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Verbunddatei : Mehr als 1000 gewaltbereite Fußballfans in Hessen

  • -Aktualisiert am

Solche Szenen haben die Politik auf den Plan gerufen: Ausschreitungen beim Spiel Eintracht Frankfurt gegen München 60 im April dieses Jahres Bild: dpa

In Hessen gibt es nach Einschätzung des Innenministeriums etwa 1100 sogenannte Problemfans. Innenminister Rhein sieht aber keine strukturelle Verbindung zum Rechtsextremismus.

          In Hessen gibt es nach Einschätzung des Innenministeriums etwa 1100 sogenannte Problemfans, von denen 880 als „gewaltbereit“ oder „gewaltgeneigt“ und 220 als „gewaltsuchend“ eingestuft würden. In der Verbunddatei „Gewalttäter Sport“ seien derzeit 440 Anhänger von Eintracht Frankfurt und 169 von Kickers Offenbach erfasst. Hinzu kämen 68 Fans des SV Darmstadt, 49 des SV Wehen Wiesbaden und 22 des FSV Frankfurt, heißt es im Innenministerium. Der Anteil Rechtsradikaler unter den hessischen Hooligans liege in einem „marginalen Bereich“. Eine strukturelle Verbindung zwischen Neonazis und radikalen Fußballfans sei nicht erkennbar.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Kosten für Polizeieinsätze bei Profi-Fußballspielen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. In der Antwort auf eine Anfrage des Grünen-Landtagsabgeordneten Daniel Mack teilte das Innenministerium mit, dass die Ausgaben von 3,7 Millionen Euro in der Saison 2009/2010 auf mehr als 6,2 Millionen Euro in der Saison 2011/12 zugenommen hätten. Der Grünen-Politiker wies anschließend auf den unverhältnismäßigen Aufwand hin, der bei Spielen einzelner Vereine betrieben werden müsse. So hätten sich allein die Kosten für Polizeieinsätze bei Heimspielen des Drittligisten SVDarmstadt 98 in der vergangenen Saison auf 1,7 Millionen Euro summiert, fast soviel wie für den damaligen Zweitligisten Eintracht Frankfurt (1,8 Millionen Euro). Für Darmstadts Liga-Konkurrent Kickers Offenbach fielen 1,47 Millionen Euro an, beim Zweitligisten FSV Frankfurt waren es rund 700.000 Euro.

          Strafrechtlich relevante Inhalte

          Angesichts dieser Zahlen hat eine Gruppe von CDU-Landtagsabgeordneten Innenminister Boris Rhein (CDU) gebeten, sein Konzept für mehr Sicherheit in den Fußballstadien zu erläutern. Grundsätzlich müssten die Vereine ihre Fans stärker in die Pflicht nehmen, fordert Rhein. Gegen Gewalttäter und Fans, die Pyrotechnik einsetzten, müssten schnell und konsequent Sanktionen verhängt werden, heißt es in der Antwort auf die parlamentarische Anfrage der Parteifreunde. Das könnten regional begrenzte Hausverbote, bundesweite Stadionverbote, aber auch der Versuch sein, Täter für entstandene Schäden in Regress zu nehmen.

          Verunglimpfende, vereinsschädigende oder gar strafrechtlich relevante Inhalte auf Transparenten und in Sprechchören dürften in hessischen Fußballstadien keinen Platz haben, betont Rhein. Daher habe die Landesregierung den Vereinen empfohlen, für Fan-Choreographien und Spruchbänder eine Genehmigungspflicht einzuführen. Um das Verbot von Pyrotechnik in den Arenen durchzusetzen, müssten zertifizierte Sicherheitsdienste in den Stadien im Einsatz sein. Qualität und Quantität der Einlasskontrollen und Leibesvisitationen seien aus Sicht des Innenministeriums „noch optimierungsfähig“. Bei Bedarf müssten die Stadien früher geöffnet werden, um ausreichend Zeit für Überprüfungen zu gewinnen.

          Hohe Anziehungskraft

          Die heterogenen „Szenen“ der bis zu 1000 Personen starken Ultra-Klubs seien für die Sicherheitskräfte eine große Herausforderung. Diese Gruppierungen, die eine hohe Anziehungskraft auf junge Menschen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren ausübten und eine Dialogbereitschaft mit der Polizei ablehnten, müssten „mitgenommen“ werden, meint Rhein. Deshalb dürften sie bei dem vom Land initiierten „spieltagsorientierten Dialog“, bei dem Polizei, Verein, Fanprojekt und Fanbeauftragter vor, während und nach einem Spiel zusammenkämen, nicht außen vor bleiben.

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