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Vergütung für Medizinstudenten : Ein leiser Kampf um Anerkennung

  • -Aktualisiert am

Viel Arbeit im Praktischen Jahr: Die Medizinstudentinnen Saskia-Bo Kraft (links) und Laura Arheiliger. Bild: Kretzer, Michael

Für die Frankfurter Medizinstudenten im Praktischen Jahr wird es vorerst keine Vergütung geben. Der sogenannte Studientag bleibt ihnen bis 2014 erhalten.

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          Nach neun Stunden verlässt Saskia-Bo Kraft die Station. Sie sei „nicht mehr ganz bei sich“, denn es sei ein anstrengender Tag gewesen. Mehr als 20 Blutabnahmen hätten auf ihrer Liste gestanden. Denn diese Arbeit gehöre genauso zur Ausbildung einer angehenden Ärztin wie das Assistieren bei einer Operation.

          Kraft studiert im 11. Semester Medizin an der Goethe-Universität. Im Februar hat sie mit dem Praktischen Jahr begonnen, in dem die Studenten verschiedene Stationen eines Krankenhauses durchlaufen. Es ist den Studenten überlassen, an welcher Uniklinik oder an welchem Lehrkrankenhaus sie diesen Teil ihrer Ausbildung absolvieren. Kraft hat sich für die Uniklinik in Frankfurt entschieden. Das Praktische Jahr ist derzeit noch die letzte Etappe vor der großen Abschlussprüfung, dem „Hammerexamen“, wie es die Mediziner nennen. Von Mai 2014 an wird sich die Prüfungsstruktur durch die neue Approbationsordnung für Ärzte ändern, die bundesweit die Zulassung zu akademischen Heilberufen regelt. Die Studenten, die dann mit dem Praktischen Jahr beginnen, werden den schriftlichen Teil des Examens erstmals davor abgelegt haben. Nach der Lehrzeit im Krankenhaus muss dann nur noch die mündliche Prüfung gemeistert werden.

          Lernen für das „Hammerexamen“

          Zurzeit arbeitet Saskia-Bo Kraft in der Unfallchirurgie. Sie mache das gerne, sagt sie. Schon in der fünften Klasse stand für sie fest: „Wenn ich groß bin, werde ich Ärztin.“ Das hört Josef Pfeilschifter gerne. „Ein Studium ist körperliche und geistige Arbeit, die ruhig anstrengend sein darf, weil man sie machen möchte“, sagt der Dekan der Frankfurter Universitätsmedizin.

          Sie müsse sich beeilen, denn bei zwei Jobs neben dem Studium habe sie nicht viel Zeit, sagt Kraft. Zum Lernen für das „Hammerexamen“ will die Studentin den Studientag nutzen. Acht Stunden in der Woche - an einem Tag oder an zwei Nachmittagen - haben die Studenten Zeit, sich theoretisch auf anstehende Operationen vorzubereiten und das bisher Gelernte zu vertiefen.

          „Klar benachteiligt“

          Nachdem die Lehrkrankenhäuser des Frankfurter Uniklinikums den Studenten mitgeteilt hatten, das Dekanat wolle den Studientag schon für die Jahrgänge abschaffen, die das Examen noch nach dem Praktischen Jahr schreiben, kam es Anfang März zu Protesten der Studenten. „Auch wenn wir künftig zehn Fehltage mehr haben dürfen, wären wir im Vergleich zu den vorigen Jahrgängen klar benachteiligt gewesen“, sagt Kraft. Mit einer E-Mail-Aktion, bei der mehr als 500 Beschwerden im Dekanat eingegangen seien, habe man auf diese Ungerechtigkeit aufmerksam gemacht und gefordert, den Studientag zumindest für die Jahrgänge beizubehalten, die nicht von der neuen Regelung profitieren.

          Den Studientag habe er vor der Aktion der Studenten gar nicht gekannt, sagt Dekan Pfeilschifter. Dieser Lerntag ist auch weder in der neuen noch in der alten Approbationsordnung festgeschrieben. Als „Selbststudium“ tauchen die acht Stunden Lernzeit jedoch in den Studienordnungen der meisten Medizinfakultäten auf - so auch in Frankfurt.

          Für die, die ihr Studium selbst finanzieren, ist es schwer

          In der Sitzung des Fachbereichsrats am vergangenen Donnerstag hat man sich nach Pfeilschifters Worten darauf geeinigt, den Studientag für jene beizubehalten, die ihre Abschlussprüfung nach dem Praktischen Jahr schreiben. Eine andere Forderung der Studenten wurde jedoch zurückgewiesen: Für die Arbeit im Krankenhaus gibt es erst einmal kein Geld. „Man kann nicht alles haben“, lautet die Begründung des Dekans. Jeder Medizinstudent koste den Staat rund 220 000 Euro. Dass die angehenden Ärzte während der Ausbildung im teuersten Studiengang auch noch Geld verlangten, halte er für unangemessen.

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