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Schülerticket im Verkauf : Für 365 Euro im Jahr durch ganz Hessen

Fahrschein lösen unnötig: Das neue Schülerticket wird als E-Fahrkarte ausgegeben Bild: dpa

Es löst bisherige Schülerjahreskarten wie die Clevercard ab und kostet 365 Euro für ein Jahr und ganz Hessen. Das Schülerticket ist fortan zu haben.

          Der Vorverkauf für das neue Schülerticket Hessen beginnt am 1. Juni an allen Verkaufsstellen des öffentlichen Nahverkehrs. Es kostet 365 Euro im Jahr und kann von Schülern und Auszubildenden erworben werden. Sie können mit dem Ticket vom 1. August an mit Bussen und Bahnen in ganz Hessen unterwegs sein.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Schülerticket Hessen löst bisherige Schülerjahreskarten wie die Clevercard ab. Deren Inhaber können wählen, ob sie das alte Ticket noch bis zum Ablauf der Gültigkeit nutzen oder es unentgeltlich gegen das neue Schülerticket eintauschen. An den bisherigen Regeln zur Erstattung der Schulwegkosten ändert sich nichts. Schüler, die die Fahrtkosten nicht selbst zahlen müssen, erhalten ihre Fahrkarte je nach lokaler Verfahrensweise direkt in der Schule oder bekommen den Kaufpreis erstattet.

          Als E-Ticket ausgegeben

          Die neue Fahrkarte wird als E-Ticket ausgegeben. Auf den speziellen Chipkarten der drei hessischen Verbünde kann dieses Schülerticket gespeichert werden. Nach Beendigung der Schule oder der Ausbildung können andere Fahrscheine auf dieser Karte registriert werden.

          Mit einer Werbekampagne soll nun auf das neue Angebot für Schüler und Azubis hingewiesen werden. Das Schülerticket entlaste Eltern, weil sie nicht mehr Taxifahrer für ihre Kinder spielen müssten, sagte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen). Zudem sei es billiger als die allermeisten der bisherigen Schülerkarten, die zudem regional begrenzt seien.

          Der Aufsichtsratsvorsitzende des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldman (SPD), widersprach der Befürchtung, die Senkung der Fahrpreise führe zu hohen Einnahmeausfällen beim RMV beziehungsweise den lokalen Nahverkehrsgesellschaften. Unter Verweis auf Frankfurt, wo die Stadt den Preis der Clevercard für Schüler gesenkt hatte, sagte Feldmann voraus, dass sich die Zahl der Kunden bei Bus und Bahn erhöhen werde.

          Mit dem landesweit gültigen Schülerticket, das auch für Azubis gelte, seien die hessischen Verkehrsverbünde Vorreiter in Deutschland, sagte Wolfgang Rausch, der Geschäftsführer des Nordhessischen Verkehrsverbundes. Sein Kollege vom RMV, Knut Ringat, wies darauf hin, dass alle Beteiligten in den vergangenen Wochen und Monaten intensiv daran gearbeitet hätten, um am 1. Juni das neue Ticket hessenweit einführen zu können. Es wird übrigens auch im Kreis Bergstraße in Südhessen angeboten, wo der Verkehrsverbund Rhein-Neckar den öffentlichen Verkehre abwickelt.

          Mit dem Schülerticket verfolgen die Landesregierung und die Verbünde das Ziel, die Busse und Bahnen als Träger eines umweltfreundlichen Verkehrs zu fördern. Man wolle den öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen, die eigenständige Mobilität von jungen Leuten fördern und den Einsatz von „Elterntaxis“ reduzieren, heißt es auf einer eigens für das Schülerticket erstellten Internetseite des hessischen Verkehrsministeriums. Zudem solle die Nutzung von Bussen und Bahnen für die Schüler verständlicher und einfacher werden.

          Von den 840.000 Schülern und Auszubildenden in Hessen haben nach Angaben des Verkehrsministeriums 360.000 oder 43 Prozent eine Zeitkarte für den ÖPNV. 57 Prozent sind nur Gelegenheitskunden oder fahren nie mit Bahn und Bus. Land und Verkehrsverbünde hoffen darauf, dass viele von den Nichtfahrern jetzt ein Schülerticket kaufen.

          100 Millionen mehr für ÖPNV

          Pro Jahr investiert das Land Hessen jetzt etwa 100 Millionen Euro aus eigenen Mitteln in den ÖPNV. Das Schülerticket schlägt künftig mit mindestens 20 Millionen Euro zu Buche. Dazu kommt das neue Jobticket für Landesbedienstete, das 36 Millionen Euro wert ist. Zum ersten Mal seit mehr als 15 Jahren stellt das Land zudem den drei Verkehrsverbünden eigenes Geld zur Verfügung, etwa 125 Millionen sollen ihnen bis 2021 zufließen. Weitere Landesgelder stammen aus dem Kommunalen Finanzausgleich. Hauptfinanzier von Bussen und Bahnen bleibt der Bund, der von 2017 bis 2021 aus dem Topf der Regionalisierungsmittel 3,1 Milliarden Euro zur Verfügung stellt. (rieb.)

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