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Versuchter Totschlag? : Urteil gegen Lastwagenfahrer nach Geisterfahrt

  • Aktualisiert am

Urteil gegen betrunkenen Lastwagenfahrer: Der Mann hat während einer Geisterfahrt mehrere Menschen verletzt. Bild: dpa

Ein betrunkener Lastwagenfahrer in Unterwäsche macht sich auf einem Autobahnrastplatz auf die Fahrt - nur auf der falschen Spur. Bei der Geisterfahrt werden zwei Menschen verletzt. Jetzt sprach ihn ein Gericht schuldig.

          Nach einer Geisterfahrt im Alkoholrausch auf Autobahnen in Südhessen mit zwei Verletzten ist ein Lastwagenfahrer am Freitag zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Darmstadt sah in dem Verhalten des 48 Jahre alte Mann eine Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässige gefährliche Körperverletzung. Mit dem Urteil folgte die Kammer den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Das Urteil ist rechtskräftig.

          Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte am 3. November auf der A67 und A5 zwischen Büttelborn und Zwingenberg mit seinem 40-Tonner als Geisterfahrer auf der Überholspur unterwegs war. Bei einer Kollision wurden eine Autofahrerin und ihr Beifahrer verletzt. Der Autofahrerin muss der Angeklagte 2000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Zudem verlor der Berufskraftfahrer, der bei der Fahrt über 1,5 Promille Alkohol im Blut hatte, seinen Führerschein und darf in Deutschland in den nächsten drei Jahren kein Auto mehr fahren.

          Bei der Geisterfahrt hätten zahlreiche Autofahrer noch ausweichen können und seien mit dem Schrecken davongekommen. Bei Pfungstadt streifte der Sattelschlepper dann aber den Pkw. Dabei wurde auch der Lkw-Tank beschädigt, so dass Diesel auslief. Trotz des Unfalls fuhr der Täter weiter, bis ihn bei Zwingenberg eine Polizeistreife stoppte. In der Kabine fanden die Beamten zwei Whisky-Flaschen, eine leer, eine halb leer. Der Fahrer, der in Unterwäsche festgenommen worden war, saß sieben Monate in Untersuchungshaft.

          Keine Tötungsabsicht

          Der Fall war als versuchter Totschlag angeklagt, aber die Staatsanwaltschaft war nach der Beweisaufnahme nicht mehr von einer Tötungsabsicht ausgegangen. Ein Kfz-Sachverständiger hatte anhand von Videos zeigen können, dass der Fahrer so weit wie möglich am Rand gefahren war und den Gegenverkehr mit Aufblenden warnte. Für einen Wechsel über die Spuren auf den Standstreifen sei der Verkehr zu dicht gewesen, hatte der Gutachter festgestellt. Anhalten auf der Überholspur einer Autobahn sei auch „keine wirkliche Alternative“ gewesen.

          Der Angeklagte hatte am Tatabend eine halbe Flasche Whiskey mit Cola gemischt getrunken, fasste der Vorsitzende Richter Volker Wagner den Ablauf zusammen. Er legte sich um 19.30 Uhr in die Kabine, wachte gegen 22.15 Uhr auf und fuhr los. „Was ihn da umgetrieben hat, weiß nur er selbst“, sagte der Richter. „Aber er war keiner, der sich mit großem Plan auf den Weg gemacht hat“, ergänzte er mit Blick auf den zum Zeitpunkt der Tat nur mit Unterwäsche bekleideten Fahrer.

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