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Verhüllung im Islam : Das Kopftuch scheidet Mutter und Tochter

  • -Aktualisiert am

Eine Familie, zwei Kulturen: Rabia Bechari trägt Kopftuch, ihre Tochter Nadia verzichtet darauf und hat einen Faible für modische Kleidung und Make-up. Bild: Gilli, Franziska

Rabia Bechari verhüllt sich aus religiöser Überzeugung, ihre Tochter nicht. Eine Familie, zwei Kulturen. Ein Besuch.

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          Nadia mag Abwechslungen. Mal glättet sie ihre Haare, mal lässt sie sie so, wie sie von Natur aus sind: gelockt. Heute hängen die langen brauen Strähnen glatt über den Schultern. Auf ihre Lippen hat sie knallroten Lippenstift aufgetragen, ihre Augen mit farbigen Kontaktlinsen von dunkelbraun zu grün verwandelt und an die Lider künstliche Wimpern geklebt.

          Nadia provoziert gern. Deswegen schminkt sie sich auffallend stark und zieht enge Sachen an. Sie kleidet sich so, „wie sich Mädchen nicht kleiden sollten“. Dieser Ansicht sind jedenfalls Verwandte und Leute aus dem Bekanntenkreis ihrer Mutter. Dass ihr Outfit von der muslimisch-konservativen Verwandtschaft nicht goutiert wird, weiß Nadia von ihrer Mutter. „Mir ist aber egal, was hinter meinem Rücken geredet wird“, sagt die Achtzehnjährige. Ihrer Mutter ist das nicht ganz so gleichgültig. Rabia Bechari ist aber der Ansicht, dass Druck keine gute Erziehungsmethode ist. Also kommentiert sie die Garderobe ihrer Tochter nicht.

          Auch die Mutter provoziert

          Zwischen Mutter und Tochter gibt es stillschweigend vereinbarte Abkommen. Dazu gehört beispielsweise, dass sich Nadia ihrer Mutter nicht im Minirock zeigen würde. „Das hat was mit meinem Respekt vor ihr zu tun“, sagt Nadia. Wenn sie Lust habe, einen Minirock zu tragen, dann nehme sie ihre Garderobe mit zu ihrer Freundin und ziehe sich dort um.

          Knapp geschnittene Röcke und enge Kleidung würde Rabia selbst nie anziehen. Abwechslungen mag aber auch sie gerne. Mal trägt sie ein buntes, mal ein schwarzes Kopftuch. Mal zieht sie ein langes Kleid an, mal Hosen und Tunika. Auch sie schminkt sich. Aber nicht grell wie ihre Tochter, sondern dezent. Die dunklen Augen umrahmt sie mit Kajal, und das nicht nur, wenn sie aus dem Haus geht.

          Anders als ihre Tochter möchte Rabia Bechari aber ganz und gar nicht provozieren. Und sie tut es trotzdem - unbeabsichtigt. Fremde Menschen kommentieren immer wieder und ungefragt ihr Äußeres. Inzwischen hat sich die Neununddreißigjährige an Fragen zu ihrer Religion und nach dem Grund für das Kopftuchtragen gewöhnt, sie antwortet routiniert und freundlich. Das Tragen des Kopftuchs sei ihrer Ansicht nach ein religiöses Gebot und eine ihrer „gottesdienstlichen Handlungen“, erläutert sie.

          „Kein Zwang im Islam“

          Sich zu verhüllen, ohne jene innere Haltung zu haben, das sei Unsinn, genauso wie jemanden zum Tragen des Kopftuches oder zum Beten zu zwingen, meint Rabia. „Mit Druck erreicht man doch nicht das Ziel, gottgefällig zu leben.“ Deswegen habe sie auch ihre Tochter nie gedrängt, ein Kopftuch zu tragen.

          Rabia und Nadia sind gegensätzlich - was ihr Äußeres, ihren Lebensstil und ihre Lebenseinstellungen betrifft. In einigen Punkten sind sich Mutter und Tochter aber einig: Sie mögen und respektieren einander, auch wenn sie „ein sehr kompliziertes Verhältnis“ haben. Rabia mag die „aufrichtige und direkte Art“ ihrer Tochter. Nadia wiederum gefällt an ihrer Mutter, dass sie trotz der vielen Vorbehalte in dieser Gesellschaft das Kopftuch nicht ablegt. Nadia findet ihre Mutter auch mit Kopftuch „sehr schön“. Und sie mag an ihrer Mutter deren Überzeugung, dass es „keinen Zwang im Islam gibt“.

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