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Verein gegen Fluglärm : Der Widerstand setzt sich zur Ruhe

Blick zurück auf bewegte Zeiten: Zeitzeugen besuchen Teile der Mauer der Startbahn West, die in Mörfelden-Walldorf wieder aufgestellt wurden. Bild: Michael Kretzer

Mit der Interessengemeinschaft zur Bekämpfung des Fluglärms endet ein langes, bewegtes Kapitel in der Auseinandersetzung um den Flughafen-Ausbau. Auch wenn das ursprüngliche Ziel nicht erreicht wurde, war der Streit nicht erfolglos.

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          Gegen die Gründung der Interessengemeinschaft zur Bekämpfung des Fluglärms Rhein-Main (IGF) sei gar nichts einzuwenden. Im Gegenteil, denn je mehr Bürger reklamierten, desto besser sei das für die Landesregierung, die ja auch einiges zur Minderung des Fluglärms unternehme. So wohlwollend kommentierte im Frühsommer 1965 der damalige hessische Verkehrsminister Rudi Arndt (SPD) noch die Initiative des Mörfeldener Pfarrers Kurt Oeser, den bürgerlichen Protest gegen Pläne, den Frankfurter Flughafen auszubauen, in einem Verein zu bündeln. In den folgenden Jahrzehnten wurde der Ton allerdings sehr viel rauer. Der spätere Ministerpräsident Holger Börner (SPD) machte keinen Hehl daraus, dass er sich lieber mit der Dachlatte als verbal und vor Gericht mit Demonstranten auseinandergesetzt hätte, die im Wald Hütten bauten, um diesen zu retten.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Und es blieb auch nicht bei verbalen Auseinandersetzungen. Im Schatten des ursprünglich friedlichen und durch und durch bürgerlichen Protestes formierten sich im Laufe der Jahre gewaltbereite Gruppen, die sich heftige Auseinandersetzungen mit der ihrerseits hart vorgehenden Polizei lieferten. Es gab schließlich auch Tote zu beklagen: 1987, die Startbahn war längst in Betrieb, wurde aus einer eskalierenden Demonstration heraus auf Polizisten geschossen, die beiden Polizeibeamten Klaus Eichhöfer und Thorsten Schwalm wurden tödlich getroffen. Die gesamte Republik war schockiert und die zunächst friedliche und von Bürgern, Parteien und auch von den Kirchen getragene Protestbewegung gegen den Flughafenausbau, deren wichtigste Integrationsfigur lange der 2007 gestorbene „Umweltpfarrer“ Oeser war, erodierte.

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