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Ohne Fleisch und Eier : Mangelernährung an veganer Kita?

Streicheln verboten: Tierparks sind für die Kinder der Veggie-Kita tabu. Bild: Marcus Kaufhold

Essen ohne Käse, Fleisch, Eier und Milch: Das geht nur, wenn Vitamine und Mineralien auf andere Weise aufgenommen werden. Kritiker einer in Frankfurt geplanten Kita warnen.

          Die in Bockenheim in privater Initiative geplante vegane Kindertagesstätte soll im August eröffnen und 40 Betreuungsplätze bieten. Das berichtete Lucien Coy von der Elterninitiative „Veggie-Kids“ in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats 2 (Bockenheim, Kuhwald, Westend). Der Neubau an der Schlossstraße, in dessen Erdgeschoss die Kita einziehe, stehe kurz vor der Fertigstellung. Es werde die erste Betreuungseinrichtung für Kinder über drei Jahre in der Stadt sein, die sich rein vegan ernährten; Lebensmittel tierischen Ursprungs seien tabu. Lediglich in Berlin gebe es bisher vergleichbare Angebote, sagte Coy. Die Betriebserlaubnis für die Kindereinrichtung sei vom hessischen Sozialministerium erteilt worden.

          Keine negativen gesundheitlichen Folgen für die Kinder

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Ortsvertreter reagierten durchaus kritisch auf das für Frankfurt beispiellose Betreuungskonzept. Es müsse gewährleistet werden, dass die eingeschränkte Ernährung keine negativen gesundheitlichen Folgen für die Kinder habe, forderte Christina Ringer von der CDU-Fraktion. Wenn die Kinder auf Fleisch, Eier, Milch und Käse verzichten müssten, fehlten ihnen wichtige Nährstoffe. Diese Defizite könnten zwar durch Nahrungsergänzungsmittel ausgeglichen werden, deren Abgabe müsste aber genau kontrolliert werden, mahnte Maria-Christina Nimmerfroh (FDP). Die Ortsvertreter zeigten sich erstaunt darüber, dass die Einrichtung trotz möglicher gesundheitlicher Risiken genehmigt und finanziell gefördert werden könne.

          Rüdiger Niemann vom städtischen Bildungsdezernat wies darauf hin, dass Ernährungskonzepte von Kindereinrichtungen bei deren Genehmigung grundsätzlich keine Rolle spielten. Der übliche Katalog an Kriterien, etwa zu Personal- und Gruppenstärke, Raumplanung, Brandschutz und pädagogischen Konzepten sei mit dem Trägerverein der veganen Kita besprochen worden. Wenn alle Auflagen erfüllt würden, könne die Betriebserlaubnis nicht verweigert werden; dies habe das städtische Rechtsamt bestätigt, sagte Niemann. Vegane Ernährung sei schließlich nicht verboten.

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          Eltern müssen in das Ernährungskonzept eingebunden werden

          Weil mit einer veganen Kita aber Neuland betreten werde, seien mit dem Träger eingehende Beratungsgespräche geführt worden. Das Verfahren habe von 2013 bis 2017 gedauert. Es sei vereinbart worden, dass die Eltern der Kinder eng in das Ernährungskonzept eingebunden werden müssten. Auf Info-Abenden sollten das vegane Ernährungskonzept erläutert und die Notwendigkeit von Nahrungsergänzungsstoffen erklärt werden. Auch sollten Vorträge von Ernährungswissenschaftlern angeboten werden. Es sei zur Auflage gemacht worden, dass die Beratung der Eltern dokumentiert werde und diese sich schriftlich mit der Ernährungsweise einverstanden erklären müssten.

          Die Erziehungsberechtigten müssten sicherstellen, dass ihre Kinder durch Zusatzstoffe die erforderlichen Vitamine und Mineralien erhielten, bestätigte Coy. Die Kita könnte hier nicht regulierend eingreifen, auch wegen der Gefahr von schädlichen Überdosierungen. Einzig die Eltern könnten dies kontrolliert leisten. So müsste etwa Vitamin B12, das nur in tierischen Lebensmitteln vorkomme, gesondert zugeführt werden. Coy wies darauf hin, dass es Familien gebe, die sich nicht der veganen Ernährungsweise verschrieben hätten, ihre Kinder aber dennoch in die Veggie-Kita geben wollten, weil sie gut erreichbar sei.

          Der Sprecher des Trägervereins wies auf das generell noch mangelnde Angebot für eine vegane Ernährung hin. Es sei in öffentlichen Einrichtungen zwar inzwischen üblich, dass vegetarische Gerichte angeboten würden; Menüvorschläge für Veganer gebe es aber gemeinhin nicht. Coy widersprach dem Vorwurf von Ortsvertreterin Nimmerfroh, dass das vegane Lebenskonzept „ausgrenzend“ sei. Nimmerfroh hatte sich besorgt darüber geäußert, dass es zu Interessenskonflikten zwischen Eltern und Kindern kommen könne, je nachdem, wie streng oder weniger streng vegan sie lebten. Coy räumte zwar ein, dass die Ausflüge der Kindergruppen aus der veganen Kita sicher nicht in Tiergärten und Bauernhöfe führen würden. Schließlich lehnten ethisch motivierte Veganer es ab, dass Tiere in Gefangenschaft gehalten würden. Natürlich sei es den Eltern aber freigestellt, privat mit ihren Kindern den Zoo oder Aquarien zu besuchen. Auch dürften die Kinder in Lederschuhen in die Kita kommen und dort mit Lederbällen spielen, obwohl viele Veganer darauf achteten, dass Kleidung und andere Waren frei von Tierprodukten seien.

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