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Vegetarische Restaurant-Kette : Und täglich kein Fleisch

Umfangreicher Speiseplan: Das „tibits“ bietet viel Abwechslung für den vegetarischen Gaumen. Bild: Michael Kretzer

In Darmstadt hat die vegetarische Restaurant-Kette „tibits“ ihre erste Filiale in Deutschland eröffnet. Besonders unter Mitarbeitern von Alnatura stößt das auf großes Interesse.

          Die Köttbullar gehen ziemlich gut weg. Die Schweizer Käsewähe wird auch gerne genommen. Aber der Dörrbohnensalat ist besonders beliebt. „Wenn es den eines Tages mal nicht geben sollte, gibt es eine Revolte“, sagt Sascha Falk und lacht. Es ist Mittagszeit, in seinem Rücken füllt sich das „tibits“ langsam. Im Hintergrund läuft leise souliger Jazz, vor den bunten Tapeten stehen Korbstühle mit zierlichen Tischchen und Holzbänke mit bedruckten Kissen. Je weiter es gegen 12.30 Uhr geht, desto länger wird die Schlange am Eingang des Restaurants, desto mehr Fahrräder werden draußen vor der Glasfront abgestellt. An dem zum Buffet umfunktionierten Boot in der Mitte des Raumes ersetzen Köche leere Schüsseln und Schalen durch volle. Der Küchenchef eilt in Richtung der Wartenden. „Herzlich willkommen, kennen Sie sich schon aus bei uns?“

          Anna-Sophia Lang

          Freie Autorin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Im „tibits“, das in Darmstadt Ende Januar eröffnet hat und das Sascha Falk als Geschäftsführer leitet, gibt es ausschließlich vegetarische oder rein pflanzliche Gerichte, von Salaten bis zu Desserts. Alle Gerichte, täglich bis zu 40, werden zur Selbstbedienung angerichtet. Jeden Tag werden zwei Drittel des Speiseplans ausgetauscht. Wer hereinkommt, sucht sich erst einen Platz, lädt sich dann auf den Teller, was gut aussieht, und lässt die Portion an der Kasse wiegen. Für ein ordentliches Mittagessen kommt man damit auf elf bis zwölf Euro. „Man ist satt, aber man rollt sich hier nicht raus“, sagt Falk.

          Ableger aus der Schweiz

          Und er behält recht. Die Farfalle con Funghi al Tartufo sind cremig, aber leicht. Das Kimchi mit Sojasprossen, Cherry-Tomaten und frischem Koriander schmeckt säuerlich-frisch, die gerösteten Kichererbsen mit Harissa-Bohnen schmecken erdig und leicht scharf. Der Cole Slaw mit Weißkohl und Karotten ist süßlich, genau wie der kreolische Reis mit Knoblauch und Cayennepfeffer. Zum Nachtisch gibt es Zimtknödel mit Marillen-Kompott, zum Beispiel, oder Schoko-Creme, die hier „Schoggi-Creme“ heißt. Denn „tibits“ ist der erste Deutschland-Ableger eines Schweizer Unternehmens. Gegründet haben es im Jahr 2000 die Brüder Christian, Daniel und Reto Frei, gemeinsam mit der Familie Hiltl, in deren Besitz in Zürich seit mehr als hundert Jahren ein Restaurant ist, das einmal das erste vegetarische Lokal in Europa war.

          Zwei vor der Gründung hatten die Freis mit ihrem Businessplan für ein vegetarisches Fastfood-Konzept einen Wettbewerb der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich und der Unternehmensberatung McKinsey gewonnen. Mittlerweile gibt es „tibits“ in sieben Städten in der Schweiz, außerdem existieren zwei in London. Das Restaurant in Darmstadt ist die 13. Filiale. Den Begriff „Kette“ hören die Brüder Frei aber nicht gern. „Wir sind und verstehen uns als Familienbetrieb“, sagt Daniel Frei. „Jedes Restaurant ist individuell, und wir führen auch jedes so, als wäre es das einzige, das es gibt.“

          Dass sie eines Tages nach Deutschland expandieren könnten, hatten die Unternehmer nicht ausgeschlossen. Sie glauben nicht an den Ruf der Deutschen als notorische Fleischesser, für die ein vegetarisches Gericht kein richtiges Essen ist. Gerade in den grenznahen Städten Winterthur und Basel, erzählt Daniel Frei, habe „tibits“ viele deutsche Gäste. Und in den Züricher Restaurants habe er auffällig viele Kunden aus Frankfurt bemerkt, offenbar Berufspendler, die immer wieder gefragt hätten, ob es nicht irgendwann eine Filiale in ihrer Heimatstadt geben werde.

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