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Knietief durch das Wasser : Starke Überschwemmungen im Rhein-Main-Gebiet

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Bild: Facebook

Ein schweres Unwetter hat am Freitagnachmittag für Überschwemmungen in mehreren hessischen Städten gesorgt. Bis zum Abend mussten die Einsatzkräfte zu rund 500 Einsätzen ausrücken.

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          Starke Regenfälle haben im Rhein-Main-Gebiet am Freitagnachmittag in mehreren Gemeinden zu schweren Überschwemmungen und Unwetterschäden geführt. Bis zum Abend mussten die Einsatzkräfte zu rund 500 Einsätzen ausrücken, wie ein Polizeisprecher sagte. Schwerpunkte seien Bad Soden am Taunus, Kelkheim und Liederbach gewesen, wo zahlreiche Keller und auch mehrere Tiefgaragen vollliefen. Auch ein Supermarkt stand nach Polizeiangaben unter Wasser und musste ausgepumpt werden. Durch das Unwetter wurden auch mehrere Bäume entwurzelt, die teils Zufahrtsstraßen blockierten, sagte der Polizeisprecher.

          Besonders großen Schaden hat der Regen in Bad Soden angerichtet, Wohnhäuser und Geschäfte wurden überschwemmt. Die Königsteiner Straße musste zu großen Teilen gesperrt werden.

          In ihrem Trainingsstudio „Körperform“, das in einem Souterrain an der Alleestraße in Bad Soden liegt, habe das Wasser mehr als einen Meter hoch gestanden, berichtete wenig später die Inhaberin Monika Hess. Das Studio sei innerhalb einer Minute hüfthoch vollgelaufen. Mit einem Kollegen und zwei Kunden habe sie sich gerade noch nach draußen retten können, erzählt die Trainerin, die voll des Lobs für die Feuerwehr ist. Die Helfer seien „mit Herzblut“ bei der Sache gewesen, um das Studio mit Schläuchen und Pumpen vom Wasser zu befreien. Nicht ganz so schlimm hat es das italienische Lokal Rocco am Brunnenhof in der Altstadt getroffen. Das Wasser stand zwar auf der Terrasse, aber es stoppt knapp unterhalb der Türschwelle, das Restaurant selbst blieb trocken. Der Keller allerdings lief voll, dort verursachte das Wasser einen Kurzschluss der Stromversorgung.

          Verletzte gab es nach Angaben von Feuerwehr und Polizei in Bad Soden nicht. Allerdings entgingen einige Spaziergänger im Kurpark den schnellen Fluten nur knapp, wie Stadtbrandinspektor Nick-Oliver Kromer erzählte. Ein Polizist habe eine alte Dame im letzten Moment wegziehen können.

          Die Feuerwehr war bis in die Nacht hinein an mehr als einhundert Einsatzstellen aktiv. Die Kanäle hatten die Wassermassen so schnell nicht aufnehmen konnten, diese flossen dann durch die Altstadt und über die Königsteiner Straße. Etwa 150 Helfer von den Feuerwehren Bad Soden und aus Nachbarorten waren laut Kromer mit 50 Fahrzeugen im Einsatz. Unterstützt wurden sie vom Technischen Hilfswerk aus Hofheim und vom Deutschen Roten Kreuz, das die Helfer verpflegte.

          Auch das Freibad ist in Mitleidenschaft gezogen worden. Das schlammige Wasser lief in die Becken, und die Technikzentrale lief voll, so dass das Bad vorerst geschlossen bleiben muss. Die Aufräumarbeiten werden noch das ganze Wochenende dauern, sagte Feuerwehrchef Kromer. Auch in den Stadtteilen Neuenhain und Altenhain kam so viel Regen herunter, dass sich das Wasser staute, besonders in Senken.

          Probleme gab es auch in zwei westlichen Stadtteilen Frankfurts, nachdem der Starkregen im Main-Taunus-Kreis den Liederbach hatte so stark anschwellen lassen, dass er über die Ufer trat, wie die Feuerwehr Frankfurt mitteilte. Dies sorgte an mehreren Stellen für Überflutungen und vollgelaufene Keller. Betroffen davon waren die Stadtteile Unterliederbach und Höchst. Etwa 60 bis 70 Feuerwehrleute hätten an rund 15 Einsatzstellen gearbeitet und dabei Sandsäcke geschichtet, Angeschwemmtes entfernt, Wasser aus Kellern gepumpt und betroffenen Bewohnern der anliegenden Häuser geholfen. Verletzt wurde den Angaben zufolge niemand, über die Höhe der Schäden könnten keine näheren Angaben gemacht werden, hieß es.

          Starke Regenfälle haben die Becken des Bad Sodener Freibads überlaufen lassen. Bilderstrecke
          Überschwemmungen in Rhein-Main : Bad Soden steht unter Wasser

          Betroffen waren zudem die Bischof-Neumann-Schule in Königstein sowie Industriebauten, in denen Stromverteiler geflutet worden seien. 350 Wehrleute aus allen Städten und Gemeinden waren im Einsatz. Sie sammelten sich an der Stierstädter Heide in Oberursel und wurden von dort abgerufen.

          Im Hochtaunuskreis lag der Schwerpunkt der Einsätze durch den heftigen Regen in Kronberg und Königstein. In den beiden Städten wurde die Feuerwehr zu 200 Einsätzen gerufen. In den Kellern habe das Wasser zwischen 50 Zentimeter und 1,5 Meter hoch gestanden, sagte Feuerwehrsprecher Norbert Fischer. Unter Wasser stand auch die Rettungswache des Roten Kreuzes in Königstein, wodurch ein Rettungswagen unbrauchbar wurde.

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