https://www.faz.net/-gzg-6zqaf

Verband Bildung und Erziehung : Gleicher Sold für Lehrer gefordert

Unterrichten ist nicht gleich unterrichten, das meinten bislang viele. Bild: dapd

Die Besoldung hessischer Lehrkräfte muss überarbeitet werden. Die Gehaltsstruktur nach Schulformen sei rechtswidrig.

          Die Besoldung hessischer Lehrkräfte muss überarbeitet werden. Für die Beibehaltung unterschiedlicher Bezahlung nach Schulformen gibt es keine verfassungsrechtlich gebotenen Gründe mehr. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten des Staatsrechtlers Christoph Gusy, das der Professor an der Universität Bielefeld im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) erstellt hat.

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Wir möchten von der Politik die Anerkenntnis haben, dass die Arbeit aller Lehrer gleichwertig ist“, sagte am Dienstag der VBE-Landesvorsitzende für Hessen, Helmut Deckert, bei der Vorstellung des Gutachtens. Die Eingruppierung in verschiedene Besoldungsgruppen beschäftigt die Interessenvertreter für Lehrkräfte seit Jahren. So hat in der Vergangenheit auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Politik schon zu Änderungen aufgefordert. Sie hat dabei vor allem die Grundschullehrer im Blick gehabt, die eine höhere Unterrichtsverpflichtung haben als ihre Kollegen an weiterführenden Schulen, aber weniger verdienen. Ihm gehe es nicht darum, Lehrkräfte an den einen Schulen gegen die an anderen auszuspielen, sagte VBE-Vorsitzender Deckert gestern; „wir wollen keine Neiddebatte“. Allerdings sei nicht nachvollziehbar, dass in Hessen Grundschullehrer zwar auch an weiterführenden Schulen unterrichteten, an Integrierten Gesamtschulen etwa, dies aber zu anderen Konditionen täten als Haupt- und Realschullehrer oder Gymnasiallehrer.

          Unterschiedliche Zugangsvoraussetzungen

          Dass Lehrer in Deutschland nicht einheitlich entlohnt werden, wurzelt in der Annahme, dass sie unterschiedlich schwierig zu beherrschende Inhalte vermitteln, je nach Schulform, und das Gymnasium die anspruchsvollste darstellt. Die übergeordneten Rechtsansichten zum Thema sind im Grundgesetz mit dem Alimentationsprinzip und der Pflicht zur amtsangemessenen Besoldung festgehalten. Seit dem Jahr 2006 sind das Beamtenrecht und das Besoldungsrecht Ländersache, letzteres ist in Hessen noch nicht novelliert worden. „Jetzt ist genau der Zeitpunkt, eine Debatte zu beginnen“, sagte Deckert gestern. Mit dem Gutachten Gusys liege den Parteien jetzt eine Argumentation vor, die es schwierig mache, die bisherige Gehaltsstruktur mit Verweis auf das Grundgesetz aufrechtzuerhalten.

          Die Besoldung der Lehrkräfte nach Schulformen gründet nach Worten Gusys auch in den unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen - für das Lehramt an Gymnasien gilt in Hessen beispielsweise eine um ein Jahr längere Regelstudienzeit als für Grundschullehrer -, vor allem aber in der Definition der Aufgaben von Lehrern. Die Verfassung gebe vor, das Besoldungssystem fortzuentwickeln und der Realität anzupassen. Und die Anforderungen an die Lehrer, sagte Gusy, seien heute längst nicht mehr ausschließlich durch die Bildungsziele ihrer Schüler definiert. Das spiegele sich auch im neuen hessischen Schulgesetz: Darin werde der Integrationsauftrag der Schule beschrieben, es enthalte das Recht von Eltern behinderter Kinder auf freie Schulwahl, was neue Profile des Lehrberufs mit sich bringe, zudem habe Hessen die Mittelstufenschule eingeführt. „Man kann nicht das System modernisieren, aber die Besoldung belassen wie in der Kaiserzeit“, sagte Deckert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Klimaaktivistin : Das Team hinter Greta

          Vor einem Jahr hat die schwedische Teenagerin Greta Thunberg ihre Schulstreiks begonnen. Heute ist sie weltberühmt und segelt über den Atlantik. Wir zeigen die Leute hinter ihr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.