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Veränderte Trauerkultur : Fehlende „Kunden“ fordern Friedhöfe heraus

Noch Platz: Eine Parzelle auf dem Frankfurter Hauptfriedhof Bild: Kretzer, Michael

Trauerhain, Friedwald, Ruheforst: Die Trauerkultur verändert und hat Folgen für übliche Friedhöfe: Ihnen fehlt es an „Kunden“. Und: „Höhere Gebühren vertreiben die Leute.“

          2 Min.

          Ein Café auf dem Hauptfriedhof, die Gründung eines privaten Fördervereins und die stärkere Öffnung der Friedhöfe hin zu einer neuen Form von Parks, unter anderem mit Führungen für Kinder und Jugendliche, möglicherweise sogar mit Spielangeboten für den Nachwuchs und der Erlaubnis zum Joggen: Das sind die griffigsten Vorschläge, die bei einem Friedhofssymposion gemacht wurden, zu dem Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) in die Trauerhalle des Hauptfriedhofs geladen hatte. Anlass ist die nach Heiligs Angaben „echte Zäsur“ in der Friedhofskultur, die zu einem starken Rückgang der Bestattungen und schwindenden Gebühreneinnahmen führt.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Heilig sagte, das Symposion sei nur der Auftakt dazu, mit den Bürgern gemeinsam zu ermitteln, wie es mit den derzeit 36 Frankfurter Friedhöfen weitergehen soll. Denn für alle Veränderungen, etwa die Umwidmung zu allgemeinen „grünen Refugien“, was sie sich persönlich vorstellen könne, „brauche ich Partner in dieser Stadt“, sagte die Grünen-Politikerin. Es seien Schritte erforderlich, „an die müssen wir mutiger als bisher herangehen“. Denn durchaus denkbar sei es auch, wenig genutzte Friedhöfe in einzelnen Stadtteilen aufzugeben.

          Heilig hat das Kasseler Landschaftsarchitektenbüro von Martin Venne beauftragt, ein Konzept „Friedhof 2020“ mit Handlungsvorschlägen zu erarbeiten. Unabhängig davon will die Dezernentin die Friedhofsgebühren zum nächsten Jahr erhöhen. „Das ist unvermeidlich“, sagte sie.

          Dabei haben Venne und der Jurist Matthias Spranger von der Universität Bonn ausdrücklich vor Erhöhungen gewarnt. „Höhere Gebühren treiben die Leute vom Friedhof“, sagte Spranger. Die Kommunen müssten sich dem Wettbewerb stellen und Angeboten wie etwa den privaten Friedwäldern etwas entgegensetzen. Der Friedhof müsse zum Dienstleister werden, „Kundenwünschen“ entsprechen, die Satzung flexibler werden. Spranger erwartet, dass die Zahl der Urnenbeisetzungen, die in Frankfurt bei 66 Prozent im Vergleich zur Sarg-Bestattung liegen, auf 90 Prozent steigen werden. Der Friedhofszwang, die Pflicht, Sarg oder Urne auf einem Friedhof aufzubewahren, sei langfristig „rechtlich nicht zu halten“. Und die Friedhöfe bräuchten „ein Freiflächenmanagement“.

          Für Venne verursachen die kleinen Flächen die größten Probleme, die nicht mehr genutzten Gräber, die per Hand gemäht werden müssten. Er sieht die Zukunft in Gemeinschaftsgrabstätten oder in Gräbern ohne Pflegeverpflichtung.

          Unter Hinweis auf den Erhalt denkmalgeschützter Grabstätten, wie es sie auf dem Hauptfriedhof zahlreich gibt, forderte der Leiter des Kasseler Museums für Sepulkralkultur, Reiner Sörries, stärker über den Kulturwert der Friedhöfe zu reden. So wie derzeit die Städte bei den Friedhöfen den „grünpolitischen Wert“ ermittelten und entsprechend die Pflege über Steuergelder bezuschussten, so müsse auch ein „kulturpolitischer Wert“ errechnet werden. Sörries gestand jedoch zu: „Auch das wird nicht reichen.“ Die Friedhöfe hätten es wegen „der radikal veränderten Trauerkultur“ derzeit einfach schwer.

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