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Frankfurter Immobilienmarkt : Unverdrossene Prognostiker

Richtig teuer! Wer direkt am Main mit Blick auf die Frankfurter Skyline wohnen will, muss einen ziemlich hohen Preis zahlen. Bild: dpa

Werden die Wohnungspreise sinken oder gar noch weiter steigen? Besonders in der Frankfurter Innenstadt gilt der Immobilienmarkt bereits als überhitzt. Prognosen zum vermeintlich erreichten Höchststand werden dennoch immer wieder übertroffen.

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          Ein Königreich für eine Glaskugel! Wer mit dem Gedanken spielt, eine Wohnung zu kaufen, wüsste liebend gern, ob es sich lohnt, noch zu warten, bis die Preise womöglich im Jahr 2021 wieder sinken. Oder ob er besser heute als morgen zugreifen sollte.

          Wieder einmal wurde am Donnerstag verkündet, dass sich die Immobilienpreise in Frankfurt ihrem Höchststand annähern. Diesmal lässt sich der Vorsitzende des Gutachterausschusses mit der Aussage zitieren, dass sich der Preisanstieg in den nächsten Jahren abschwächen wird. Wer als Bauträger auf permanente Preissteigerungen von mehr als zehn Prozent im Jahr vertraue, gehe ein erhebliches Risiko ein. Der Markt in der Frankfurter Innenstadt sei schon heute überhitzt.

          Beeinflussung der Marktentwicklung oder ernstzunehmende Prognose?

          Dass die Wohnungspreise tatsächlich ihren Zenit erreicht haben und wieder sinken könnten, ist zu schön, um wahr zu sein. Womöglich handelt es sich bei dieser These ja nur um den Versuch eines Beamten der Stadt Frankfurt, die Marktentwicklung zu beeinflussen. Die Bevölkerung leidet schließlich unter den hohen Wohnungspreisen und mit ihr auch die Politik, die mit immer neuen Instrumenten nach Entlastung für den angespannten Wohnungsmarkt sucht. Dass eine solche Aussage aber zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird, ist unwahrscheinlich.

          Denn schon seit Jahren hört man von Immobilienprofis dieselbe Mär: Noch teurer könne es auf dem Frankfurter Markt nun wirklich nicht mehr werden. Und dann steigen die Preise doch wieder Jahr für Jahr. Die Wahrheit ist: Wer vor zehn Jahren eine Wohnung gekauft hat, ist heute ein gemachter Mann beziehungsweise Frau. Wie wäre es deshalb, einfach einmal ein paar Jahre auf Prognosen zu verzichten und den Blick in die Zukunft den Wahrsagern zu überlassen? Die haben Glaskugeln, können Karten legen und aus Händen lesen. Auf deren Prognosen würde man sein Geld ja auch nicht verwetten.

          Die Preise steigen derweil munter weiter. In der Not reduzieren Kaufinteressenten ihre Wünsche und greifen zu kleineren Wohnungen. Die können sie mit ihrer Familie zwar nicht selbst nutzen, aber bis zur Rente vermieten. Um den Kredit wieder einzuspielen, werden sie zu Miethaien wider Willen. Es ist ein Teufelskreis.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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