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Usinger Land : Feuerwehrauflösung als heißes Thema

Richtungsfrage: Im Neu-Anspacher Stadtteil Westerfeld herrscht wenig Begeisterung über den Vorschlag, die freiwillige Feuerwehr zu fusionieren Bild: Eilmes, Wolfgang

In Neu-Anspach im Usinger Land stößt der geplante Zusammenschluss freiwilliger Wehren auf Widerspruch und Ärger in den Stadtteilen.

          Seit fünfeinhalb Jahren ist Neu-Anspach Stadt und Westerfeld deshalb kein Ortsteil der Gemeinde mehr, sondern ein Stadtteil. Ein Verkehrskreisel und die Gewerbegebiete haben das einstige Dorf auch optisch an Anspach und die neuen Viertel der Wachstumskommune heranrücken lassen. In Westerfeld prägen ebenfalls neue Häuser den Ortseingang. Der Einschnitt ins Gemeinschaftsleben, den der Neu-Anspacher Bürgermeister Klaus Hoffmann (CDU) jetzt angekündigt hat, ist allerdings von außen nicht sichtbar. Hoffmann will die Freiwillige Feuerwehr Westerfeld auflösen.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Deren erforderliche Stärke liegt bei 18 Wehrleuten: neun Einsatzkräfte und eine hundertprozentige Ausfallreserve. Das erreicht die Westerfelder Wehr nach vielen Bemühungen um Verstärkung zwar gerade so. „Die Hälfte der Wehrleute kommt aber aus anderen Stadtteilen, und drei sind erst 17 Jahre alt“, sagt Hoffmann.

          Eine „Unverschämtheit“

          Seit längerem rückt deshalb bei Alarm immer die Anspacher Feuerwehr mit aus. Diese Doppelung kann sich die Stadt nach Ansicht des Bürgermeisters nicht mehr leisten. Die Zehn-Minuten-Hilfsfrist sei auch ohne die Westerfelder Feuerwehr aufrechtzuerhalten. Darüber habe er sich mit Kreisbrandinspektor Carsten Lauer abgestimmt. Ob Westerfeld, wie von ihm vorgeschlagen, mit Anspach oder mit Hausen oder Rod am Berg fusioniere, sei letztlich Sache der Feuerwehren. Die Entscheidung über die Zusammenlegung sollten die städtischen Gremien nach dem Sommer treffen, wenn der Bedarfs- und Entwicklungsplan für die Wehren auf der Tagesordnung stehe.

          Hoffmann rechnet mit Zustimmung der Fraktionen. „Sonst hätte ich diesen Schritt nicht gewagt.“ Der Vorsitzende des Westerbacher Feuerwehrvereins, Thomas Steinmetz, spricht dennoch von einem Alleingang des Bürgermeisters. Es sei eine „Unverschämtheit“ von Hoffmann gewesen, die für vergangenen Freitag angesetzte Hauptversammlung zu einer nichtöffentlichen Dienstversammlung zu machen und darin seine Pläne zu verkünden. „Eigentlich verfolgt er nur die Absicht, den Standort zu schließen.“

          „Fusion kann sinnvoll sein“

          Den Eindruck, es gehe vor allem ums Geld, findet auch Norbert Fischer (CDU) fatal. Der Erste Stadtrat von Friedrichsdorf ist als Vorsitzender des Bezirksverbands Nassau Mitglied im Präsidium des Landesfeuerwehrverbands. „Eine Fusion kann sinnvoll sein, aber sie muss von den beteiligten Feuerwehren gewollt sein“, sagt Fischer. Das Kostenargument passe nicht zum freiwilligen Engagement. Er kann sich an den letzten Zusammenschluss im Hochtaunus erinnern: 1986 sei die Schönberger Wehr der von Kronberg angegliedert worden.

          Aus brandschutzfachlicher Sicht, so bestätigt Kreisbrandinspektor Lauer, sei die Fusion der Westerfelder Wehr mit der Anspacher möglich. Kaum irgendwo gebe es eine so große Überschneidung der Einsatzgebiete wie in Neu-Anspach. Aber nicht nur in dieser Hinsicht sieht er Westerfeld als Einzelfall im Hochtaunuskreis. „Im Unterschied zu anderen Landkreisen haben wir stagnierende oder sogar leicht steigende Mitgliederzahlen, vor allem bei der Jugendfeuerwehr.“ Im Kreis Limburg-Weilburg, der Wetterau oder in Nordhessen sei es schon zu Zusammenschlüssen gekommen. Dass tagsüber die Einsatzstärke nicht mehr erreicht werde, sei hingegen fast überall zu beobachten. „Wohnort und Arbeitsplatz der Wehrleute liegen heute häufig weit auseinander.“ Vor allem in kleineren Orten sind die Feuerwehren oft die entscheidende Institution, die das Gemeinschaftsleben trägt.

          Geldwerte Eigenleistungen

          „Auf die Feuerwehren ist auch bei der Organisation von Festen Verlass“, sagt der Weilroder Bürgermeister Axel Bangert (SPD). In der Gemeinde gibt es in allen 13 Ortsteilen eine eigene Wehr. Zwar sorgt die öffentliche Hand für die teuren Einsatzfahrzeuge. Die Mannschaftstransportwagen aber hätten überall die Fördervereine finanziert. Und für das gerade eröffnete neue Gerätehaus in Riedelbach seien Eigenleistungen der Wehrleute von mehr als 100.000 Euro zusammengekommen.

          Ähnliches berichtet Hauptamtsleiter Heinz-Otto Freiling aus der Feldberggemeinde Schmitten. Die Stützpunkte seien in den vergangenen Jahren reihum von den Feuerwehren überwiegend mit eigener Arbeitskraft saniert worden. Auch deshalb sei eine Auflösung von Wehren in Schmitten kein Thema. In Winden, dem mit gut 170 Einwohnern kleinsten Weilroder Ortsteil, wurde es hingegen kritisch. Mit Werbung von Haustür zu Haustür und einer „Schnupperübung“ ist es nach Worten Bangerts gelungen, drei bis vier neue Freiwillige zu gewinnen. Deshalb sei er zuversichtlich. Allerdings werden in Weilrod immer drei Wehren alarmiert, um tagsüber die nötige Einsatzstärke sicherzustellen.

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