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Interessengemeinschaft am Ende : Für den Schutz gegen Fluglärm viel erreicht

Nah dran: Ein Flugzeug fliegt nach dem Start über ein Haus. Bild: dpa

Das Ende der Interessengemeinschaft gegen Fluglärm markiert das Ende einer Protestkultur. Das mag bedauerlich sein. Aber die IGF hat wesentlich zur Entwicklung fester Formen des Interessenausgleichs beigetragen.

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          Die Auflösung der Interessengemeinschaft, die der einst weit über die Grenzen der Rhein-Main-Region als Umwelt- und Startbahnpfarrer bekanntgewordene Kurt Oeser aus Mörfelden 1965 gegründet hat, bedeutet nicht das Ende jeder Interessenvertretung der Kommunen rund um den Frankfurter Flughafen.

          Aber sie markiert das Ende einer Protestkultur, die viele Jahre das Leben in der Rhein-Main-Region und darüber hinaus nicht unwesentlich mitbestimmt hat – und ohne die etwa die Geschichte der Grünen in Hessen gar nicht zu erzählen wäre. Schließlich war der Protest gegen den Flughafenausbau, neben dem gegen die Atomkraft, das zentrale Thema der Umweltpartei, das ihnen viele Stimmen zutrug. Die hessischen Grünen üben sich inzwischen recht erfolgreich in der Demonstration von Regierungsfähigkeit. Die Fragen des Flughafenausbaus sind höchstrichterlich geklärt, es geht heute darum, den inzwischen auf vier Bahnen und bald drei Terminals gewachsenen Flughafen so zu betreiben, dass es zumindest nicht mehr lauter wird. Die Ziele sind bescheidener geworden.

          Den Sorgen der Anrainer eine Stimme gegeben

          Andererseits hat sich im Laufe der Jahre, seit Kurt Oeser, Dirk Treber und andere die Aufgabe übernommen hatten, den Sorgen der Anrainer eine Stimme zu geben, eine Professionalisierung und eine Institutionalisierung der Interessenvertretung entwickelt. So wurde etwa schon 1967 die Bundesvereinigung gegen Fluglärm gegründet, deren Präsident Oeser drei Jahrzehnte lang war.

          Und ein Jahr zuvor wurde die Frankfurter Fluglärmkommission ins Leben gerufen, in denen Vertreter der Kommunen im Dialog mit dem Flughafenbetreiber Fraport, der Lufthansa und anderen bis heute daran arbeiten, die oft unterschiedlichen Interessen miteinander zu vereinbaren. Die Frankfurter Kommission wurde Modell für die 1971 per Gesetz vorgeschriebene Einrichtung von Fluglärmkommissionen an allen Verkehrsflughäfen.

          Aus Sicht der Anrainerkommunen mag es bedauerlich sein, dass mit der IGF eine schon beinahe historische Plattform des Bürgerprotestes aufgehört hat zu existieren. Doch es bleibt festzuhalten, dass das Engagement von Oeser und seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern wesentlich zur Entwicklung fester Formen des Interessenausgleichs beigetragen hat und dazu, dass der Schutz vor Fluglärm als Anspruch anerkannt ist.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

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