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Homosexuellenverfolgung : Gedenken am „Frankfurter Engel“

  • -Aktualisiert am

Erinnern: der Engel von Rosemarie Trokel Bild: Wonge Bergmann

Vor 25 Jahren wurde in Frankfurt das Mahnmal zur Erinnerung an die Homosexuellenverfolgung aufgestellt. Bei der Gedenkveranstaltung wurde sich aber nicht nur mit der Vergangenheit befasst.

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          Mit einer Feierstunde auf dem Klaus-Mann-Platz wurde am Samstag, dem 15. Dezember, der im Dritten Reich verfolgten und ermordeten Homosexuellen gedacht und gleichzeitig an das Aufstellen des Mahnmals „Frankfurter Engel“ für die Verfolgten vor 25 Jahren erinnert.

          Auf dem Platz steht seitdem ein Bronzeengel, eine androgyne Figur, die von Rosemarie Trockel geschaffen wurde. Die Künstlerin hat der Skulptur den Kopf abgeschlagen und ihn leicht verschoben wieder aufgesetzt, so dass die Bruchstelle sichtbar geblieben ist. Dieses Kunstwerk, das vor dem Kino Eldorado steht, gilt als erstes deutsches Mahnmal, das den verfolgten Homosexuellen gewidmet wurde. Die Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen (SPD) ist besonders stolz, dass Frankfurt mit diesem „wichtigen Signal“ ein Vorreiter gewesen ist. Es sei ihr ein Anliegen, dass die Erinnerung an das Unrecht wachgehalten wird, sagte sie bei der Gedenkveranstaltung.

          Ein Appell gegen Diskriminierung

          Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) wies darauf hin, dass das Aufkommen und steigende Bewusstsein für Aids in den neunziger Jahren zur Emanzipation des Queer-Lebens beigetragen habe. So wurde 1994 der „Schandparagraph“ 175, der sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte, abgeschafft. Trotz allem bedeute Homosexualität heutzutage immer noch Gefahr für Leib und Leben. Der Engel sei deshalb ein Appell, Diskriminierungen entgegenzutreten. Dass die Skulptur mehr als eine Erinnerung ist, meinte Integrations- und Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD). Der Engel sei ein Symbol für drei Zeiträume: den Nationalsozialismus, die neunziger Jahre und die Gegenwart. Auch wenn bei der Gleichstellung schon viel erreicht worden sei, hätte man noch einiges vor sich. Die Stadträtin kritisierte, dass Transsexuelle bis zur Anerkennung ihres Geschlechts immer noch langwierige medizinische Gutachten über sich ergehen lassen müssten. Außerdem seien Homosexuelle, die wegen des Paragraphen 175 verurteilt wurden, erst 2017 mit dem Rehabilitierungsgesetz entschädigt worden.

          Weber erinnerte an den Frankfurter Wolfgang Lauinger. Als Halbjude und Homosexueller wurde er im Nationalsozialismus verfolgt. Ein Leben lang kämpfte er dafür, dass seine Inhaftierung als Unrecht anerkannt wird. Das wurde jedoch mit der Begründung abgelehnt, er habe „nur“ in Untersuchungshaft gesessen.

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