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Das Verbraucherthema : Kassen-Wechsel nicht um jeden Preis

Extra-Behandlung: Viele Krankenkassen geben inzwischen auch Zuschüsse für die Behandlung beim Osteopathen. Bild: Your_Photo_Today

Zwischen den gesetzlichen Krankenkassen gibt es - dank variablem Zusatzbeitrag - wieder Wettbewerb. Wer in Hessen zu einer günstigeren Kasse wechselt, kann bis zu 400 Euro im Jahr einsparen. Das Verbraucherthema.

          3 Min.

          Seit kurzem liegen die Karten auf dem Tisch. Von den 58 gesetzlichen Krankenkassen, die Versicherten in Hessen laut GKV-Spitzenverband offen stehen, haben knapp die Hälfte ihren Beitragssatz zum 1. Januar gesenkt, fünf Anbieter haben ihren Beitragssatz erhöht und 28 haben ihn gleich belassen - zu diesen gehören die großen Krankenkassen in Hessen (siehe Tabelle). Aus der Liga der Großen verlangt nur die Techniker Krankenkasse jetzt einen Prozentpunkt weniger. Versicherte können das auf der Internetseite des GKV-Spitzenverbandes nachlesen. Dort mussten alle Krankenkassen bis 31. Dezember ihren Beitragssatz für 2015 einstellen (www.gkv-zusatzbeitraege.de). Der günstigste Anbieter in Hessen ist danach die HKK mit Sitz in Bremen, die seit dem 1. Januar nur 15 Prozent verlangt. Noch günstiger wäre die AOK Plus mit 14,9 Prozent. Sie steht aber nur Versicherten in Sachsen und Thüringen offen.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zum Hintergrund: Zum 1. Januar wurde der Einheitsbeitrag für die gesetzlichen Krankenkassen abgeschafft. Fortan tragen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu gleichen Teilen einen Beitragssatz in Höhe von 14,6 Prozent. Bisher lag der allgemeine Beitragssatz bei 15,5 Prozent. Allerdings waren die Arbeitnehmer über einen Sonderbeitrag in Höhe von 0,9 Prozent daran etwas stärker beteiligt. Dieser Beitrag entfällt jetzt. Kassen, die es sich finanziell leisten können, dürfen weniger oder gar keinen Zusatzbeitrag mehr verlangen. Wer mehr Geld braucht, darf auch mehr verlangen.

          „Es fehlt an Transparenz“

          Schon ist die Rede vom Startschuss zum Kassen-Hopping. Denn auch wenn keine großen Abstände zwischen den Beitragssätzen deutlich werden - für Gutverdiener kann es sich trotzdem rechnen, den Anbieter zu wechseln. Dazu haben Versicherte, deren Krankenkasse jetzt einen Zusatzbeitrag erhebt, ein Sonderkündigungsrecht. Die Beitragsbemessungsgrenze, bis zu deren Höhe Arbeitnehmer Beiträge zahlen, liegt seit diesem Jahr bei einem Monatsbrutto von 4125 Euro. Der Unterschied zwischen dem günstigsten (0,4 Prozent Zusatzbeitrag) und dem teuersten Anbieter (1,2 Prozent) in Hessen liegt danach für den Versicherten bei 33 Euro im Monat, macht knapp 400 Euro im Jahr. Doch auch wer weniger verdient, kann laut Stiftung Warentest noch sparen.

          Bild: F.A.Z.

          Verbraucherschützer empfehlen jedoch, nicht voreilig zu wechseln. „Wer zufrieden mit seiner Krankenkasse ist, sollte sich das gut überlegen“, sagt Daniela Hubloher, Gesundheitsexpertin in der Verbraucherzentrale Hessen. Ohnehin seien die Unterschiede in den Beitragssätzen nur gering. Entscheidender seien Service und Leistung einer Krankenkasse. Wie spendabel zeigt sie sich? Das ist eine Frage, die Verbraucher laut Hubloher im Auge behalten sollten. Für Paare etwa, die auf eine künstliche Befruchtung angewiesen sind, kommt es darauf an, wie viele Versuche eine Krankenkasse unterstützt. Wer oft in weite Länder reist, wünscht sich eine Kasse, die sich beim Impfen großzügig zeigt. Wer bei Rückenschmerzen gute Erfahrung mit Osteopathie gemacht hat, wird darauf achten, dass die Krankenkasse die manuelle Therapie unterstützt. Inzwischen haben viele Krankenkassen sogenannte Gesundheitskonten angelegt, über die solche Leistungen abgerufen werden können. Der Vergleich sei jedoch schwierig, es fehle an Transparenz, moniert Verbraucherschützerin Hubloher. Nicht vergessen sollten Versicherte auch: Krankenkassen, die jetzt mit einem günstigen Beitragssatz starten, können diesen jederzeit erhöhen. Das gilt nach der schwierigen finanziellen Lage der Krankenkassen schon jetzt als ausgemacht.

          Keine Prämien von der TK mehr

          Teure Kassen müssen nun befürchten, dass sie Mitglieder verlieren. Laut „Finanztest“ ist es kein Zufall, dass die ersten Kassen anfangen, ihre Extraleistungen zurückzufahren. Beispiel Techniker Krankenkasse (TK). Statt 360 Euro gibt es jetzt nur noch 120 Euro als Zuschuss für die Sitzung beim Osteopathen, und die professionelle Zahnreinigung wird nur noch über das Bonusprogramm bezuschusst. Im vergangenen Jahr hatte die Techniker Krankenkasse ebenso wie viele andere Prämien ausgeschüttet. Bei der TK waren es je 80 Euro für die Jahre 2013 und 2014. Das ist von diesem Jahr an nicht mehr möglich. Gleichwohl sind frühere Prämien an Mitglieder laut „Finanztest“ ein Hinweis darauf, wie gut eine Kasse wirtschaftet und über wie viele Reserven sie verfügt. Für gutes Wirtschaften sprächen auch hohe Monatsrücklagen. Die günstige HKK erfüllt die Quote zu 100 Prozent.

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