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Eintracht Frankfurt : Die Suche nach der neuen Eintracht

Neuer Praktikant, alte Probleme: Wieder einmal verpasst die Eintracht den Sprung nach oben, was auch Gegenstand der Unterredung zwischen Trainer Armin Veh (rechts) und Hospitant Zlatan Bajramovic gewesen sein dürfte. Bild: Heiko Rhode

Trainer Armin Veh bastelt an seinem Team für das nächste Spiel gegen Gladbach. Wegen der Länderspiele muss er improvisieren, Veränderungen aber wird es trotzdem geben.

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          Der Eintracht wird in diesen Tagen mächtig auf den Zahn gefühlt. Etwaige Zusammenhänge mit der peinlichen 0:2-Niederlage in Ingolstadt wären rein zufällig. Doch sicher ist: Schmerzhaft waren die Erfahrungen schon, die die Frankfurter Fußballprofis in den vergangenen zwei Bundesligaspielen gemacht haben. Emil Balayev, formal der dritte Keeper im Kader der Eintracht, wird wegen langwieriger Zahnprobleme in diesem Herbst keine Ersatz-Alternative sein, „denn bei ihm dauert es bis zum Winter“, wie Eintracht-Trainer Armin Veh am Mittwoch sagte.

          Bei Aleksandar Ignjovski hingegen sieht es bedeutend besser aus. Die Operation des Weisheitszahns, der sich der Serbe absprachegemäß in der Länderspielpause unterzog, ist seit Mittwoch Geschichte – und schon an diesem Donnerstag wird der variabel einsetzbare Defensivspieler, der nicht nur in den Augen von Veh als derzeitige Aushilfe auf dem rechten Außenverteidigerposten einen „ordentlichen Job“ macht, wieder in das Mannschaftstraining zurückkehren.

          Zeit für eine Feinjustierung

          Wobei der Begriff Mannschaftstraining in diesen Tagen so eine Sache ist. Aus Vehs Kernkader stehen wegen diverser Nationalmannschaftsabstellungen lediglich „zwölf echte Profis“ zur Verfügung, wie der Chefcoach sagte. Um übungshalber spielfähig zu sein, tummelten sich am Mittwoch vier Jungtalente vom Riederwald inmitten der Profis.

          Knapp zehn Tage noch bleiben Veh und seinen Helfern, um die zuletzt so tief getroffene Mannschaft wieder neu zu justieren. Dass es im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach am 17. Oktober (Anpfiff 18.30 Uhr) zu personellen Änderungen kommt, gilt als ausgemacht. Vor allem in der Defensive deutet sich wieder einmal eine Mini-Rotation an. Seit dem Saisonstart kann sich Veh in der Innenverteidigung auf das Triumvirat Carlos Zambrano, Marco Russ und David Abraham verlassen. „Im Zweifel war es bisher so, dass Abraham auf die Bank musste“, sagte Veh – und man merkte dem 54 Jahre alten Fußballlehrer an, dass ihm diese Entscheidung schwerfiel.

          Folgenreicher Trip zur Nationalmannschaft

          „Ich kann mich auf alle drei verlassen.“ Doch Individualabwägungen hätten bislang dazu geführt, dass zumeist Zambrano und Russ vom Start weg am Ball waren. „Über die Jahre habe ich immer mit den beiden gespielt“, sagte Veh. „Wenn Carlos fit ist, dann ist er eine Bank. Und bei Marco weiß ich, dass er bei Standards immer für drei, vier Tore während einer Saison gut ist.“ Vehs Luxusproblem: „Ich habe überhaupt keine Bedenken, wenn einer von ihnen mal nicht spielt.“ Als Trumpfkarte kann er immer Abraham zücken – und sich auf ihn verlassen.

          In den bisherigen acht Punktspielen brachte es der im Sommer aus Hoffenheim nach Frankfurt gewechselte Abraham auf sieben Einsätze. Fünfmal war der ruhige Südamerikaner dabei von Anfang bis Ende dabei und überzeugte immer wieder als kompromissloser, fairer Zweikämpfer. Und Zambrano? Der ist wieder einmal in Sachen Nationalmannschaft unterwegs, was in der Vergangenheit folgenreich war. Vom letzten Trip kam der Peruaner mit drei gebrochenen Rippen zurück – und sorgte damit für Kopfschütteln.

          „Wir waren viel zu pomadig“

          „Er ist bei uns angestellt, wir bezahlen ihn und teilen den Ärzten seiner Nationalmannschaft mit, dass er wegen der gebrochenen Rippen eigentlich in Frankfurt bleiben sollte“, sagte Veh. Doch nichts geschah. Zambrano musste und muss kommen, wenn er über den internationalen Fußballverband für Spiele der Peruaner angefordert wird. Besser wird sein Gesundheitszustand dadurch nicht, und so steht schon jetzt ein Fragezeichen hinter seinem möglichen Einsatz gegen Mönchengladbach.

          Egal, ob mit oder ohne Zambrano: Die Eintracht braucht (wieder) eine gehörige Portion Leidenschaft, um den Ansprüchen in der Bundesliga gerecht zu werden. „Wir waren zuletzt viel zu pomadig“, klagte Veh am Mittwoch. „Wir haben im Mittelfeld nicht so viele schnelle Spieler und viel zu viel in die Breite gespielt und es an der nötigen Leidenschaft missen lassen. Es gibt solche Tage. Ich hoffe aber, dass es eine Ausnahme war.“

          Um seine Spieler wieder auf Kurs zu bekommen, will Veh viele Einzelgespräche führen, wie er ankündigte. Der Trainer selbst, der vor der Fahrt nach Ingolstadt von der Brisanz der Partie gesprochen und gesagt hatte, „dass es in der Tabelle entweder nach oben oder eher nach unten geht“, will seine Profis auch an Selbstverständlichkeiten erinnern. „Fußball ist unser Beruf. Er muss doch allen auch Freude bereiten.“ Grundsätzlich aber glaubt der Coach an seine Mannschaft. „Sie ist charakterlich in Ordnung. Da ändere ich meine Meinung nicht.“

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