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Verkäufer von Sportwagen : Der Traumhändler

1000-PS-Sitzgruppe: Wenn Rainer Dörr in seinem Büro in der Frankfurter Klassikstadt arbeitet, schaut er auf einen Bugatti Veyron. Bild: Patricia Kühfuss

Die Autos, die Rainer Dörr verkauft, taugen nicht fürs Einkaufen, haben meistens eine schlechte Rundumsicht und sind nicht sparsam. Aber das sucht auch niemand bei einem McLaren oder Bugatti.

          3 Min.

          Rainer Dörr verkauft Träume. Und die fügen sich so wenig der reinen Vernunft, wie jene, die einem im Schlaf durch den Kopf gehen. So ist ein McLaren 650 S, dessen V-8-Motor 650 Pferdestärken entwickelt und damit die knapp 1400 Kilogramm Carbon, Verbundwerkstoffe, Aluminium und etwas Leder in weniger als drei Sekunden über die 100-Stundenkilometer-Grenze katapultiert, natürlich nicht vernünftig. Ganz abgesehen davon, dass die Preisliste bei 255.000 Euro beginnt. Aber von einem Kompaktwagen mit einem familienfreundlich aufgeblähten Innenraum, einem adipositasgerechten Einstieg hinten und sparsamen Dreizylindermotor träumt eben auch keiner - hierzulande jedenfalls nicht. So ein Wagen wird gekauft, weil man halt etwas braucht, das viel trägt und rollt.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Dörrs käufliche Träume sind das, was man Supersportwagen nennt. Super steht für die atemberaubende Fahrleistung und außergewöhnliche Anmutung solcher Boliden, die Formel-1-Technik auf die Straße bringen - zu entsprechenden Preisen.

          Dörr-Gruppe macht 20 Millionen Euro Umsatz

          Dass der neue kleine McLaren 540 C schon für 160.000 Euro zu haben sein soll, bringt den Wagen zwar noch immer nicht in die finanzielle Reichweite eines Normalverdieners. Aber für bisherige Porsche-Kunden etwa, die vielleicht gerade über den Kauf eines neuen 911 Turbo nachdenken, der preislich etwa in derselben Liga fährt, kommt damit schon Formel-1-Technik aus dem Reich der Träume in greifbare Nähe. Die Jahresinspektion für einen McLaren liegt Dörr zufolge übrigens bei rund 1200 Euro, die sind auch bei Porsche oder Mercedes schnell erreicht.

          Im vergangenen Jahr hat sein Haus 92 McLaren verkauft, mehr als jeder andere McLaren-Händler weltweit, wie Dörr sagt. In Frankfurt setzt die Gruppe rund 35 Autos im Jahr ab, etwas mehr in München, etwas weniger in Stuttgart. Der Umsatz von 20 Millionen Euro verteile sich auf München mit rund 40 Prozent, gefolgt von Frankfurt mit 35 und Stuttgart mit 25 Prozent, sagt Dörr weiter. Dabei hat die Gruppe München erst im vergangenen Jahr übernommen, nachdem McLaren ihm das angeboten hatte. Ein wenig hat es den Mittvierziger nach eigenem Bekunden selbst überrascht, wie gut sich das Geschäft dort angelassen hat. München sei derzeit klar der stärkste Markt.

          Wie Dörr Sportwagenverkäufer wurde

          Angefangen hat Dörrs McLaren-Abenteuer allerdings nicht dort, sondern 2011 in der Klassikstadt in Frankfurt. Derzeit zählt die Dörr-Gruppe rund 25 Mitarbeiter, 13 davon in Frankfurt. Mit dabei auch Evelyn Dörr, die Frau des Gründers. Sie kümmert sich um das Marketing. Wer sind die Kunden? Vor allem mittelständische Unternehmer und Privatiers, sagt Dörr, Namen nennt er nicht. Inzwischen finden sich im Portfolio der Dörr-Gruppe neben McLaren noch andere Namen, die bei Enthusiasten - manche sagen Autonarren - bisweilen rauschhafte Zustände auslösen: Bugatti, Lamborghini und Lotus. „Wenn Sie jeden Tag hier sind, wird auch das ein ganz normaler Arbeitsplatz“, meint Dörr zwar. So ganz trifft das die Sache aber nicht, denn es gibt wohl kaum ein zweites Büro auf der Welt, in dem drei Schritte vom Schreibtisch entfernt ein Bugatti mit weit über 1000 PS und einem Preis weit jenseits der Million steht. Ein bisschen hat man den Eindruck, dass da jemand die Träume aus der Zeit leben darf, als noch ein Autoquartett reichte, um alles inklusive Schulaufgaben und häuslichen Pflichten eines Heranwachsenden hinter röhrenden Tagträumen versinken zu lassen.

          Verwandtschaft: In der Frankfurter McLaren-Werkstatt lässt auch die Dekoration keinen Zweifel daran, dass die Technik der Sportwagen aus der Formel 1 stammt.

          Allerdings kommt man mit Träumen allein nicht in den Genuss, die Straßensportwagen eines großen Formel-1-Rennstalls und automobile Legenden namens Bugatti oder Lamborghini exklusiv verkaufen zu dürfen: Begonnen hat Kraftfahrzeugmeister Dörr seinen Weg in die Liga der Supersportwagen vor gut fünf Jahren. Damals verkaufte er die Anteile am BMW-Autohaus der Familie mit vier Filialen im Großraum Frankfurt, unter anderem in Butzbach. Die Anteile hatte er 1997 vom Vater übernommen. Damit war die finanzielle Basis für die neue Gruppe gelegt. Um dieselbe Zeit erfuhr Dörr über gute Kontakte zum Formel-1-Reifen-Lieferanten Pirelli, dass McLaren in Rhein-Main eine Dependance für Sportwagen etablieren wollte und dafür einen geeigneten Händler suchte. Dörr bewarb sich und bekam den Zuschlag. Bald darauf auch den für Stuttgart und dann den für München. Parallel leitete der passionierte Rennfahrer drei Jahre bis 2014 den Renneinsatz der McLaren-Tourenwagen bei 24-Stunden-Rennen.

          Er selbst fährt oft McLaren

          In der Sportwagenbranche muss man Dörrs Treiben in Frankfurt, Stuttgart und München ziemlich aufmerksam verfolgt haben, jedenfalls klopfte Lamborghini vor zwei Jahren bei Dörr mit der Bitte an, die Marke wieder im Rhein-Main-Gebiet zu etablieren. Heute freut Dörr dieser Umstand auch deshalb, weil die Kundschaft noch beherzter auf die Wagen mit dem wilden Stier im Emblem zugreift, als er das anfangs erwartet hatte. Kürzlich kam nun auch noch Bugatti zur Dörr-Gruppe. Danach gefragt, ob er sich noch weitere Marken im Portfolio vorstellen könne, nennt Dörr, keinen Hersteller, sagt aber dass eine weitere Marke aus dem Volkswagenkonzern interessant sei. Nimmt man die Autos zum Maßstab, mit denen Dörr schon handelt, wäre Bentley passend.

          Er selbst fährt zwar oft McLaren - auch wenn er an Kunden ausliefert. Privat bewegt Dörr aber einen SUV mit Anhängerkupplung. Das hat damit zu tun, dass seine beiden zehn und 14 Jahre alten Söhne Gokart-Rennen fahren und die Eltern sie zu den Rennen chauffieren.

          Kraftwerk aus Italien: Blick auf den Motor eines Lamborghini im Dörr-Service.

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