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Ginnheimer Spargel : Vage Perspektive für Öffnung des Fernsehturms

  • -Aktualisiert am

Wahrzeichen mit Strahlkraft: Aber seit zwei Jahrzehnten geschlossen. Bild: dpa

Seit zwei Jahrzehnten ist er streng verschlossen, nun aber gibt es Pläne für den „Ginnheimer Spargel“. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sucht Investoren für eine Neugestaltung des Frankfurter Turms.

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          Manche Bürger lästern über „Frankfurts höchsten Leerstand“, doch die Telekom-Tochter Deutsche Funkturm GmbH hält den „Ginnheimer Spargel“ seit zwei Jahrzehnten streng verschlossen. Außer Technikern hat die Eigentümerin des 331 Meter hohen Funkturms seit der Schließung von Restaurant und Disco im Jahr 1999 so gut wie niemandem mehr Eintritt gewährt. Zumindest galt das bis vor wenigen Tagen. Ganz plötzlich gibt sich das Unternehmen nun aufgeschlossener, kann sich Ausflügler, Restaurantbesucher oder Partygäste in der Kanzel des Turms vorstellen – vorausgesetzt, jemand anderes finanziert den Umbau und den vermutlich defizitären Betrieb.

          Inga Janović

          Wirtschaftsredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mit diesen Neuigkeiten ist der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) dieser Tage von seinem Turmbesuch zurückgekehrt. Er hatte sich mit Vertretern der Funkturm GmbH getroffen, um sich ein Bild davon zu machen, wie es in der 227 Meter hoch gelegenen Kanzel heute aussieht. Man habe ein Hintergrundgespräch geführt, sagt ein Sprecher der Eigentümer-Gesellschaft. Mit von der Partie war bei diesem Gespräch auch ein Fernsehteam des Hessischen Rundfunks. „Es wäre großartig, wenn es uns gelänge, dieses Frankfurter Wahrzeichen wieder allen Frankfurtern zugänglich zu machen“, sagte Feldmann und gibt sich zuversichtlich, dass sich Geldgeber finden lassen, denen die Wiederöffnung des Wahrzeichens, das für viele Frankfurter ein Inbegriff von Heimat sei, einige Millionen Euro wert sind.

          Leerstand: Seit 1999 ist die Kanzel des Turms nicht mehr zugänglich.

          „Das ist kein PR-Gag“, versichert Planungsdezernent und Parteifreund Mike Josef mit Blick auf Feldmanns Vorstoß. Viele Frankfurter wünschten sich seit Jahren eine Revitalisierung. „Die Wiedereröffnung des Turms würde gut zur zukünftigen Entwicklung seines Umfelds passen“, so Josef weiter. In den nächsten Jahren modernisiert und vergrößert die am Fuße des Turms ansässige Bundesbank ihr Gebäude, nebenan steigt die Bewohnerzahl der Platensiedlung durch Aufstockung der Bestandsgebäude um mehrere hundert. Und die geplante Verlängerung der U-Bahn-Linie 4 würde den Europaturm, wie er offiziell heißt, noch besser an die Stadt anbinden. Entscheidend seien letztlich aber genau die Punkte, die einst zur Schließung des 1979 fertiggestellten Turms geführt hatten: der Brandschutz und die wirtschaftliche Rentabilität. Die Stadt mache sich Gedanken über ein zukunftsfähiges Konzept für das Bauwerk, sagte Josef.

          Diverse Möglichkeiten für Investitionen

          Darauf wartet nun auch die Eigentümerin. „Unsere Priorität ist die Aufrechterhaltung des Funkbetriebs. Aber sollten es weitere Möglichkeiten geben, unterstützen wir das gerne“, sagte deren Sprecher. Immerhin drei der sechs Etagen in der Kanzel, die an ihrer breitesten Stelle einen Durchmesser von 59 Metern hat, stehen derzeit leer. Dort waren früher eine Discothek, ein Restaurant und Büros untergebracht. Auch Antennenplattformen, also Außenterrassen, könnten nutzbar gemacht werden. Vorstellbar, so der Sprecher, sei vieles. In jedem Fall gelegentliche Führungen, bei entsprechendem Umbau auch die Wiederaufnahme des früheren Besucherbetriebs – aber nichts davon könne auf Kosten der Eigentümerin gehen. Wie viel Geld ein privater oder öffentlicher Investor aufbringen müsste, sei völlig offen.

          Ganz so überraschend, wie es scheinen mag, kommt die Wiederentdeckung des Turms übrigens nicht. In Hamburg und Dresden gibt es schon konkrete Pläne, die dortigen Fernsehtürme als öffentliche Orte wiederzuleben. Das kostet in der Hansestadt, die bereits nach einem Betreiber sucht, rund 37 Millionen Euro und in Dresden 25 Millionen Euro. In beiden Fällen beteiligt sich der Bund, indem er etwa die Hälfte der Kosten übernimmt.

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