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Engelbert Strauss : Erfolg dank Sexappeal und Lebensgefühl

Schöner arbeiten: Der sogenannte Workwearstore von Engelbert Strauss am Firmenstandort in Biebergemünd Bild: Rainer Wohlfahrt

Engelbert Strauss aus Biebergemünd steuert mit moderner Arbeitsbekleidung unvermindert auf Expansionskurs. Nahe Schlüchtern wird kräftig investiert.

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          „Oma, guck mal“, plärrt der Knirps durch den ganzen Laden. Auf seiner flott geschnittenen blauen Hose prangt unübersehbar ein weißer Vogel auf rotem Grund. Die Großmutter winkt dem Kleinen, der auf der bunten Spielfläche mit Röhrenrutschbahn herumtobt, flüchtig zu und vertieft sich dann wieder in die nicht minder farbenfrohe Welt der Kinderbekleidung von Engelbert Strauss. Eine grüne Softshelljacke in der Größe des Dreijährigen hängt schon über dem Arm der Dame.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Jetzt fehlen noch die passende Hose und vielleicht eine Mütze dazu. Eigentlich hat sich das Unternehmen mit Stammsitz in Biebergemünd im Main-Kinzig-Kreis auf Arbeitskleidung spezialisiert, doch was für den Handwerker auf dem Bau richtig ist, kann für einen kleinen Rabauken nicht verkehrt sein: wasserabweisende, winddichte und atmungsaktive Kleidung zum Toben im Freien bei fast jedem Wetter.

          Von Yoga bis zur Rückenschule

          „Stark, cool und unverwüstlich“ soll sie sein, verspricht die Werbung. So gibt es in dem großen Verkaufsladen am Stammsitz von Engelbert Strauss in Biebergemünd schon für die Kleinsten – von Kleinkindgröße 98 an – Arbeitshosen und -jacken, Arbeitsschühchen und Arbeitshandschuhe, T-Shirts, Sweatshirts, Regenbekleidung und einiges mehr. Die Idee, einen großen Teil des Sortiments auch in Kindergrößen anzubieten, ist typisch für die Firma Engelbert Strauss. Vor Weihnachten gab es sogar eine Arbeitshose in Pink für kleine Mädchen. Die lief nach den Worten von Henning Strauss so gut, dass sie jetzt dauerhaft ins Sortiment aufgenommen werden soll.

          Henning Strauss leitet zusammen mit seinem Vater Norbert und seinem Bruder Steffen den einst aus einem Besenhandel entstandenen Familienbetrieb. In den Vereinigten Staaten studierte er Betriebswirtschaft und Marketing und ist jetzt zuständig für die Unternehmenskommunikation und die Produktentwicklung. Die amerikanischen Einflüsse, die der 39 Jahre alte Henning Strauss mit nach Biebergemünd brachte, sind nicht zu übersehen. Das fängt schon damit an, dass sich die mehr als 1000 Mitarbeiter am Standort, darunter 40 Auszubildende verschiedener Berufe, vom Chef bis zur Reinigungskraft untereinander duzen.

          Auch die üppigen Ausmaße des kontinuierlich wachsenden Standorts in Biebergemünd spiegeln den amerikanischen Traum von Größe und Erfolg wider. Das gilt vor allem für das vor gut zwei Jahren errichtete „Campus“-Gebäude mit seiner riesigen Freitreppe und seinen großen Glasflächen. Im „Campus“ werden nicht nur Gäste empfangen, hier befinden sich auch die Entwicklungsabteilung, mehrere Seminarräume zur Aus- und Weiterbildung, Fitness-, Kosmetik- und Massagestudios, die die Mitarbeiter gegen günstige Gebühren nutzen können. Auch Gesundheitskurse von Yoga bis zur Rückenschule gibt es.

          Funktional, haltbar und schick

          Ein schickes italienisches Restaurant im Campus ergänzt die allgemeine Kantine. Zweiter großer Gebäudekomplex ist das „Atrium“ mit dem „Flagshipstore“ genannten Verkaufsladen, der Kantine und Logistikflächen. Weitere „Stores“ für „Workwear“, wie Arbeitskleidung auch dank Engelbert Strauss genannt wird, gibt es in Hockenheim, Bergkirchen und Oberhausen. Engelbert Strauss liegt unübersehbar auf Erfolgskurs und dürfte das am stärksten expandierende Unternehmen im Main-Kinzig-Kreis sein. Seit einiger Zeit zählt es auch zu den bekanntesten.

          Immer öfter ist sein Markenzeichen, der weiße Straußenvogel auf rotem Untergrund, auf Arbeitshosen und -jacken, auf Krankenhauskitteln und sonstiger Berufsbekleidung zu sehen. Die hat mit dem üblichen „Blaumann“ längst nicht mehr viel zu tun. Die Kleidung ist nicht nur funktional und haltbar, sondern vor allem schick. Deshalb spricht nichts dagegen, dass sie immer häufiger auch in der Freizeit getragen wird. So dringt das Unternehmen zum Missfallen der Konkurrenz mehr und mehr in den Outdoor-Sektor ein.

          Kleine Schaumanufaktur geplant

          Engelbert Strauss biete mehr als Kleidung an, so Henning Strauss, verkauft würden ein modernes Lebensgefühl, Freizeitkleidung mit einem gewissen Sex-Appeal. Was damit gemeint ist, erschließt sich beim Betrachten des Youtube-Kanals von Engelbert Strauss mit eigenem Pop-Song, moderner geht es kaum. Seit einigen Jahren erscheint der Vogel zudem regelmäßig auf der Bandenwerbung in Fußball, Handball und Eishockey.

          Das Nest: Das zentrale Verwaltungs- und Verkaufsgebäude des Unternehmens

          Den jährlichen Umsatz, der überwiegend über den Katalogversand von rund 35000 Produkten von Kleidung bis Handwerkerbedarf erzielt wird, beziffert der Geschäftsführer auf eine hohe dreistellige Millionenzahl. Schon steht die nächste Großinvestition an. In diesen Tagen übergab die Geschäftsleitung den Bauantrag für einen Neubau am Diestelrasen bei Schlüchtern an Landrat Erich Pipa (SPD). Hier soll es vom Jahr 2018 an einen neuen Versandschwerpunkt geben. Außerdem ist an die Einrichtung einer kleinen Schaumanufaktur gedacht.

          Arbeitsbedingungen verbessern

          In dem Neubau sollen rund 300 weitere Arbeitsplätze entstehen. Die neuen Kapazitäten will man auch dazu nutzen, das Firmenimage weiter aufzupolieren. Man wolle sich dort zu einer Art textilen Werbeagentur entwickeln und die Kunden bei der Gestaltung ihrer Logos beraten, die dann neben dem Straußenlogo individuell auf die Kleidungsstücke gestickt würden, kündigt Henning Strauss an. Zum Image gehört für ihn auch der Nachweis einer nachhaltigen Produktion der Kleidungsstücke.

          Deshalb gebe es neben einem „Nachhaltigkeitsteam“, das die Fertigungsstätten zum Beispiel in Vietnam und Bangladesch besuche, alljährlich einen öffentlichen Sozialbericht. Außerdem überprüfe ein externes Unternehmen die Einhaltung der Sozialstandards an den Fertigungsorten. Angeschlossen sei Engelbert Strauss zudem an die Fair Wear Foundation, eine Stiftung europäischer Kleiderproduzenten, die die Arbeitsbedingungen verbessern will.

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