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Eintracht Frankfurt : Kadlec im Versuchslabor

  • -Aktualisiert am

Verzwickte Lage: Die Situation von Vaclav Kadlec bei der Eintracht ist kompliziert. Bild: Heiko Rhode

In der Hierarchie der Eintracht-Stürmer ist der Tscheche ans Ende gerutscht. Nun testet ihn Trainer Armin Veh auf der linken Außenbahn – mit ungewissen Aussichten.

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          Wer nichts sagt, macht nichts verkehrt. Das wird sich Vaclav Kadlec am Donnerstag in kluger Absicht gedacht haben. Jedenfalls schüttelte der Offensivspieler der Frankfurter Eintracht energisch den Kopf, als er von den Medienvertretern gebeten wurde, ein paar Fragen zu beantworten. Nachdem das Geheimtraining beendet war, war Kadlec an der Weltmeisterschaftsarena auf dem Weg zurück zum Kabinentrakt. Nun bleibt es sein Geheimnis, wie es ihm geht und was er denkt. Aber voller Optimismus über seine Perspektiven bei der Eintracht wird der Tscheche nicht sein. Wahrscheinlich ist er ziemlich desillusioniert. Eingeholt von der für ihn traurigen sportlichen Wirklichkeit. Beim 1:2 in Wolfsburg durfte Kadlec selbst als Einwechselspieler nicht mithelfen, den Rückstand wettzumachen. Trainer Armin Veh vertraute in dieser Situation den hoffnungsvollen Nachwuchsspielern Joel Gerezgiher und Luca Waldschmidt. Für den Bankdrücker Kadlec muss das wieder ein Schlag ins Gesicht gewesen sein. In der Stürmerhierarchie scheint er aktuell an letzter Stelle zu stehen.

          Vielleicht gibt es jetzt einen Ausweg für ihn. Neue Position, neues Glück? Das ist seine Hoffnung. In den vergangenen beiden Tagen testete Veh Kadlec im Training auf der linken Außenbahn. Dort hat der Cheftrainer die Ideallösung noch nicht gefunden. Deshalb gleicht die Position momentan einem Versuchslabor. Takashi Inui könnte mit zwei schwachen Spielen im Pokal beim Bremer SV (3:0) und in Wolfsburg seine Chance vertan haben. Auch der Japaner, für den sich Espanyol Barcelona interessieren soll, schwieg zwei Tage vor dem Heimspiel an diesem Samstag (15.30 Uhr) gegen den FC Augsburg. „Kein Deutsch“, sagte er nur auf Nachfrage. Das Thema ist offenbar zu heikel.

          Kadlec wurde „immer wieder zurückgeworfen“

          Für Kadlec könnte es aber die Chance sein. In der U 21 seines Heimatlands spielte er oft auf dieser Position. Im Training in Frankfurt zeigte er nun gute Ansätze. Die Frage ist, ob das genügt. Mit Macht aufdrängen konnte er sich bisher nicht. „Vaclav hat Potential“, sagt Sportdirektor Bruno Hübner. Doch es sieht danach aus, als würde Kadlec in Frankfurt sein Glück nicht finden.

          Nach der Ausleihe in der Vorsaison zu Sparta Prag verletzte er sich im Sommer bei der U-21-EM. So nahm er mit Verspätung die Saisonvorbereitung auf. Dann machte ihm noch eine fiebrige Erkältung zu schaffen. „Er ist immer wieder zurückgeworfen worden“, sagt Hübner. Trotzdem hat sich Kadlec nicht hängenlassen.

          Wechsel von Großkreutz übersteigt Eintrachts Budget

          Mit seinem Einsatz ist Veh zufrieden. Überdurchschnittliche Leistungen bot ihm der Spieler jedoch nicht an. Damit gab es für Veh auch keinen Grund, ihn aufstellen zu müssen. Für das Augsburg-Spiel konkurriert Kadlec außerdem mit Waldschmidt und Gerezgiher. „Die Position ist umkämpft“, sagte Waldschmidt am Donnerstag. Dass mit dem Dortmunder Kevin Großkreutz demnächst ein neuer Kandidat dazukommen wird, ist nicht sehr wahrscheinlich. Nach jetzigem Stand könnten die Frankfurter den Wechsel nicht finanzieren.

          Die Eintracht nicht verlassen will Slobodan Medojevic – und das, obwohl er in Wolfsburg nicht zum Kader gehörte. „Es ist eine ganz schwierige Situation“, sagte der Mittelfeldspieler dieser Zeitung. „Aber ich will mich hier durchsetzen.“ Den Gedanken, den Serben auf der Rechtsverteidigerposition spielen zu lassen, hat Veh wieder aufgegeben. Bleibt für Medojevic als Betätigungsfeld die Sechserposition. Hier stehen aber Stefan Reinartz, Marco Russ, Makoto Hasebe und Johannes Flum in der Hierarchie vor ihm. Für den ehemaligen Wolfsburger Profi dürfte es ein langer Weg in die Mannschaft werden.

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