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Unternehmen Röder aus Büdingen : Zelte für Sotschi

  • -Aktualisiert am

Viel zu gewinnen: Die Büdinger Firma Röder baut in Sotschi Zeltsysteme auf und ab - und macht damit die Hälfte des Vorjahresumsatzes. Bild: dpa

Wenn die Olympischen Spiele eröffnet werden, ist auch das Büdinger Unternehmen Röder dabei. Ihre Aluminiumzelte sind VIP-Bereiche, Küchen oder Orte zum Aufwärmen - für die Firma ein großer Auftrag.

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          „Zelt“ ist eigentlich keine passende Beschreibung für vieles von dem, was das Unternehmen Röder herstellt. Auch wenn es so im vollständigen Namen des Unternehmens heißt: Röder Zeltsysteme und Service AG. Das Einzige, was diese Gebäude bisweilen mit Zelten gemein haben, ist, dass sie wieder abgebaut werden können. „Temporäre Strukturen“, sagt der Vorstandsvorsitzende Rüdiger Blasius, treffe es besser. Das Unternehmen aus Büdingen produziert, vermietet und verkauft solche Bauten weltweit. In ihrer Branche gehört die AG zu den Weltmarktführern. Auch am Aufbau der Olympischen Winterspiele in Sotschi, die heute eröffnet werden, war sie beteiligt. Es war der größten Auftrag seit langem.

          Der Gastwirt Heinrich Röder gründete die Gesellschaft 1959 im Büdinger Ortsteil Wolferborn, wo sie sich heute noch befindet. Röder bewirtete unter anderem auch Veranstaltungen; dafür ließ er Zelte mit Holzgerippe bauen und vermietete sie. Das Geschäft wuchs, aus dem Holz wurde irgendwann Stahl, heute werden die Zelte aus Aluminium hergestellt.

          Zelte in Sotschi für 30 Millionen Euro

          Der Sohn verkaufte das Unternehmen 1994 und gründete einen neuen Zelt-Betrieb, die Röder RTS, die ihren Sitz im Nachbarort hat. In den achtziger Jahren begann das Unternehmen, sich zu internationalisieren. Es gründete Tochtergesellschaften in Großbritannien, Frankreich, Italien und in der Schweiz. Anfang des neuen Jahrtausends expandierte es über die europäischen Grenzen hinaus: Heute besitzt Röder Niederlassungen in China, der Türkei und Russland.

          „Ohne die Tochtergesellschaft in Moskau hätten wir uns das Projekt in Sotschi nicht zugetraut“, sagt Blasius. Das Büro dort habe sich gut entwickelt, so gut wie an allen großen Veranstaltungen in Russland wirke das Unternehmen mit. 190 Zelte, darunter kleine von neun Quadratmetern und große, die 50 mal 110 Meter messen, hat Röder in die Stadt im Kaukasus geliefert. Sie sind zum Beispiel als Küchen, Aufwärmzelte und VIP-Bereiche im Einsatz. Alles in allem haben Material und Dienstleistungen ein Auftragsvolumen von mehr als 30 Millionen Euro. Das entspricht etwa der Hälfte des Jahresumsatzes, der 2012 bei knapp 64 Millionen Euro lag.

          Ein anderes Verständnis von Nachhaltigkeit

          Seit Oktober sind die Mitarbeiter damit beschäftigt gewesen, die Zeltsysteme aufzubauen. Für das Unternehmen, das schon an mehreren Olympischen Spielen teilgenommen hat, seien das die bisher schwierigsten Bedingungen. „Was die Medien berichten, ist natürlich nicht an den Haaren herbeigezogen“, sagt Geschäftsführer Jens Brüggemann. Das größte Problem seien die ständigen Verspätungen. Die Veranstalter hätten sich jedoch auch „Unheimliches“ vorgenommen, meint Blasius. In kurzer Zeit sei dort eine ganze Tourismusregion entstanden. Vor drei Jahren war der Vorstandsvorsitzende zum ersten Mal in Sotschi, jetzt „erkennt man es nicht wieder“.

          Die russischen Gastgeber hätten in dieser Hinsicht ein anderes Verständnis von Nachhaltigkeit, findet Blasius. Er fragt sich aber, ob der Tourismus in Sotschi sich tatsächlich etablieren wird und die Anlagen und Gebäude somit einen langfristigen Nutzen haben. Sinnvoller sei es, bei solchen Großveranstaltungen mehr auf temporäres Bauen zu setzen. „Es gibt andere Möglichkeiten außer Beton“, sagt er.

          Globales Netz für den Zeltbau

          Bei den Sommerspielen in London hätten die Veranstalter sehr darauf geachtet. Ein Trainingsschwimmbad etwa, für das Röder ein Dach beisteuerte, sei später wieder zugeschüttet worden. Größtenteils würden Standardteile verwendet, die stets andernorts wieder in einer neuen Formation zusammengefügt werden könnten. „Was wir machen“, sagt Blasius, „ist eine Option für die Zukunft.“

          Sportveranstaltungen sind der umsatzstärkste Schwerpunkt des Hauses: Formel-1-Rennen und Skiweltcups, Golf- und Tennisturniere. Zu den wichtigsten Kunden gehören außerdem Unternehmen, die zum Beispiel ein Produkt präsentieren oder ein Jubiläum feiern wollen. Häufig liefert Röder die Ausstattung gleich mit. Dafür hat die Firma ein globales Netz von Subunternehmern aufgebaut, die die Zelte dekorieren, beleuchten und klimatisieren.

          Rund drei Viertel des Umsatzes erwirtschaftet Röder mittlerweile im Ausland. Auch die Produktion ist zum Teil ausgelagert. In Büdingen werden hauptsächlich noch große Zeltsysteme hergestellt. Planen und kleinere Zelte fertigen Arbeitskräfte in China und in der Türkei. Das spiegeln auch die Mitarbeiterzahlen wider: von 500 arbeiten etwa 150 am Firmensitz.

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