https://www.faz.net/-gzg-9rzd2

Tradition eines Bildermachers : Auf Platte gebannt

Zurück in die Zukunft: Fotograf Uwe Behrendt in seinem Atelier. Bild: Helmut Fricke

Der Frankfurter Fotograf Uwe Behrendt hat sich auf die historische Nassplatten-Technik spezialisiert. Das analoge Verfahren erfordert viel Geduld und ist kostenintensiv. Warum all der Aufwand, wenn die Aufnahmen letztlich digitalisiert werden?

          3 Min.

          Uwe Behrendt ist ein Bildermacher. Wenn der Frankfurter Fotograf einen Menschen porträtiert, drückt er nicht einfach nur den Auslöser einer Kamera. Behrendt nimmt eine Glasplatte und verteilt auf dieser eine Lösung aus Kollodium und Silbernitrat. In ihrem feuchten Zustand ist die Platte für einige Minuten lichtempfindlich und kann in einer Großformatkamera belichtet werden. Gleich nach der Belichtung muss die noch feuchte Platte in spezielle Entwickler- und Fixierbäder getaucht werden, und vor dem Auge des Betrachters entsteht allmählich ein Bild. Der Effekt mag an ein Polaroid erinnern, doch das Resultat ist ein ganz anderes. Die Auflösung steht einem Foto, das mit einer heutigen Megapixelkamera aufgenommen worden ist, in nichts nach, doch die Anmutung von Behrendts Porträts weist in eine vergangene Zeit.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Diese Aura ist gewollt, bedient Behrendt sich doch einer Fotografietechnik aus dem 19. Jahrhundert. Nassplatten-Fotografie oder Collodion Wet Plate Photography nennt sich dieses Verfahren, das im Jahr 1851 von dem englischen Bildhauer und Fotopionier Fredrick Scott Archer erfunden worden war und die damals gebräuchliche Daguerreotypie revolutionierte. Die neue Technik war schneller, erforderte eine kürzere Belichtungszeit und war außerdem gesünder für die Ausführenden. Kamen bei der Entwicklung einer Daguerreotypie Quecksilberdämpfe und Zyankali zum Einsatz, ist die Arbeit mit Nassplatten weitaus weniger gesundheitsgefährdend. Hier kommt es auf die Gewandtheit und die Geschicklichkeit, aber auch den Langmut des Fotografen an. „Entweder wird die Aufnahme bei diesem Verfahren etwas oder eben gar nichts. Ein Dazwischen gibt es nicht“, sagt Behrendt und nennt gleich noch zwei wesentliche Komponenten für die Beschäftigung mit der alten Technik: „Geduld sollte man schon mitbringen und sich auch bewusst sein, dass diese Art der Fotografie ins Geld gehen kann. Ein einzelnes Bild dauert mindestens ein bis zwei Stunden. Und die Chemikalien, vor allem das Silbernitrat, sind nicht billig und müssen jeweils angemischt werden.“

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : Neu

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. Digital – Jubiläumsangebot!

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Besuch in Malvern Link : Morgandämmerung

          Er sieht aus wie vor mehr als 80 Jahren, doch steht der jüngst vorgestellte Morgan Plus Six für den Beginn einer neuen Zeit. Aber keine Sorge: Moderne Autos werden die Kerle in Malvern Link auch künftig nicht bauen.
          Präsident Erdogan erklärt sich gegenüber Journalisten.

          Nahe Izmir : Krieg in Syrien gefährdet VW-Werk in der Türkei

          Eigentlich war die Sache in trockenen Tüchern, nahe Izmir wollte VW sein erstes türkisches Pkw-Werk errichten. Doch weil Erdogans Truppen in Nordsyrien einmarschiert sind und dort die Kurden bekämpfen, wachsen die Zweifel an der Standortentscheidung.