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Sinkende Verkaufszahlen : Der Krawatte geht es an den Kragen

Immer weniger gefragt: die Krawatte, hier die Auswahl in einem Geschäft in Frankfurt. Bild: Hannes Jung

Seit einigen Jahren sinken die Verkaufszahlen für Krawatten stetig - während Alternativen wie Einstecktuch und Schal beliebter werden. Wird die Krawatte zur Lappalie in der Männermode?

          In den Banken gilt noch die eherne Regel: Ohne Krawatte geht es nicht. Unisono heißt es zum Beispiel bei der Landesbank Hessen-Thüringen wie auch der Nassauischen Sparkasse, es sei praktisch nicht denkbar, dass ein männlicher Beschäftigter seiner Arbeit ohne Schlips und Kragen nachgehe. Mehr noch: Bei der Naspa ist sogar montags und donnerstags ein Schlips in der Hausfarbe Orange Vorschrift. Doch außerhalb dieser Branche und einiger weniger weiterer befindet sich der Halsschmuck auf dem Rückzug. Das kann man nicht nur feststellen, wenn man auf Frankfurter Innenstadtstraßen unterwegs ist, sondern auch mit Zahlen untermauern.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Beim Frankfurter Herrenausstatter Möller&Schaar heißt es, noch vor zwei, drei Jahren habe man in einer Saison 1.200 Krawatten verkauft, jetzt aber seien es nur noch 400. Das Fachgeschäft besteht zwar nicht mehr an der belebten Goethestraße, sondern ist vor Jahresfrist an der weniger frequentierten Kaiserhofstraße wiedereröffnet worden, doch verweist Adam Schatzschneider, Mitarbeiter des alten und Inhaber des neuen Betriebs, dass er an der Kaiserhofstraße viel mehr Stammkunden habe, die durchweg modebewusst seien. Bei anderen Herrenausstattern, nicht bei allen allerdings, in Frankfurt ist von einem Rückgang der verkauften Stückzahl um ungefähr ein Zehntel in jedem der beiden vergangenen Jahre die Rede. Peter-Alexander Oelschlägel, Geschäftsleiter von Eckerle an der Zeil, nennt zwar keine Zahlen, bestätigt aber, dass die Nachfrage seit 2012 rückläufig sei. Man versuche, dem Absatzschwund mit Strickkrawatten und schmalen Schlipsen entgegenzusteuern.

          Trost kommt vom Deutschen Mode-Institut in Köln, dessen Geschäftsführer Gerd Müller-Thomkins meint, die Krawatte sei unkaputtbar, auch wenn sie nur noch zu bestimmten Anlässen und in bestimmten Berufen getragen werde. „Wir befinden uns in einer Phase menschlicher Entwicklung, die sehr einzelteilig organisiert ist“, sagt der Modefachmann weiter und meint damit, es trage halt jeder das, was ihm gerade gefalle. Geschäftsleiter Oelschlägel von Eckerle verweist passend dazu darauf, dass sich als Alternative zum Schlips Einstecktücher und Schals wachsender Beliebtheit erfreuen, während sich Schatzschneider gerne an einen Aufenthalt in Mailand erinnert, wo Männer noch selbstverständlich in einem stahlblauen Anzug, einem weißen Hemd und einer Krawatte mit dickem Knoten daherkommen. Immerhin, so hat Schatzschneider festgestellt, steht es anderswo in Deutschland um die Krawatte noch schlechter als in Frankfurt. In Berlin, München, Düsseldorf sehe man ja kaum noch einen Herrn mit Schlips auf der Straße.

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