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Neue Tierwohl-Initiative : Ein Bio-Schnitzel ist jetzt grün

  • -Aktualisiert am

Eine Frage der Haltung: Das Tierwohl wird für den Verbraucher nun farbig gekennzeichnet. Bild: dpa

Frischfleisch im Kühlregal von deutschen Discountern ist seit Montag mit einem Hinweis zur „Haltungsform“ versehen. Ein vierstufiges Farbsystem soll Orientierung bieten, doch lässt viele Kunden ratlos zurück.

          Ganz hinten im Penny-Discounter, zwischen den Pfandautomaten und den Ein-Euro-Artikeln, findet sich der perfekte Ort für ideologische Streitereien: die Frischfleischtheke. Viele Käufer freuen sich über die 30 Prozent Rabatt auf das Fleisch vom Vortag und stapeln das reduzierte Hackfleisch so hoch, dass der Einkaufskorb eine gefährliche Schieflage bekommt. Andere greifen konsequent zum Biofleisch und blenden die knallroten Lockangebote für die billigere Variante aus.

          Seit Montag haben die Anhänger von Discounter-Biofleisch ein neues Argument im Kampf um den richtigen Lebensstil. Es steht nun schwarz auf weiß – oder besser grün auf Plastikfolie –, dass sie das beste Fleisch im Kühlregal kaufen. Zumindest, wenn es um das Tierwohl geht.

          Bei Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto, Penny und Rewe ist das Frischfleisch seit Montag mit einem Hinweis zur „Haltungsform“ versehen. So sollen die Kunden erkennen können, wie das Tier, das in ihrer Pfanne oder auf ihrem Grill landet, aufgewachsen ist. Das vierstufige Farbsystem der „Initiative Tierwohl“ soll den Kunden an der Fleischtheke Orientierung bieten.

          Farbsystem von Rot bis Grün

          Tieren der ersten Stufe, der „Stallhaltung“, ging es zu Lebzeiten wohl am schlechtesten. Etwas besser hatten es jene der Kategorie zwei, „Stallhaltung Plus“. Auch wenn das Plus sehr klein ist: Ein Schwein der Kategorie zwei hat 0,075 Quadratmeter mehr Platz im Stall als eines in Kategorie eins. Das ist so viel wie anderthalb Din-A4-Blätter. Erst von Kategorie drei (orange) an kann sich der Verbraucher sicher sein, dass das Tier vor seinem Lebensende Frischluft geatmet hat. Die grüne Kategorie vier steht für noch mehr Platz und Frischluftkontakt – dieses Steak hat dann Bio-Qualität.

          Tierwohl-Kennzeichnung: In der zweiten Kategorie haben die Tiere mehr Beschäftigung im Stall.

          Der Verbraucher muss schon kreativ denken, um die wohlklingenden Werbewörter „Außenklima“, „Stallhaltung Plus“ oder „Premium“ mit Inhalt zu füllen. „Ich weiß gar nicht, wofür ,eins‘, ,zwei‘, ,drei‘ und ,vier‘ überhaupt stehen“, sagt ein Kunde im Penny-Markt an der Mainzer Landstraße in Frankfurt. Dass Kategorie vier besser sei als Kategorie eins, könne er sich aber zusammenreimen. „Ich hab’ keine Ahnung, was das ist“, sagt dagegen eine andere Kundin. „Interessiert mich aber auch nicht.“

          Im Discounter weist nur ein kleiner Aufkleber am Kühlregal auf die Neuerung hin. Was die verschiedenen Kategorien bedeuten, steht auch dort nicht. Die „Initiative Tierwohl“ verweist für mehr Informationen auf ihre Homepage www.haltungsform.de. Dort ist tatsächlich detailliert aufgelistet, welches Tier wie viel Platz und Frischluft-Zugang hatte. Im Penny-Markt findet der Kunde diese Erklärungen aber nicht.

          So scheint das Label zunächst nicht viel am Einkaufsverhalten der Verbraucher zu ändern. Eine Kundin greift nach dem Gespräch in die unterste Regalreihe, um ein Kilo Hackfleisch einzupacken – für 5,98 Euro. Kennzeichnung rot, Stallhaltung.

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