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Veganer : Fleischlos den Planeten retten

  • -Aktualisiert am

Mandelmilch statt normaler Milch

Belegt sei jedoch, dass der durchschnittliche Fleischesser heute im Jahr rund 60 Kilogramm Fleischwaren in roher, gebratener oder panierter Form isst - davon sind nach Angaben der Statistiker rund 40 Kilogramm Schwein, 11 Kilogramm Geflügel, etwa 8 Kilogramm Rind und Kalb sowie Schaf und Ziege. Bei Menschen, die deutlich mehr Fleisch und Wurst verzehren, könne das in den schlimmsten Fällen zu erhöhten Cholesterin- und Blutdruckwerten führen, außerdem steige die Gefahr, an Osteoporose, Gicht und Rheuma zu erkranken sowie Herz- und Krebsleiden zu entwickeln.

Doch Veganern geht es nicht nur um die eigene Gesundheit. „Klar versucht man als Veganer, den Planeten zu retten“, sagt Anna Prokein. Sie schäumt Mandelmilch auf, um aus einem gewöhnlichen Kaffee einen veganen Cappuccino zu machen. In ihrem Café „Edelkiosk“ an der Rhönstraße im Ostend verkauft die 28 Jahre alte gelernte Medienkauffrau ausschließlich Produkte ohne tierische Zutaten: vom Latte macchiato mit Soja- oder Mandelmilch über Schokoladentörtchen und Mandarinesahnekuchen bis hin zu Zitrone-Quitte-Eis. Kuhmilch ersetzt sie beim Backen durch Wasser, auf Eier verzichtet sie ganz: „Viele der Kunden merken überhaupt nicht, dass irgendetwas anders ist.“

Mehr als ein temporärer Besser-Esser-Chic

Wie Prokein, die seit zwei Jahren selbst Veganerin ist, mit fleischessenden Freunden umgeht? „Ich kann die Essgewohnheiten zwar nicht tolerieren, aber ich versuche, damit zu leben.“ So weit, so theoretisch. Dass das in der Praxis nicht immer einfach ist, kann sie nicht bestreiten, und so diskutiert sie häufig mit nichtveganen Freunden über deren Essverhalten, versucht ihr Bewusstsein für die Nahrung zu schärfen. Wenn ihre Eltern grillen, lehnt Prokein die Einladung ab: „Ich kann Fleisch nicht riechen.“ Was passiert, wenn eine Dame mit Pelz den Laden betritt? „Nun, ansprechen würde ich sie schon.“

Veganismus ist für sie mehr als ein temporärer Besser-Esser-Chic: Es ist eine Lebenseinstellung. „Natürlich geht es nicht, perfekt zu leben“, sagt Prokein. Der Edelkiosk ist zumindest ein Versuch, ihre Vorstellung von fleischloser Perfektion zu verwirklichen.

Manko als Marktlücke

Doch bei aller Liebe für die Tiere und die Umwelt rät Ernährungswissenschaftler Leitzmann zur Vorsicht. „Um sich bedarfsgerecht zu ernähren, ist es wichtig, sich intensiv mit den Nahrungsmitteln und ihren Inhaltsstoffen auseinanderzusetzen.“ Deshalb empfiehlt er den Verzehr von Hülsenfrüchten, Nüssen, Beeren sowie Kohl- und Zwiebelgewächsen, um einem Mangel an Eiweiß, Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen vorzubeugen. Nur dann sei der Veganismus auch während der Schwangerschaft, der Stillzeit, aber auch in Kindheit und Alter eine gesunde Lebensform.

„Letztlich hat der Veganer nur eine Achillesferse“, erklärt Leitzmann: Vitamin B12, ein Stoff, der in ausreichender Menge nur in tierischen Produkten enthalten sei. Für Veganer, die sich gesund ernähren wollen, bleibt demnach nur der Rückgriff auf angereicherte Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel.

Ali Ülger hat dieses Manko als Marktlücke entdeckt: In seinem Imbiss „Çigköftem“ an der Münchener Straße verkauft er das traditionelle türkische Gericht Çigköfte, das bedeutet „rohe Frikadelle“. Sie wird grundsätzlich ohne tierische Produkte zubereitet. Ülger, der selbst nicht auf Fleisch verzichtet, serviert die vegane Masse bestehend aus gemahlenem Naturweizen, Hartweizen, Walnußkernen, Tomatenmark und 18 Gewürzen mit veganem Brot, Salat und Granatapfelsoße. Auf Wunsch gibt es aber Rindfleisch dazu.

'Name von der Redaktion geändert

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