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Das Verbraucherthema : Vom Dachboden ins Bankschließfach

Privatsache: Die Bank weiß nicht, was im Schließfach ihrer Kunden liegt. Bild: dpa

In der Bank sind Schmuck und Dokumente besser aufgehoben als zuhause. Kleine Fächer gibt es schon für 20 Euro Jahresmiete. Versicherungsschutz kostet aber oft extra.

          Wertgegenstände in der eigenen Wohnung sind für Besitzer oft Ballast. Die Zahl der Einbrüche steigt seit Jahren an, und nicht nur vor dem Urlaub fragen sich Eigentümer, wie und wo sie Schmuck, Goldmünzen und wichtige Dokumente möglichst sicher lagern können. Mit einem Schließfach bei der Bank sind sie in der Regel gut bedient.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Vergleich auf dieser Seite zeigt: Kleine Fächer gibt es schon für eine Jahresmiete von rund 20 Euro im Jahr. Je größer der Platz, um so höher die Miete. Das größte Schließfach (mit 151,1 Liter Volumen) bei der Frankfurter Sparkasse kostet mit 730 Euro auch am meisten. „Bei uns können Sie alles einlagern, auch einen van Gogh“, sagt ein Sprecher der Sparkasse. Die Nachfrage sei konstant hoch.

          Je wertvoller, desto teurer die Versicherung

          Die Zeitschrift „Finanztest“ hatte jüngst die Konditionen für Schließfächer bei 79 Banken in Deutschland angefragt. Auf dem Modell der Tester basiert auch die Tabelle mit den Angaben regionaler Finanzinstitute. Bis auf die Nassauische Sparkasse, die auch die „Finanztest“-Anfrage abgelehnt hatte, haben alle angefragten Häuser mitgemacht. Große Banken wie die Postbank haben keine Schließfächer im Angebot.

          Die Frankfurter Sparkasse hat für den angefragten Modellfall – ein Schließfach, in dem ein Aktenordner Platz finden soll – mit 30 Euro Jahresmiete das günstigste Angebot, die Commerzbank ist am teuersten. Doch es kommt nicht nur auf die Miete an. Mit entscheidend ist auch, ob und wie gut das eingelagerte Wertgut auch bei Schäden von außen, etwa durch Raub, Feuer und Leitungswasser versichert ist.

          Bei der Deutschen Bank, der Taunus Sparkasse und der Wiesbadener Volksbank ist im Mietpreis keine Versicherung enthalten, das heißt, die Bank muss den Schließfachmieter nur entschädigen, wenn sie den Schaden selbst verursacht hat. Die Kunden haben aber die Möglichkeit, eine Versicherung extra zu vereinbaren – oder auch den Versicherungsschutz über die im Mietpreis eingeschlossene Summe zu erhöhen. Das geht in der Regel direkt über die Bank. Bei der Deutschen Bank kostet das etwa 0,57 Euro für je 1000 Euro Versicherungswert (mindestens 24 Euro im Jahr) und bei der Commerzbank, abhängig vom Versicherungsumfang zwischen 0,65 und 0,95 Euro je 1000 Euro. Die Taunus-Sparkasse verlangt wie die überwiegende Zahl der Finanzhäuser je 1000-Euro-Stufe 1 Euro. Die Wiesbadener Volksbank verweist auf die Konditionen ihres Versicherungspartners, das ist die R+V-Versicherung.

          Fächer oft nur für Kunden der Bank

          Unterschiede freilich gibt es auch dann, wenn der Mietpreis eine Versicherung einschließt. Sie fallen in der Tabelle sogar besonders deutlich aus. Die versicherten Summen gehen von 2000 Euro (Frankfurter Volksbank) bis hoch zu 128.000 Euro (Sparda-Bank Hessen). Für einen so hohen Versicherungsschutz, der bei der Sparda-Bank für das Aktenkoffer-große Schließfach 41 Euro kostet, müssten die Mieter anderer Häuser deutlich tiefer in die Tasche greifen.

          Wer deswegen überlegt, zur Sparda-Bank zu wechseln, hat allerdings schlechte Karten, denn die Genossenschaftsbank vermietet Stahlfächer wie die meisten Finanzinstitute in der Tabelle ausschließlich an eigene Kunden. Allen stehen die Türen nur bei der Frankfurter Sparkasse offen. Bei der Frankfurter Volksbank haben die eigenen Kunden grundsätzlich Vorrang, was nicht heißt, dass bei freien Kapazitäten nicht auch Fremdkunden zum Zuge kommen. Auf Anfrage melden die meisten Häuser noch freie Plätze. Sie sind in der Regel über das Filialnetz verteilt. Die Frankfurter Sparkasse etwa hat in 60 Filialen Schließfächer eingerichtet. Einige Häuser bieten Schließfächer auch für drei Monate oder ein halbes Jahr an.

          Was Mieter deponieren, ist Privatsache. Kenntnis darüber, was alles in den Stahlfächern liegt, haben die Banken nicht, stellt der Bundesverband Deutscher Banken klar. Beim Schließfachvertrag handele es sich um ein reines Mietverhältnis, die Verantwortung für den Inhalt liege ausschließlich beim Mieter. Damit die Versicherung im Schadensfall zahlt, sollten Bankkunden genau dokumentieren, was im Schließfach liegt. Das geht am besten mit einer Inventarliste und Kaufbelegen – bei geerbtem Schmuck auch mit Fotos und Gutachten vom Juwelier. Eine Sprecherin der Deutschen Bank empfiehlt, eine Kopie ins Schließfach zu legen und eine zu Hause und beim Notar aufzubewahren.

          Neuerdings per Chipkarte zum Fach

          Dass Bargeld nicht langfristig im Schließfach geparkt werden sollte, versteht sich von selbst. Zu groß ist der Wertverlust, zudem versichern viele Institute Bargeld im Schließfach nicht. Hinzu kommt: Es ist äußerst schwierig, Menge und Wert nachzuweisen. Laut „Finanztest“ braucht der Mieter dafür Zeugenaussagen oder mitunter auch Fotos von den Seriennummern jedes Geldscheines.

          Den Zugang zu den Fächern regelt jedes Institut für sich. Durchgesetzt haben sich aber zwei Wege. Beim herkömmlichen Zugang haben der Mieter und ein Bank-Mitarbeiter je einen Schlüssel zum Fach, dass nur gemeinsam geöffnet werden kann. Neuere Anlagen funktionieren auch mit Chipkarte und Pin. Die Taunus-Sparkasse in Neu-Anspach gewährt Kunden damit sogar rund um die Uhr Zugang zu ihrem Schließfach, wie ein Sprecher sagt.

          Ansonsten muss sich ein Schließfach-Mieter oder die Person, die von ihm bevollmächtigt wird, vorher ausweisen. Der Trick, man sei der Neffe von Tante XY, funktioniert nicht, wie Bank-Sprecher klarstellen.

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