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Vom Risikogebiet in die Schule : Heikler Wettlauf vor Schulbeginn

Auf in die Schule: Wie sehr der Unterricht unter den Corona-Auflagen leidet, wird sich noch zeigen. Bild: dpa

Offenbacher Lehrkräfte versuchen per Telefon zu verhindern, dass Kinder, die in Corona-Risikogebieten im Urlaub waren, das Virus in Schulen tragen.

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          Die besonders stark vom Migrationshintergrund vieler Einwohner geprägte Bevölkerungsstruktur Offenbachs macht den Schulstart unter Corona-Bedingungen noch etwas schwieriger als anderswo. Denn wie in vielen Städten sind es vor allem Reiserückkehrer aus Risikogebieten, die zu einem immer größeren Teil zu den Neuinfektionen beitragen. Angesichts dessen haben die Stadt Offenbach und das staatliche Schulamt eine Telefonaktion beschlossen: Seit Donnerstag versuchen Lehrer der 28 Offenbacher Schulen, die Eltern von alles in allem 14.457 Schülern zu erreichen und sie zu fragen, ob sie denn womöglich in einem Risikogebiet ihre Ferien verbracht haben. Im Gespräch sollen die Lehrkräfte dann auf die geltenden Regeln für Rückkehrer aus Risikogebieten hinweisen, also auf die Testpflicht, auf die Notwendigkeit der Quarantäne und auf die Pflicht, sich beim Gesundheitsamt anzumelden, wie Susanne Meißner, Leiterin des Staatlichen Schulamts für die Stadt und den Kreis Offenbach, am Freitag erläuterte.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Die Stadt fährt zwar seit Wochen eine mehrsprachige Informationskampagne mit Handzetteln, Plakaten und dergleichen. Man ist sich aber auch bewusst, dass damit nur ein Teil der Reiserückkehrer aus Corona-Krisengebieten zu erreichen ist. Deshalb unterstützt die Stadt auch die Schulverwaltung nach Kräften. Sie ist aber genaugenommen lediglich dafür zuständig, die Räume für den Unterricht zur Verfügung zu stellen. Alles andere liegt in der Verantwortung des Schulamtes und der Kultusbürokratie in Wiesbaden.

          Kulanz bei Verstößen gegen die Corona-Regeln

          Da es erst einmal darum geht, eine möglichst hohe Zahl von Offenbacher Bürgern dazu zu bringen, ihr Urlaubsziel überhaupt korrekt anzugeben, hat der Verwaltungsstab der Stadt, dem der Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) und die Hauptamtlichen Dezernenten Peter Freier (CDU), Sabine Groß (Die Grünen) sowie Paul-Gerhard Weiß (FDP) angehören, beschlossen, die vorgesehenen, durchaus erheblichen Sanktionen bei Verletzung der Corona-Regeln zum Schulstart erst einmal nicht anzuwenden. Das gilt nach Angaben der Stadt aber nur für diejenigen, die nach dem Hinweis der Lehrkräfte selbst der Pflicht nachkommen, sich beim Gesundheitsamt zu melden. Der Stab stellte allerdings am Freitag zugleich klar, dass es diese Kulanz nicht mehr gebe, wenn später durch neue Infektionen zutage träte, dass sich Reiserückkehrer nicht in Quarantäne begeben, keinen Test gemacht und sich nicht gemeldet hätten. In diesem Fall habe jeder mit einem Bußgeld von bis zu 25.000 Euro zu rechnen.

          Um das Restrisiko durch Rückkehrer aus solchen Gebieten zusätzlich zu reduzieren, werden die Kinder am Montag in Offenbach ausnahmsweise auch im Unterricht noch eine Maske tragen. „Wir können nur versuchen, das Risiko zu minimieren. Ganz auszuschließen ist das Infektionsrisiko nicht“, sagte ein Sprecher der Stadt. Das Schulamt selbst gibt an, die Schulleitungen bereits in den vergangenen Wochen umfassend informiert und mehrsprachiges Informationsmaterial auch in digitaler Form zur Verfügung gestellt zu haben, um es an die Zielgruppen zu verteilen. Ungeachtet dessen ist aus Pädagogenkreisen in Offenbach zu hören, dass es womöglich sinnvoll wäre, den Schulstart aus Sicherheitsgründen zu verschieben. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen plädiert vor dem Schulstart am Montag weiter dafür, die Abstandsregel von mindestens 1,50 Metern auch im Unterricht unbedingt einzuhalten, die – neben dem Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes – als ein wichtiges Mittel zur Eindämmung der Pandemie gilt. Kritiker halten der Gewerkschaft vor, dass so eine Rückkehr zum Regelunterricht unmöglich sei, weil schlicht der Platz in den Schulen fehle.

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