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Krematorien für Auschwitz : „Stets gern für Sie beschäftigt“

Arbeit diente hier der Unterwerfung, Ausbeutung und Ermordung von Menschen: das Tor mit dem Schriftzug „Arbeit macht frei“ zum früheren Konzentrationslager Auschwitz. Bild: dpa

Das Unternehmen Topf & Söhne, das die Krematorien für Auschwitz baute, versuchte nach dem Krieg einen Neuanfang in Wiesbaden und Mainz. In Hessens Landeshauptstadt erinnert eine Ausstellung an diese Firma.

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          Ernst Wolfgang Topf war verärgert. „Wenn die Firma Topf etwas in die Hand nimmt“, so schrieb er 1958 etwas holprig an die Mainzer Stadtverwaltung, „dann geschieht dies traditionsgemäß in vorbildlicher Art und Weise und so kann die Firma über spezifische Erfolge auch auf diesem Sonderarbeitsgebiet hinweisen – die Technische Vervollkommnung bezogen auf die Erzielung höchstmöglicher Pietät war das Ziel.“

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Sonderarbeitsgebiet? Als sich der Unternehmens-Chef 13 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg in einem Brief für die Aufträge zu rechtfertigen versuchte, die sein Betrieb während des „Dritten Reiches“ in großer Zahl für die SS ausgeführt hatte, merkte er womöglich nicht einmal, wie sehr er selbst der Sprache der Nationalsozialisten verhaftet war, die Meister darin waren, ihre Verbrechen zu verschleiern. Was das alteingesessene Erfurter Unternehmen Topf & Söhne getan hatte, war allerdings auch nicht leicht auszusprechen. Der Betrieb war über Jahre Produzent und Lieferant der Krematorien für Konzentrationslager wie Auschwitz gewesen. Und zwar mit der gleichen Präzision, mit der zuvor Verbrennungsanlagen für Friedhofsverwaltungen gebaut worden waren, und ohne erkennbare Skrupel, als die SS nach immer mehr Anlagen verlangte, mit denen Leichen in großer Zahl und rasch eingeäschert werden konnten.

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