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Fachkräfte halten : Kunst und Kung-Fu im Ferienkurs

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Früh übt sich: Kinder malen beim Kunstworkshop der DZ Bank. Bild: Wolfgang Eilmes

Wer gute Fachkräfte halten will, muss ihnen etwas bieten. Das gilt vor allem für deren Familien. Viele Unternehmen organisieren deswegen Ferienkurse für Mitarbeiterkinder.

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          Mia ist zehn Jahre alt, hat rote Farbe auf den nackten Waden, schwarze im Gesicht, und die Finger leuchten in den Farben des Regenbogens. Sie spricht über Kunst wie sonst nur deutlich ältere Gäste einer Vernissage. Dass Fotografie Kunst sein kann, habe sie überrascht, „und das blaue Bild mit den Schnecken“ besonders beeindruckt. Timm Ulrichs heißt der Künstler, doch blaue Schnecken im Quadrat sind für Kinder deutlich interessanter als die Namen der Künstler.

          Mia nimmt einen Schluck Wasser und eilt davon, um ihr eigenes Kunstwerk zu vollenden. Gemeinsam mit Valerie, Anna und einem guten Dutzend anderer Kinder im Alter von 7 bis 10 Jahren hat sie die Ausstellung aus der Kunstsammlung der DZ Bank besucht, um dann in den Räumen einer benachbarten Kita den eigenen Körperumriss auf großen Papierrollen nachzuzeichnen. „Die Zahl als Chiffre in der Kunst“ heißt die Ausstellung aus der umfangreichen Kollektion, die es seit 25 Jahren gibt. Noch bis zum 20. Oktober sind die Arbeiten dort zu sehen. Die von Mia und den anderen hängen bis zum 5. August gleich nebenan im sogenannten „Schau-Fenster“ der Bank.

          „8, 10, 23“ – Die zehn Jahre alte Anna chiffriert ihr Leben bunt auf Papier. „Ich spiele Basketball, die Acht war auf meinem Trikot bei meinem ersten Spiel, da habe ich meinen ersten Korb geworfen“, sagt sie. Natürlich trägt ihr Selbstporträt Basketballtrikot und Hose in Blau und Rot. Drum herum schwirren weitere Zahlen, ihr Alter, Geburtsdatum, „Lieblingszahlen halt“.

          DZ-Bank bietet Kindern Kunstworkshops an

          Sechs Wochen Sommerferien können für Kinder sehr lang werden, wenn die Eltern wesentlich weniger Urlaub haben, Kitas und Horte schließen und auch Großeltern nicht greifbar sind. Die DZ-Bank bietet für die Kinder ihrer Mitarbeiter in den Sommerferien regelmäßig solche Kunstworkshops an, zu anderen Zeiten können auch Schulklassen und private Interessenten am kunstpädagogisch angeleiteten Programm teilnehmen, das Nicole Kreckel organisiert. Mit der Digitalkamera pirschen die Kinder durchs Gelände und lernen dabei, was „abstrakt“ eigentlich bedeutet: keine Gegenstände, unscharf, verwackelt, ganz nah. Fotografie als Kunstform – Schwerpunkt der Sammlung – sind eben nicht die Schnappschüsse vom Familienurlaub.

          Das dunkle T-Shirt wird mit Chlorbleiche zum Universum, der gefaltete Origami-Stern bringt Mathematik und Geometrie ins Kunst-Spiel. „Hier gefällt es mir gut, alle sind nett und haben tolle Ideen“, sagt Mia.

          Was Kinder und Eltern freut, ist für den Arbeitgeber ein wesentlicher Anreiz, um gute Kräfte anzuwerben und zu halten, denn die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird im Berufsleben immer wichtiger. Die Kunstworkshops der DZ Bank sind kostenlos, nicht nur für die Kinder der Mitarbeiter, sondern auch für Schulklassen, die während der Schulzeit das kunstpädagogische Angebot nutzen.

          Zuschüsse für Ferienangebote

          Da sich die hessischen Schulferien im Jahr auf gut 13 Wochen addieren, haben auch andere Arbeitgeber in Frankfurt längst mit entsprechenden Angeboten reagiert. So bieten etwa die Commerzbank, Lufthansa, Sanofi, die Deka Bank, die Allianz oder die Deutsche Post DHL Group Zuschüsse für die Ferienangebote beim pme-Familienservice in der Guillottestraße an. Das ursprünglich von Gisela Erler, Sozialwissenschaftlerin am Deutschen Jugendinstitut, in München gegründete Unternehmen nutzen bereits 1500 Familien in Frankfurt für die Ferienprogramme, 4500 Buchungen gab es nach Auskunft des Unternehmens im vergangenen Jahr in Frankfurt. In mehr als 100 Kursen kann man das Seepferdchen erwerben, Kung-Fu betreiben, einen Jumicar-Führerschein machen oder Ausflüge auf die Saalburg und ins Erlebnisbad buchen.

          „In den Kursen lernt man was und trifft viele andere Kinder“, sagt Finn, 12 Jahre alt. Zusammen mit seinem Zwillingsbruder Marvin hat er in der ersten Ferienwoche einen Kung-Fu-Selbstverteidigungskurs besucht. „Wenn man sich in der S- oder U-Bahn unwohl fühlt, soll man laut ,Stopp!‘ rufen“, berichtet er begeistert. Toll fand er, dass er dabei auch mal einen Betrunkenen spielen durfte, der die anderen Kinder belästigt. Auch das Essen sei sehr lecker gewesen.

          Beide sind bereits alte Bekannte bei der Ferienbetreuung des Familienservice, sie haben auch schon verschiedene Fußballcamps besucht. Falls die berufstätigen Eltern nach Kursende noch keine Zeit für die Kinder haben, können die sich im Kinderzentrum mit Tischkickern und beim Toben mit Gleichaltrigen die Zeit vertreiben.

          Interessantesten Kurse sind schnell ausgebucht

          „Es ist zwar schon ein größerer Aufwand, mit den Kindern morgens mit der S-Bahn nach Frankfurt zu fahren“, sagt die Mutter der beiden, die im Taunus wohnt. 100 Euro pro Kind hat sie für den Kampfsport-Kurs bezahlt, ihr Arbeitgeber, die Commerzbank, gibt einen Zuschuss von 25 Euro obendrauf. „Man weiß dann aber, dass die Kinder dort in guten Händen sind, und man selbst steht nicht mehr so sehr unter Zeitdruck.“ Selbst an eine Trinkflasche müsse sie morgens dann nicht mehr denken.

          Die Guillottestraße, Treffpunkt für alle Aktivitäten und Betreuungszentrum für die Kinder, sei sehr gut zu erreichen, „wenn nicht gerade der S-Bahn-Tunnel gesperrt ist“. Auch als die Kinder noch im Kita-Alter waren, konnte sie sie dort jederzeit für Tage oder Wochen unterbringen, 25 Tage im Jahr sind bei der Commerzbank für jeden Mitarbeiter pro Kind völlig kostenfrei.

          „Die Kinder lernen dort auch, dass sie offen auf andere Kinder zugehen müssen, und knüpfen viele Kontakte, das ist mir sehr wichtig.“ Die interessantesten Kurse seien allerdings sehr schnell ausgebucht. So rät sie anderen Eltern, bereits direkt nach den Sommerferien die Kinder anzumelden. Denn die nächsten Ferien sind meist nicht weit.

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