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Unterstützung der Arbeitgeber : Von zu Hause arbeiten, um die Mutter zu pflegen

Viele der übrigen Kosten könnten sich die Angestellten von der Pflegekasse erstatten lassen, wie Bührmann sagt, so dass die Commerzbank für die Angebote gar nicht so viel Geld in die Hand nehmen muss. „Ein Mitarbeiter, der ausfällt, weil er die Pflege nicht ordentlich mit der Arbeit verbinden kann, kostet uns mehr“, sagt Bührmann. Für die Kinderbetreuung hätten schon mehrere Studien gezeigt, dass die Fehlzeiten der Mitarbeiter sänken.

Die Zahlen sind noch überschaubar

Im Umgang mit pflegenden Mitarbeitern gibt es noch wenig Erfahrung, was auch daran liegt, dass ein Pflegefall in der Familie dem Arbeitgeber nicht mitgeteilt werden muss. So müssen die Personaler mit Schätzungen arbeiten. Bührmann berichtet von Krankenkassen-Studien, wonach sich zehn Prozent aller Deutschen zwischen 25 und 49 um pflegebedürftige Angehörige kümmern. Auf die Belegschaft der Commerzbank umgerechnet wären das laut Bührmann 2500 Beschäftigte.

Dass sich Mitarbeiter mit solchen Schwierigkeiten an ihren Arbeitgeber wenden, muss sich aber erst einspielen. Die Beratung zur Pflege, die die Commerzbank schon bisher angeboten hat, haben 2012 nur 188 Mitarbeiter in ganz Deutschland nachgefragt. Allerdings ist das im Vergleich zu 2011 eine Verdoppelung, wie Bührmann sagt. Und seit die Bank im April ihr Pilotprojekt in der Zentrale gestartet hat, habe sich die Zahl der Anfragen bis Ende Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum abermals verdoppelt. Bührmann geht davon aus, dass die Nachfrage weiter steigen wird, je bekannter die Angebote sind. Denn der Personaler sieht die Belastung für Mitarbeiter, die Angehörige pflegen, noch größer als für jene, die Kinder haben. Auf ein Kind kann man sich neun Monate lang vorbereiten, wenn es da ist, freuen sich alle, und je älter es wird, desto weniger Hilfe braucht es. Bei Pflegefällen ist das anders.

Es wird schon im Vorstellungsgespräch danach gefragt

Wie im Fall von Yvonne Velten von der Taunus-Sparkasse werden Mitarbeiter oft von einem Tag auf den anderen mit Problemen konfrontiert, über die sie sich vorher gar keine Gedanken gemacht haben. Auch hierzu zitiert Bührmann eine Krankenkassenstudie: jeder Zweite, der einen Angehörigen pflegt und parallel arbeitet, fühlt sich demnach dem Burn-out nahe.

Auch die Politik hat darauf reagiert, seit Anfang des Jahres gilt das Familienpflegezeitgesetz. Es sieht vor, dass ein Angestellter für die Pflege eines nahen Angehörigen bis zu 24 Monate seine Arbeitszeit auf die Hälfte reduzieren kann und weiterhin 75 Prozent seines Gehalts bekommt. Wenn der Mitarbeiter im Anschluss an die Pflegezeit wieder voll einsteigt, bekommt er dafür eine weitere Zeit lang nur 75 Prozent seines Gehalts. Verpflichtet sind Unternehmen zu so einer Regelung allerdings nicht.

Doch es gibt auch einige verpflichtende Gesetze. Die Taunus-Sparkasse wolle die staatlichen Möglichkeiten künftig stärker nutzen und Mitarbeiter entsprechend beraten, sagt der Vorstandsvorsitzende Oliver Klink. Nicht nur aus Altruismus, vielmehr fragen immer mehr Bewerber in Vorstellungsgesprächen gezielt nach Möglichkeiten, Familie und Beruf in Einklang zu bringen, wie Klink berichtet. Das Kreditinstitut kooperiert mit dem Rind’schen Bürgerstift in Bad Homburg. Hier können Mitarbeiter ihre Angehörigen auch zur Kurzzeitpflege geben, wenn sie zum Beispiel einmal Urlaub machen wollen. „Für Menschen, die zu Hause Angehörige pflegen, heißt Urlaub oft nur, dass sie sich nun 24 Stunden am Tag um sie kümmern“, sagt Klink. Dabei sei der Urlaub wichtig, um neue Energie zu tanken.

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