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Urteil im Fall Alexander Falk : Eskalation im Gerichtssaal

Verurteilt: Alexander Falk (rechts) mit seinem Verteidiger bei der Urteilsverkündung Bild: Wonge Bergmann

Der Prozess gegen Alexander Falk war eine Herausforderung. Die Verteidigung hat das Verfahren auf eine Art geführt, die mehr als einmal unter die Gürtellinie ging. Einen Gefallen hat sie ihrem Mandaten damit nicht getan.

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          Vielleicht werden sogar die Richter ein bisschen erleichtert sein, dass die Hauptverhandlung vor dem Frankfurter Landgericht im Fall Alexander Falk endlich vorbei ist. Sie haben zwar schon viel erlebt. Man kann sie, die fast täglich mit Kapitalverbrechen zu tun haben, mit wenig schockieren und ihnen nur schwer etwas vormachen. Aber dieser Prozess war anders. Eine Herausforderung in juristischer, in strafrechtlicher Hinsicht sowieso. Es kommt nicht oft vor, dass die Suche nach der Wahrheit derart mühsam und die Würdigung der Beweise so gegensätzlich und umkämpft ist. Doch der Grund, der die Aufarbeitung des Falles so nervenaufreibend machte, dass sogar der für seine Sachlichkeit bekannte Vorsitzende Richter die Verhandlung unterbrach, um die Ruhe zu bewahren, war ein anderer.

          In der Urteilsbegründung hat der Vorsitzende passende Worte für das gefunden, was im Gerichtssaal jenseits der inhaltlichen Auseinandersetzung an Stimmungsmache ablief. Es hätte Stärke gezeigt, wenn er während des Prozesses häufiger auf diese Weise Falks Anwälte an die Kandare genommen hätte. Ebenso hätte die Staatsanwaltschaft gut daran getan, ihnen die Stirn zu bieten. Aber wer jedes Mal, wenn er eine breite Brust zeigt, als Reaktion eine noch größere Eskalation in einem sowieso schon langwierigen Verfahren erfährt, der entscheidet irgendwann, dass Durchatmen und Zurückhaltung der bessere Weg sind.

          Hysterie und Emotionalität im Verfahren

          Es waren Falks Anwälte, die jene Hysterie und Emotionalität in das Verfahren brachten, die sie den anderen Beteiligten mehr als einmal vorwarfen. Sie ließen den Respekt vor Staatsanwaltschaft und Kammer in einer Weise vermissen, wie es die Frankfurter Justiz lange nicht erlebt hat. Da musste sich der Vorsitzende als „mimosenhaft ausgestattet“ bezeichnen lassen, wurde permanent unterbrochen und sollte sich immer wieder anhören, die Leistung der Richter sei einer Großen Strafkammer nicht würdig. Die Staatsanwaltschaft wurde in einem Ton belehrt und für unfähig erklärt, dass einem graute. Jede Stellungnahme, jeder Antrag wurden mit Spott und Zweifeln an der Kompetenz bedacht.

          Zum Anwaltsteam Falks zählte zudem eine „Medienkanzlei“: Sie verschickte Pressemitteilungen im Stil von Manifesten, die manches Medium eins zu eins übernahm, ohne im Gericht gewesen zu sein. Es gab nicht wenige Momente im Prozess, in denen Journalisten sich unter Druck gesetzt und in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlten durch Methoden dieser Kanzlei.

          Es mag Versäumnisse gegeben haben im Prozess gegen Alexander Falk. Aus Sicht der Verteidigung mag auch manches ungerecht gewesen sein. Aber das rechtfertigt nicht eine Verfahrensführung, die so oft unter die Gürtellinie ging und so persönlich wurde. Auf die Sache fokussierte, inhaltliche Auseinandersetzung sieht anders aus. Die Anwälte haben ihrem Mandanten damit keinen Gefallen getan.

          Anna-Sophia Lang

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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