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Soziale Start-ups : Unternehmer und Weltverbesserer

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Christian Deiters will die Welt mit seiner ehrenamtlich betriebenen Internetplattform verbessern. Bild: Michael Kretzer

Ob Klimawandel, Flüchtlinge oder Überbevölkerung: Mit seiner Internetplattform will ein junger Unternehmensberater aus Hessen die Welt zu einem besseren Ort machen.

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          Christian Deiters will die Welt verbessern. Mit seiner ehrenamtlich betriebenen Internetplattform www.social-startups.de fördert er soziales Unternehmertum (Social Entrepreneurship), stellt neue Geschäftsideen vor und berät Existenzgründungen. Dass er und sein 25 Personen zählendes Redaktionsteam dabei nicht reich werden, kümmert ihn nicht. Kostendeckung lautet das Ziel.

          „Es gibt so viele drängende Probleme: Klimawandel, Flüchtlinge, demographische Entwicklung, Landflucht, Überbevölkerung, Ausbeutung, Hunger“, sagt der 29 Jahre alte Mann, der für das operative Management zuständig ist. „Wir wollen uns nicht die Taschen voll machen, sondern zur Lösung dieser Probleme mit unseren bescheidenen Möglichkeiten beitragen, Themen in die Öffentlichkeit tragen und an einer Bewusstseinsänderung zugunsten mehr Nachhaltigkeit mitwirken.“

          Als studentisches Projekt gegründet

          Gegründet 2013 aus einem studentischen Projekt, ist die Plattform mittlerweile eine der größten ihrer Art im deutschsprachigen Raum. Die Redakteure haben bisher mehr als 1200 Artikel geschrieben und in diesen Texten rund 850 Social Start-ups vorgestellt.

          Deutlich mehr als 50 Prozent solcher Neugründungen werden nach Erkenntnissen Deiters’ nach kurzer Zeit wieder eingestellt. Ihr Hauptproblem sei der fehlende Bekanntheitsgrad, denn ein Budget für eine ordentliche Öffentlichkeitsarbeit sei meistens nicht vorhanden. An diesem Punkt versuchen er und seine Mitstreiter anzusetzen und Abhilfe zu schaffen. Mit ihrem über die Jahre gewachsenen Netzwerk knüpfen sie Kontakte und schaffen neue Verbindungen. Erfolgreiche Beispiele sozialer Gründungen, die sie bislang begleitet haben, ist etwa Africa Greentec, das sich für Bildung, bezahlbaren und erneuerbaren Strom, sauberes Wasser sowie gesunde Nahrung in Afrika einsetzt. Andere Fälle sind die Crowdfunding-Plattform Bettervest und Social-Bee, das sich für die Integration von Flüchtlingen durch Arbeitsvermittlung einsetzt.

          „Euch gibt es in zwei Monaten nicht mehr“

          Außer Artikeln gibt es auf der Plattform ein Newsmagazin, Interviews, einen Eventkalender und eine kleine Jobbörse. Hinzu kommen in der täglichen Arbeit Präsentationen der eigenen Firma an Universitäten. „In Vorträgen zeige ich Probleme und Möglichkeiten auf, frage aber auch: Habt ihr Lösungen? Ich sehe mich als Katalysator“, erklärt Christian Deiters. Darüber hinaus soll social-startups.de künftig – basierend auf den in den vergangenen fünf Jahren gemachten Erfahrungen – verstärkt Beratungen anbieten. „Das wird nicht kostenlos sein, aber günstig“, verspricht der Weltverbesserer. „Das soll kein Mega-Business werden. Aber wir wollen wachsen und regionaler werden. Und wir streben mehr Professionalisierung an.“

          Organisiert ist alles dezentral und über das Internet. Ein eigener Bürostandort existiert nicht. Jeder Mitarbeiter arbeitet von zu Hause aus und ehrenamtlich. Christian Deiters ist beispielsweise im Hauptberuf in einem Software- und Beratungshaus in Gießen tätig und wohnt in Butzbach. Seinen zeitlichen Aufwand für social-startups.de beziffert er auf etwa zehn Stunden in der Woche. Zusammen mit ihm bilden Ko-Gründer Torsten Schreiber, der aus der Nähe von Darmstadt stammt, Jenny Lorbeer (Cottbus), Dominik Schäfer (Mannheim) und Tamara Schiek (Göttingen) den harten Kern des Teams, das die Abläufe koordiniert. Arbeiten 4.0 sozusagen.

          Schmunzelnd erinnert sich Deiters an die Anfänge. „Euch gibt es in zwei Monaten nicht mehr“, bekam er damals des Öfteren zu hören. Etwas später: „Ihr seid putzig, wir machen die Millionen.“ Aber der Idealist ließ sich nicht von seinem Weg abbringen. „Ich empfinde die Arbeit für social-start-ups.de nicht als Arbeit, sondern ich mache das gerne und weil ich es für richtig halte“, sagt er. „Es ist wie ein Hobby.“

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