgrenze, so dass die Fahrgäste umständlich in einen Omnibus umsteigen müssen. Und wer an der Konstablerwache in Frankfurt in eine Bahn der Linie 18 einsteigt, kann zwar erleben, dass sie bis zur Friedberger Warte und noch ein Stück weiter schnurgerade auf Bad Vilbel zufährt, dann aber doch auf Frankfurter Gemarkung verbleibt, indem sie nach Preungesheim abbiegt.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Jetzt will die Koalition im Frankfurter Rathaus dies ändern. In einem gemeinsamen Antrag fordern CDU, SPD und Grüne den Magistrat auf, gemeinsam mit den Verwaltungen dieser drei Städte die Verlängerung der Straßenbahnlinien 16, 17 und 18 in deren Gebiete hinein zu prüfen (F.A.Z. vom Freitag). „Für eine stadtverträgliche Mobilität“, so heißt es zur Begründung, „ist ein weiterer Ausbau der ÖPNV-Infrastruktur unumgänglich.“ Es bestehe die Chance, attraktive, weil umsteigefreie Verbindungen zu schaffen.

          In den Verwaltungen der drei angesprochenen Orte steht man den Frankfurter Überlegungen aufgeschlossen gegenüber. Der Offenbacher Oberbürgermeister Felix Schwenke hatte sich schon im Dezember mit seinem Frankfurter Amtskollegen Peter Feldmann und dem dortigen Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling (alle SPD) auf Gespräche über eine Verlängerung der Linie 16 geeinigt, die von Ginnheim kommend bisher an der Stadtgrenze endet. Beide wünschen sich eine Verlängerung bis nach Offenbach hinein und möglichst auch noch über die CarlUlrich-Brücke am Offenbacher Hafen weiter nach Frankfurt-Fechenheim, wo die Bahnen wiederum auf das vorhandene Straßenbahnnetz wechseln könnten. Ob sich die Brücke allerdings für eine Straßenbahntrasse eignet, ist ebenso offen wie die Trassierung in Offenbach.

          Um diese und alle anderen Fragen soll es in einer Machbarkeitsstudie gehen. Wie die Offenbacher Stadträtin Sabine Groß (Die Grünen) auf Nachfrage sagt, hat die Landesregierung darauf verwiesen, dass das Land eine solche Studie aus rechtlichen Gründen nicht finanzieren könne. In Hessen liege, anders als in anderen Bundesländern, die Aufgabenträgerschaft für den öffentlichen Personennahverkehr bei den Kommunen und den Verbünden. Groß zufolge hat das Land aber auch darauf hingewiesen, dass beispielsweise der RMV vom Land durchaus Mittel für eine solche Studie erhalten könne. Man wolle nun mit dem Verbund reden, sagt die Stadträtin.

          In Offenbach hat sich auch die Industrie- und Handelskammer im Grundsatz für das Projekt ausgesprochen. Allerdings müsse man nun rasch im Detail prüfen, wie eine Straßenbahnverbindung von Oberrad über die Offenbacher Innenstadt nach Fechenheim aussehen könnte, heißt es dort. Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner verweist darauf, dass diese Idee immer wieder im Gespräch sei. Es müsse nun endlich konkret untersucht werden, ob diese Verbindung genügend Fahrgastpotential habe und ob sie überhaupt realisierbar sei. Deshalb fordert auch Weinbrenner eine Machbarkeitsstudie. Jedenfalls sei es erfreulich, dass der Ausbau der Verkehrswege in der Metropolregion auf der Agenda stehe. Es müsse aber auch geklärt werden, wie ein solches Projekt finanziert werden könne.

          Mobilität 2030

          Der Neu-Isenburger Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) weist in diesem Zusammenhang auf das Stadtentwicklungskonzept Mobilität 2030 hin, das die Stadtverordnetenversammlung vor vier Wochen beschlossen hat. Darin enthalten ist unter anderem der Beschluss, zu prüfen, ob man die Straßenbahn von der Endhaltestelle der Linie 17 über die Frankfurter Straße bis nach Dreieich-Sprendlingen weiterführen sollte. Weiter sagt Hunkel, dass die Stadt Neu-Isenburg eine positive Einstellung zur Straßenbahn habe. Grundsätzlich sieht Hunkel allerdings aufgrund der „Verflechtungsbeziehungen in der gesamten Rhein-Main-Region“ vor allem die überörtlichen Verkehrsträger in der Verantwortung.

          In Bad Vilbel schließlich zeigt der Erste Stadtrat und Verkehrsdezernent Sebastian Wysocki (CDU) seit geraumer Zeit Sympathie für den Bau einer Straßenbahnstrecke bis zum Südbahnhof der Stadt, er hatte schon im Februar angekündigt, seinerseits auf die Frankfurter Verwaltung zuzugehen. In der Nachbarstadt der Mainmetropole fürchtet man nach wie vor, dass eines Tages die durchgehende Omnibuslinie 30 von den Frankfurtern an der Friedberger Warte gekappt wird, so dass die Fahrgäste dort für das letzte Stück bis zur Konstablerwache umständlich in die Straßenbahn umsteigen müssten. Würden dereinst Gleise bis Bad Vilbel verlegt, wäre diese Sorge endgültig unbegründet.

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