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Urteil zu „Elysium“ : Lange Haftstrafen in Prozess um Kinderpornoplattform

  • Aktualisiert am

„Elysium“: Die Kinderporno-Plattform hatte mehr als 111.000 Nutzerkonten. Bild: dpa

Von Hessen aus ging das Kinderporno-Portal online, das bald schon Zehntausende Mitglieder weltweit hatte. Im Jahr 2017 flog das Treiben auf. Nun wurden Mitglieder der Führungsriege verurteilt.

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          Im Prozess um die Kinderpornographie-Plattform „Elysium“ sind die vier Angeklagten zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Das Landgericht Limburg verhängte gegen die Männer aus Hessen, Baden-Württemberg und Bayern Haftstrafen zwischen knapp vier und knapp zehn Jahren. Sie wurden schuldig gesprochen, die Plattform für den Austausch von kinderpornographischem Material als Bande betrieben beziehungsweise ihren Betrieb unterstützt zu haben. Verurteilt wurden sie unter anderem wegen des öffentlichen Zugänglichmachens sowie des Besitzes von Kinderpornographie.

          Die längste Haftstrafe bekam mit neun Jahren und neun Monaten der 63 Jahre alte Uwe-M. G.; das Gericht verhängte gegen ihn Sicherungsverwahrung. Als erwiesen sah es an, dass er bei „Elysium“ sowie der Vorgängerplattform als Administrator tätig war. Zudem missbrauchte er demnach mehrfach die beiden Kinder eines zwischenzeitlich wegen Missbrauchs verurteilten Manns in Wien schwer sexuell und teilte davon angefertigte Aufnahmen mit Chatpartnern. Der 58 Jahre alte Hauptadministrator und Programmierer von „Elysium“ Joachim P. wurde zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Gericht begründete die vergleichsweise niedrige Strafe damit, dass sich P. geständig gezeigt und an der Aufklärung mitgewirkt habe. Doch äußerte der Richter Marco Schneider auch: „Ohne Sie hätte es ,Elysium‘ nie gegeben.“ Der Verteidiger von P. kündigte Berufung an.

          Die Verurteilten waren weitestgehend geständig

          Frank M., in dessen Autowerkstatt ein Server der Plattform stand und der als Administrator tätig war, wurde zu einer Haftstrafe von acht Jahren verurteilt. Er hatte angegeben, nur mitgemacht zu haben, um belastendes Material über die Szene zu sammeln. Das Gericht folgte dem nicht. Es sah es als erwiesen an, dass er andere zu schwerem sexuellen Missbrauch angestiftet habe. So soll er den mittlerweile verurteilten Haupttäter des Staufener Missbrauchsfalls aufgefordert haben, Bilder einzusenden. Zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten wurde Bernd M. verurteilt. Er soll als Moderator der Plattform tätig gewesen und den Nutzern „Sicherheitshinweise“ zu einem vor Strafverfolgungsbehörden sicheren Surfen gegeben haben.

          Mit den Urteilen ging das Gericht teilweise noch um einige Monate über die von der Staatsanwaltschaft geforderten Haftstrafen hinaus und begründetet das damit, dass es das Ausmaß des Unrechts der beiden Plattformen höher bewerte. Die Verteidigung hatte teilweise auf Freispruch beziehungsweise auf mildere Strafen plädiert. Die Verurteilten hatten die Vorwürfe weitestgehend gestanden. Sie sollen auch bei der Plattform „The Giftbox Exchange“ von Juli 2015 bis Ende 2016 aktiv gewesen sein; von Dezember 2016 an bis zu deren Zerschlagung im Juni 2017 dann bei „Elysium“. Auf beiden Plattformen wurden umfangreich kinderpornographische Bilder und Videos zwischen den Nutzern geteilt. „The Giftbox Exchange“ hatte rund 67000 Nutzer, „Elysium“ mehr als 111000. Letztere gehörte damit zu den größten Kinderpornographie-Plattformen der Welt. Beide waren nur im sogenannten Darknet erreichbar.

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