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Unternehmerin Sylvia Wojczewski : Gen-Schnipsel-Kunden in aller Welt

Von der Doktorandin zur Entrepreneurin: Sylvia Wojczewski führt mit Hüseyin Aygün das Biotech-Unternehmen Biospring in Frankfurt Bild: Eilmes, Wolfgang

Chemie und Pharma sind Männerbranchen, eine Frau wie Sylvia Wojczewski an der Spitze einer Firma gehört folglich zu den Raritäten dieser Wirtschaftszweige.

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          Chemie und Pharma sind Männerbranchen, eine Frau an der Spitze einer Firma gehört folglich zu den Raritäten dieser Wirtschaftszweige. Allein dieser Umstand hebt Sylvia Wojczewski - schwarze Haare, markante Brille, neugieriger Blick - aus der Riege der Unternehmenslenker in der Region heraus. Außerdem zeichnet die an der Goethe-Universität promovierte Chemikerin keineswegs als angestellte Geschäftsführerin der Biospring GmbH mit Sitz in Fechenheim, vielmehr hält sie ebenso Anteile an dem Biotech-Unternehmen wie der zweite Geschäftsführer Hüseyin Aygün. Nicht zuletzt nimmt Biospring als Hersteller von Gen-Schnipseln für Therapie und Diagnostik für sich in Anspruch, Technologieführer zu sein. Der 30-Mann-Betrieb ist nach den Worten der Chefin die einzige Firma dieser Art auf der Welt, die den Kunden ein Komplettangebot unterbreite: von Forschung bis hin zum Markt für therapeutische Gen-Schnipsel.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Den Anstoß, die Firma ins Leben zu rufen, gab Mitte der neunziger Jahre das Bundesforschungsministerium mit dem Bio-Regio-Wettbewerb. Wojczewski erlebte die Phase, in der die Potentiale der als Zukunftsbranche apostrophierten Biotechnologie bundesweit ausgelotet werden sollten, als Doktorandin mit. Zu dieser Zeit muss sie das Unternehmer-Gen längst in sich getragen haben. Anders ist es nicht zu verstehen, wenn sie sagt: „Es hat mich immer schon gereizt, selbst etwas auf die Beine zu stellen.“ Als Kind habe sie lieber einen Kaufmannsladen aufgemacht, als mit Barbiepuppen zu spielen, erzählt die 1970 in Frankfurt geborene Frau. Zudem hat sie sich im Chemiestudium nicht als Vollblutwissenschaftlerin gesehen: „Ich möchte lieber am Markt testen, ob Ideen auch funktionieren.“

          „Bestimmt“, aber auch „demokratisch“

          Dazu passt, dass Hüseyin Aygün sie als „bestimmt“ beschreibt. „Ich weiß, was ich will“, sagt Wojczewski dazu. Außerdem nennt ihr Mitgeschäftsführer sie auch „demokratisch“. Begründung: „Sie hört auf Leute, die bestimmte Sachen besser machen können als sie.“

          Ihre junge Firma verfolgte anfangs zwei Ansätze: wissenschaftliche Ideen für die Forschung zu liefern und Konzepte zu entwickeln, um Geld zu verdienen. Zuerst hat Biospring in kleinem Maßstab Moleküle hergestellt - „so wie andere Firmen auch“. Mit der Zeit suchte sich der Betrieb aber eine Nische und verabschiedete sich aus der Forschung rund um Enzyme für die Chemieindustrie. Geforscht wird bei Biospring aber weiter, allerdings für eigene Belange.

          Das Handy den ganzen Tag aus? Nein!

          Der Erfolg gibt Wojczewski, Aygün und ihren Mitarbeitern recht. Die Firma hat in den vergangenen Jahren stets schwarze Zahlen geschrieben; zuletzt erzielte sie Jahresüberschüsse in Höhe von mittleren sechsstelligen Summen. Dafür müssen aber die Geschäftsführer auch ordentlich ran. Wojczewski tut sich zwar schwer, eine genaue Wochenstundenzahl zu nennen. Doch der Kalauer, ein Selbständiger arbeite selbst und ständig, treffe es schon. „Wenn ein Kunde ein Gespräch am Sonntag haben möchte, macht man das eben.“ Das Handy einen Tag lang auszuschalten kommt für die Chefin nicht in Frage: „Es könnte ein großer Auftrag sein.“ Nicht zuletzt sitzt sie in der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer. Daran schätzt sie, „markante Unternehmerpersönlichkeiten“ zu treffen.

          Wenn sie einmal nicht Unternehmerin ist, sondern einfach nur Sylvia Wojczewski, trifft sie gern Freunde, zum Quatschen. Einmal in der Woche joggt sie: „Das ist ein schöner Aggressionsabbau.“

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