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Verbraucherschule : Schüler als aufgeklärte Konsumenten

Der Pausenhof des Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums mit Blick auf den Altbau aus dem Jahr 2013. Bild: Sebastian Cunitz

An dem Heinrich-von-Gagern-Gymnasium gilt selbständiges und verantwortungsbewusstes Lernen. Verbraucherbildung ist dabei unerlässlich.

          Manches Angebot klingt einfach zu gut, um wahr zu sein. „Und meist ist es dann auch nicht wahr“, sagt Alexander Lorz über allzu verlockende Handy-Verträge und vermeintlich kostenlose Ratenkredite. Der hessische Kultusminister sitzt in einer Runde mit knapp einem Dutzend Jugendlichen vom Frankfurter Heinrich-von-Gagern-Gymnasium und diskutiert über Verbraucherschutz. Es geht um Alltagsfragen wie die Verlässlichkeit des Bio-Siegels und das fehlende Update fürs Smartphone. Aber auch große Themen kommen zur Sprache, etwa das gescheiterte Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten und die Frage, was es über Europäer und Amerikaner aussagt, wenn die einen Angst vor Hormonfleisch, die anderen aber vor Rohmilchkäse haben.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der CDU-Politiker übergab am Freitag zusammen mit seiner Kabinettskollegin, Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (Die Grünen), sowie Vera Fricke vom Verbraucherzentrale Bundesverband dem humanistischen Gymnasium die Urkunde zur Anerkennung als erste hessische „Verbraucherschule“. Deutschlandweit tragen 32 Schulen in 13 Bundesländern dieses Siegel. Ausgewählt wurde das Gagern-Gymnasium unter anderem wegen des Unterrichts im Fach „Politics, Economics and Culture“, in dem auf Englisch Themen wie Nachhaltigkeit und fairer Handel durchgenommen werden.

          Präventionstag über Medien und Ernährung

          „Durch Verbraucherbildung lernen unsere Schülerinnen und Schüler, selbständig und verantwortungsbewusst Entscheidungen zu treffen“, sagt Lehrer Subin Nijhawan. Auch in anderen Fächern würden Themen aus Konsumentensicht behandelt: „Zum Beispiel, wenn es in Bio darum geht, ob Veganismus schädlich ist.“ Außerhalb des regulären Unterrichts widmet sich etwa ein Präventionstag den Themen Mediennutzung und Ernährung, und ein Bundesbankvertreter spricht über Finanzen.

          Bei der Feierstunde zur Verleihung des Siegels sagte der kommissarische Schulleiter Hans-Ulrich Wyneken, die Verbraucherbildung befähige Jugendliche, den Wert von Waren, Finanz- und Versicherungsleistungen zu beurteilen. „Aber es geht um Grundsätzlicheres.“ Er gibt das Beispiel der modisch zerrissenen Jeans, für die junge Leute viel Geld ausgäben, meist mehr als für ein „unbeschädigtes“ Modell. Man müsse sich bewusst machen, dass Konsumentscheidungen eine starke emotionale und soziale Komponente hätten. „Es geht um Gruppenzugehörigkeit, Identität, Status.“

          Der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sprach am Freitag mit den Schülerinnen und Schülern über Verbraucherthemen.

          Letztlich führe die kritische Auseinandersetzung mit dem Konsumverhalten zur Frage nach dem guten Leben, sagte Wyneken. „Danach, was glücklich macht.“ Das passe gut zu einem humanistischen Gymnasium, hätten darüber doch schon Epikur und die Stoa philosophiert. Auch Lorz spannte den Bogen zur Antike. So habe Cato der Ältere sich mit nachhaltiger Landwirtschaft beschäftigt. „Also mit der Grundfrage, wie man sein Leben so gestaltet, dass auch für künftige Generationen genug da ist.“

          Für Vera Fricke bedeutet Verbraucherbildung nicht nur die Beschäftigung damit, „wo ich was am besten kaufe, sondern auch damit, ob ich das überhaupt brauche“. Wyneken führte Beispiele für die Absurditäten der globalisierten Warenwelt an. Ein durchschnittlicher Deutscher besitze 10. 000 Gegenstände, von denen er aber mindestens die Hälfte nicht nutze, ein durchschnittlicher Amerikaner kaufe im Jahr mehr als 100 Kleidungsstücke. „Und wenn wir ein T-Shirt für fünf Euro kaufen, gehen davon zwei Cent an die Näherin.“

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