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Vandalismus gegen Kunst : „Die Reinigung kostet die Stadt Tausende“

  • -Aktualisiert am

Zerstörungswut oder Signatur? Manch Kunstwerk wird besonders häufig beschmiert. Bild: Kunstdezernat Frankfurt

Mehr als 500 Kunstwerke sind im Stadtgebiet für die Öffentlichkeit zugänglich. Immer wieder gibt es Fälle von Vandalismus – doch längst nicht alle Täter handeln aus reiner Zerstörungswut.

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          Frau Beebone, das Kulturamt hat einen Infolink eingerichtet, über den Bürger Schäden an öffentlichen Kunstwerken melden können. Beobachten Sie eine Zunahme an Zerstörungswut?

          Die Zahl der Fälle ist seit Jahren gleichbleibend hoch. Besonders in der warmen Jahreszeit haben wir alle Hände voll zu tun. Seit Frühjahr mussten wir bereits zwölf zum Teil umfangreiche Fälle von Vandalismus polizeilich melden. Die Leute sind öfter nachts unterwegs, und der Schutz der Dunkelheit kommt den Tätern natürlich gelegen.

          Steigt den Leuten die Hitze zu Kopfe?

          Generell verzeichnen wir im Sommer mehr Fälle als im Winter. Aber auch bei Minusgraden werden Denkmäler mutwillig beschädigt. Ein besonders krasses Beispiel ist die Zerstörung der bronzenen Ebergruppe am Untermainkai im Januar vergangenen Jahres. Die Skulptur wurde vom Sockel gerissen, die Überreste fand man im Schnee. Hierbei handelte es sich aber nicht einfach um blinde Zerstörungswut, sondern um Metallraub, wie man ihn sonst nur von Baustellen kennt. Wir erkennen eine deutliche Zunahme bei Kulturdenkmälern. Der Schaden lag bei mehr als 5000 Euro.

          In den meisten Fällen sind Kunstwerke beschmiert worden. Hinterlassen die Täter eine Art Signatur, um ihr Revier zu markieren?

          Davon kann man ausgehen, aber für den Laien ist das schwer zu beurteilen. Was wahllos und willkürlich aussieht, kann ein kryptischer Tag sein und die persönliche Handschrift eines Sprayers. Wir bringen jede Verunreinigung zur Anzeige und reichen bei der Polizei Fotos ein. Leider konnte noch niemand überführt werden, obwohl manche Kunstwerke besonders beliebt zu sein scheinen. Etwa der schreitende Stier von Fritz Boehle im Günthersburgpark. Dort gibt es anscheinend eine relativ große Sprayerszene.

          Gibt es politische Botschaften?

          Das ist bei Kunst im öffentlichen Raum eher die Ausnahme. Andere Städte haben deutlich größere Probleme, wenn man zum Beispiel nach Jena schaut. Dort liefern sich Autonome und Rechte an Hausfassaden, Skulpturen und Kulturdenkmälern regelrechte Straßenschlachten.

          Was kostet die Reinigung?

          Das hängt stark von Material und Größe ab, meistens liegen die Kosten im drei-bis vierstelligen Bereich. Teuer wird es vor allem bei sensiblen, offenporigen Oberflächen, wie Muschelkalk oder bei denkmalgeschützten Skulpturen, denn da kann man nicht einfach mit dem Hochdruckreiniger dran. Die Beethoven-Statue in der Taunusanlage zum Beispiel musste für 3000 Euro von Schmierereien befreit werden. Die Reinigung ist aber nicht nur kostspielig, sondern auch aufwendig, da fast immer eine Spezialfirma den Auftrag übernimmt. Oft stehen Kunstwerke unter Denkmalschutz, dann müssen wir dem Denkmalamt einen Bericht zur Reinigung verfassen, der abgesegnet werden muss. Ein langer, bürokratischer Prozess, der aber seine Richtigkeit hat.

          Sorgt sich um den Erhalt der öffentlichen Kunst: Jessica Beebone

          Gibt es auch positive Beispiele, sozusagen Kunst in der Kunst?

          Nein, Schmierereien an öffentlicher Kunst sind immer Sachbeschädigung, weil sie nicht im Sinne des Urhebers sind. Anders sieht es beim sogenannten Guerrilla Knitting aus - dem Einkleiden von Skulpturen mit Textilien, oft mit Gehäkeltem oder Gestricktem. Constantin Meuniers Hafenarbeiter an der Friedensbrücke ist ein gutes Beispiel, wie solche Aktionen gelingen, ohne dass etwas zerstört wird.

          Wie stehen Sie zum Thema Graffiti?

          Grundsätzlich sind wir gegenüber allen Formen der zeitgenössischen Kunst aufgeschlossen. Natürlich muss zwischen Street-art und dumpfer Schmiererei unterschieden werden. Gerade das Thema Graffiti-Kunst ist hoch komplex und eine Auseinandersetzung damit darum auch so lohnenswert. Was illegal auf eine S-Bahn gesprüht wurde, kann aus künstlerischer Sicht genial sein, ist aber trotzdem Sachbeschädigung, und was als Auftragsarbeit legal auf einer Wand im öffentlichen Raum prangt, muss nicht künstlerisch wertvoll sein. Darum plädieren wir als Kulturamt für eine reflektierte und differenzierte Betrachtungsweise.

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