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Unterschiedliche Ansichten : Familie spendet für und gegen die AfD

„Das Gegenteil von dem, wofür ich privat stehe“: Moritz Krawinkel distanziert sich von der Großspende seines Verwandten an die AfD. Bild: Cabrera Rojas, Diana

Eine Familie mit zwei gegensätzlichen Ansichten zum Rechtspopulismus: Weil ein Verwandter 100.000 Euro an die Thüringer AfD gespendet hat, sammelt sein Großneffe jetzt Geld für Projekte gegen Rechts.

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          Gut 20 Jahre lang war Moritz Krawinkel in der Antifa aktiv. Erst mit der Geburt des zweiten Kindes zog sich der Sechsunddreißigjährige, der im Bahnhofsviertel lebt, etwas zurück. Beruflich arbeitet Krawinkel, ein schlanker, ruhiger Mann, der mit weicher Stimme spricht, bei der Hilfs- und Menschenrechtsorganisation „Medico“. Krawinkel steht politisch links. Spricht man ihn auf die AfD an, fällt sein Urteil unmissverständlich kritisch aus. „Die AfD steht für Rassismus und Sexismus, sie ist neoliberal und antisozial. Sie ist auf allen Ebenen das Gegenteil von dem, wofür ich privat stehe“, sagt Krawinkel.

          Martin Ochmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das sehen offensichtlich nicht alle in der Familie so. Ein Großonkel des Sechsunddreißgjährigen, der Berliner Immobilienunternehmer Christian Krawinkel, hat dem Thüringer Landesverband der AfD 100.000 Euro gespendet. Christian Krawinkel war in der Vergangenheit auch in Frankfurt aktiv und mit der „Parkstadt 2000“ der erste Investor am Riedberg.

          Moritz Krawinkel erfuhr von der Großspende seines Großonkels, zu dem er noch nie Kontakt hatte und mit dem er bislang auch nicht über die Spende geredet hat, über den Familienchat. „Mein Bruder hatte das ausgegraben und uns informiert. Das ist einfach nur absurd. Wir sind antirassistisch und antifaschistisch. Und dann spendet einer aus der Familie so viel Geld ausgerechnet an diesen Landesverband“, sagt Krawinkel. Der Thüringer Landesverband der AfD um den Vorsitzenden Björn Höcke gilt als besonders rechts. „Man ist unangenehm berührt, einmal auf persönlicher Ebene, weil es derselbe Name und dieselbe Familie ist, aber auch, weil jemand überhaupt auf diese Idee kommt“, sagt Krawinkel, der nachdem die Spende seines Großonkels publik wurde, auch auf die Namensgleichheit angesprochen wurde.

          Ein Zeichen gegen die AfD

          Die Familie empfinde keine Scham oder habe nicht das Gefühl, dass ihr Name beschmutzt werde. Aber sowohl er als auch sein Bruder, die Tante sowie seine Eltern hätten das Gefühl gehabt, ein Zeichen dagegen setzen zu müssen. „Also nehmen wir den Namen, der auf diese Weise bekannt wurde, als Vehikel und versuchen, etwas Vernünftiges daraus zu machen. Die Familie steht für etwas ganz anderes“, sagt Krawinkel. Auf seine Initiative hin sammelt die Familie jetzt Spenden, mit denen zivilgesellschaftliche Initiativen in Ostdeutschland unterstützt werden sollen. 100.000 Euro sollen über Crowdfunding zusammenkommen. Das Geld soll an den Verein Polylux gehen, der es an verschiedene Initiativen weiterleiten soll. „Diejenigen, die sich in ostdeutschen Kommunen für die Zivilgesellschaft engagieren, sollen wissen, dass sie nicht allein sind. Wir zeigen ihnen, dass ein breites Netzwerk aus ganz Deutschland hinter ihnen steht“, sagt der Verein in seiner Selbstbeschreibung.

          Am Samstagmittag, rund 24 Stunden nach Beginn der Kampagne, waren bereits 14.000 Euro zusammen. „Da sieht man mal, wie viel Geld 100.000 Euro sind“, sagt Krawinkel. Doch er ist guter Dinge, dass noch einiges zusammenkommt. Denn einen prominenten Unterstützer hat die Initiative schon. Der Satiriker Jan Böhmermann hat Krawinkels Spendenaufruf über Twitter weiterverbreitet – und selbst auch 1000 Euro gespendet. Böhmermanns Aufruf hätten 260.000 Nutzer gesehen, die Reichweite sei enorm. Auch bei der Demonstration anlässlich der Ministerpräsidentenwahl von Thomas Kemmerich (FDP) am Samstag in Erfurt, zu der Deutsche Gewerkschaftsbund und das „Unteilbar“-Bündnis aufgerufen hat, soll auf die Spendenaktion von Familie Krawinkel aufmerksam gemacht werden.

          Moritz Krawinkel schüttelt den Kopf. „Das ist alles so vollkommen absurd. Es steht diametral allem entgegen, wofür wir stehen. Uns verbindet nicht mehr als der Name.“

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