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Untervermietung : „Home-Sharing“ soll legalisiert werden

Womöglich bald legal: Die Frankfurter Grünen wollen „Home-Sharing“ erlauben. Bild: AFP

Wer seine Wohnung selbst nutzt und für kurze Zeit auf Internetportalen wie Airbnb anbietet, soll dafür keine Genehmigung brauchen. Das wollen die Frankfurter Grünen.

          Es geht ums Detail. Für wie viele Wochen im Jahr darf ein Mieter seine Wohnung auf Internetportalen wie Airbnb anbieten, ohne Ärger mit der Stadtverwaltung zu bekommen? Ist ein professioneller Vermieter von Ferienwohnungen genauso zu behandeln wie ein Privatmann, der seine Wohnung nur befristet an Urlaubsgäste untervermietet? Diese Fragen sollen in einer neuen Satzung geregelt werden, die im Entwurf vorliegt.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Hintergrund ist die Befürchtung, dass Mietwohnungen als Ferienwohnungen genutzt und dem Wohnungsmarkt entzogen werden. Wie berichtet, will die Kommune dies mit einer Satzung steuern und verhindern, dass Mietwohnungen überwiegend für andere Zwecke genutzt werden. Die Untervermietung der eigenen Wohnung an Urlauber wird unter bestimmten Bedingungen legalisiert, aber nur für eine kurze Zeitspanne.

          Antrag bei der Bauaufsicht

          Details der Satzung will die Stadt in einigen Wochen vorstellen. Wer seine Wohnung auf Internetportalen zur Zwischennutzung anbieten wolle, müsse dies künftig bei der Bauaufsicht beantragen, sagt der Sprecher des Planungsdezernats. Offen lässt er, ob es auch Ausnahmen von der Genehmigungspflicht für Ferienwohnungen geben soll. Das sieht zumindest der Landesgesetzgeber so vor. Im Wohnraumaufsichtsgesetz heißt es: „Die Kommunen sollen insbesondere regeln, inwieweit eine kurzzeitige Zwischennutzung bei Abwesenheit des Bewohners sowie die Vermietung eines geringen Teils der selbstgenutzten Wohnung, zum Beispiel im Rahmen von ,Home-Sharing‘-Modellen, von der Genehmigung freigestellt werden.“

          Die Grünen-Fraktion im Römer findet es richtig, dass die Stadt die Vermietung von Ferienwohnungen restriktiv steuern will. Aber sie hat auch Sympathien für „Home-Sharing“-Modelle. „,Home-Sharing‘ ist in der Gesellschaft angekommen“, sagt der Fraktionsvorsitzende Manuel Stock. Die Stadt solle Ausnahmen von der Genehmigungspflicht machen und es unbürokratisch regeln, wenn ein Mieter mit Hauptwohnsitz in Frankfurt seine Wohnung nur für wenige Wochen im Jahr untervermieten wolle. Dadurch würde kein Wohnraum vernichtet, meint Stock.

          Airbnb will faire Regeln

          Das Unternehmen Airbnb spricht sich für „faire Regeln“ aus und wirbt dafür, dass zwischen Privatpersonen, die gelegentlich ihr Zuhause vermieten wollen, und professionellen Vermietern von Ferienwohnungen differenziert wird. „Home-Sharing“ sei nicht mit dem Betrieb von Ferienwohnungen oder der gewerblichen Zimmervermietung gleichzusetzen. „,Home-Sharing‘ ist nicht die Umwandlung von Wohnraum in Ferienwohnungen, da der Eigentümer beziehungsweise Mieter weiterhin die Wohnung bewohnt und in diese nach eigener kurzzeitiger Abwesenheit zurückkehrt“, heißt es in einer Stellungnahme.

          Es sei zeitgemäß und erforderlich, „Home-Sharing“ von einer Genehmigung freizustellen und damit den administrativen Aufwand für Kommunen und Bürger zu minimieren. „Privatpersonen, die ihre Wohnung selbst nutzen und nur gelegentlich vermieten wollen, sollten von einer Genehmigungspflicht befreit werden“, sagt eine Sprecherin.

          1700 Euro Einnahmen pro Jahr

          Im Jahr 2016 hat dem Unternehmen zufolge ein typischer Gastgeber in Hessen über eine bei Airbnb inserierte Wohnung 1700 Euro eingenommen. Airbnb erinnert seine Nutzer jährlich daran, dass diese Einkünfte zu versteuern sind. Die durchschnittliche Unterkunft in Hessen sei 2016 für insgesamt 27 Nächte vermietet worden. Etwa die Hälfte der Unterkünfte auf Airbnb in Hessen wurden für weniger als 30 Nächte gebucht, 80 Prozent für weniger als 90 Nächte.

          Andere Kommunen haben schon Zeiträume definiert, innerhalb derer für eine Untervermietung an Gäste keine Genehmigung nötig ist. In Hamburg darf man seine selbstbewohnte Wohnung 182 Tage im Jahr genehmigungsfrei vermieten, in München acht Wochen. Berlin will den Zeitraum auf 60 Tage eindämmen. Laut einem Urteil des Verwaltungsgerichts müssen „Home-Sharer“ aber auch darüber hinaus eine Genehmigung erhalten, weil sie keinen Wohnraum zweckentfremden. In Frankfurt sollen „wenige Wochen“ erlaubt sein. Ob der Zeitraum überschritten wird, prüft die Bauaufsicht. „Das bleibt unsere Aufgabe“, sagt deren Leiterin Simone Zapke.

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