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Untreuverdacht : Früherer EBS-Präsident Jahns kommt vor Gericht

Unter Verdacht: Gegen den ehemaligen EBS-Chef Christopher Jahns wird nun ein Verfahren eingeleitet. Bild: dapd

Christopher Jahns, der frühere Präsident der EBS Universität für Wirtschaft und Recht, muss sich in öffentlicher Hauptverhandlung wegen des Vorwurfs der Untreue verantworten

          Christopher Jahns, der frühere Präsident der EBS Universität für Wirtschaft und Recht, muss sich in öffentlicher Hauptverhandlung wegen des Vorwurfs der Untreue verantworten. Wie der Sprecher des Landgerichts am Mittwoch mitteilte, hat die Wirtschaftsstrafkammer die Anklage der Staatsanwaltschaft ohne Einschränkungen zugelassen und das Hauptverfahren eröffnet.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Beanstandet werden vier Rechnungen in einer Gesamthöhe von 180.000 Euro, die Jahns im Zeitraum von Juli 2009 bis Ende 2010 eigenmächtig und unberechtigt als Manager der Firma BrainNet ausgestellt und als Präsident der EBS beglichen haben soll. Darüber hinaus wird ihm zur Last gelegt, in 52 Fällen sein Dienstfahrzeug und den bei der EBS beschäftigten Fahrer für private Zwecke eingesetzt zu haben.

          Formaljuristisch argumentiert

          Der 43 Jahre alte Wirtschaftsprofessor zeigte sich am Mittwoch überrascht. Angesichts der Beweismittel halte er die Vorwürfe für „völlig unberechtigt“, erklärte sein Sprecher Dirk Metz. „Er wird weiter um sein Ansehen kämpfen und alles tun, um in öffentlicher Hauptverhandlung die Vorwürfe zu entkräften und das Gericht von seiner Unschuld zu überzeugen.“ Wie berichtet, war Jahns im April 2011 wegen des Untreuevorwurfs vorübergehend festgenommen worden. Anschließend hatte die EBS acht Kündigungen gegen ihn ausgesprochen. Der Ökonom, der bis heute arbeitslos ist, hat von Anfang an beteuert, das Opfer einer Intrige zu sein, die zwei Beschäftigte der EBS „aus Hass“ gegen ihn gesponnen hätten. Er führt sieben Mitarbeiter der Firma BrainNet ins Feld. Sie haben nach eigenem Bekunden 133,5 Arbeitstage für die vier Rechnungen aufgewandt und können eine Reihe von Dokumenten vorlegen.

          Jahns glaubt außerdem nachweisen zu können, dass Steuerberater der EBS den Auftrag gehabt hätten, die private Nutzung von Dienstwagen und Fahrer zu regeln. Die EBS argumentiert formaljuristisch. Zu einer definitiven Vereinbarung sei es nicht gekommen.

          Beschuldigter hätte sich schriftlich äußern können

          Die Verteidiger des Beschuldigten haben Oberstaatsanwältin Gabriele Türmer mehrfach einseitige Ermittlungen und schwerwiegende Rechtsverletzungen vorgeworfen. Sie bemängelten beispielsweise, dass Jahns schon im Frühjahr 2011 darum gebeten habe, vernommen zu werden. Aber erst im Januar 2012 sei es dazu gekommen.

          Die Staatsanwaltschaft entgegnet, dass der Beschuldigte sich jederzeit hätte schriftlich äußern können. Unbestritten ist, dass die Staatsanwaltschaft sich im April 2012 öffentlich zu der Anklage äußerte, noch bevor sie dem Beschuldigten vorlag. Diese und andere Vorfälle haben Jahns’ Anwälte zum Gegenstand einer Klage gegen das Land Hessen gemacht, mit der sie Schmerzensgeld verlangen.

          Womöglich langes Verfahren

          Von der Erhebung der Anklage bis zur Eröffnung des Hauptverfahrens sei relativ viel Zeit vergangen, sagte der Sprecher des Landgerichts gestern. Dies habe auch daran gelegen, dass Jahns’ Anwälte mit Schriftsätzen in einem Gesamtumfang von rund 300 Seiten umfassend Stellung genommen hätten.

          Das Zwischenverfahren hatte in den Händen des Vorsitzenden Richters der Wirtschaftstrafkammer, Jürgen Bonk, gelegen. Er wird auch das Hauptverfahren leiten. Es könne grundsätzlich nach wenigen Sitzungen beendet sein, meinte der Sprecher des Landgerichts, sich aber auch monatelang hinziehen. In diesem Fall sei zu vermuten, dass es „eher länger als kürzer“ werde.

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